< 22. Spieltag der Fußball-Bundesliga, SC Freiburg gegen Borussia Dortmund
06.03.2017 16:30 Alter: 2 yrs

23. Spieltag der Fußball-Bundesliga, Eintracht Frankfurt gegen SC Freiburg

Sonntag, 5. März 2017, 15.30 Uhr * Commerzbank-Arena, Frankfurt * Eintracht Frankfurt gegen SC Freiburg


 

Das Vorspiel

Es mag bizarr anmuten, wenn ich, wie in diesem Fall, „das Vorspiel“ aus der Retrospektive schreibe, also erst nach dem Spiel… andererseits … erzählen, was los war, kann ich ja auch in der Vergangenheitsform. Wobei – zum Einstieg kann ich aus dem „Nachspiel“ vom Dortmund-Kick klauen; da hatte ich ja meine Reiseplanungen bereits geschildert:

Wegen der Fasnachtsferien in der Schule habe auch ich mir den Freitag im Verlag freigenommen, sodass ich mit meiner kleinen Familie im Schlepptau bereits am Donnerstag meine nächste Auswärtsreise antrete. Wir fahren auch tatsächlich nach Frankfurt, von wo aus wir aber nach einer sehr preisgünstigen Übernachtung im für Sparfüchse sehr empfehlenswerten Famileinzimmer des A&O F-Galluswarte bis Bielefeld weiterfahren, um dort meine im Herbst leider verwitwete Mutter zu besuchen. Nach dem zweitägigen Abstecher in die Heimat, geht es dann am Sonntagvormittag die zweieinhalb Autobahnstunden zurück bis nach Frankfurt. Für Yoani und die beiden Kleinen, aber auch für meine in Frankfurt lebende Tochter Caroline und ihren Partner Fabian habe ich Karten für die Gästekurve gekauft; Sitzplatz, Balkon, erste Reihe, oberhalb der lautstarken SC-Fraktion. (Bitte nicht zündeln, SC-Fans!!!)

So mein Text von neulich bezüglich Frankfurt, Bielefeld und so. Genauso haben wir es auch gemacht.

Als ich mit Frau und Kindern am Samstagnachmittag im Kult-Café Knigge in Bielefeld saß, machte ich meiner Liebsten einen „spontanen“ Vorschlag: „Wie wäre es“, so meine Idee, „wenn Du mit Amelie schön shoppen gehst und ich suche mir mit Ben ein Wettbüro für Fußballwetten? Da könnten wir die Sky-Konferenz schauen und ich könnte, weil da meistens ein Internetcafé angeschlossen ist, mein Frankfurt-Tagebuch verfassen. Was meinst Du dazu?“ Meine liebe Frau schüttelte zwar lächelnd den Kopf über ihre fußballverrückten Männer, war aber einverstanden. Und schon ging es die Bahnhofstraße runter bis zu dem Wettbüro, das ich im Kopf hatte. Allerdings hatte ich meine Rechnung ohne das deutsche Jugendschutzgesetz gemacht, denn so schnell wie wir in dem Laden drin waren, wo gerade der Anstoß der Bundesligaspiele übertragen wurde, waren wir auch schon wieder hinauskatapultiert – also freundlich aber unmissverständlich: „Mit Kindern gäht nicht! Verbotten! Bitte gähen!“ Natürlich fing ich erst gar nicht an, auf albanisch/deutsch (oder so) zu diskutieren, sondern verwarf die Idee mit dem Frankfurt-Tagebuch aus Bielefeld wieder und hatte bereits eine Sky-Sportsbar im Sinn, die mir auf dem Fußweg zum Wettbüro ins Auge gestochen war. Wenig später saßen mein achtjähriger Sohnemann Ben und ich in dem besagten Lokal am Tisch und starrten auf einen der vielen großen Fernseher, die dort hingen.

„Hola guapo!“ hörte ich eine rassige, dunkelhaarige Bedienung zu Ben sagen, der mit einem freundlichen „hola“ antwortete, was die Dame vom Service fast umhaute. Sie erkundigte sich noch auf spanisch, ob Ben wirklich spanisch spräche und mein Kleiner bestätigte als sei es das Natürlichste von der Welt. "Seine Mutter ist Dominikanerin" klärte ich die offensichtliche Latina ebenfalls in Yoanis Muttersprache auf und die Dame vom Service grinste, weil auch sie von meiner Lieblingsinsel stammt. Ben bestellte ein stilles Wasser – diese Vorliebe hat er ganz sicher nicht von mir – und ich einen Kaffee. Und dann schauten wir die Bundesliga, unterbrochen von kurzen spanischen Wortwechseln mit der dominikanischen Bedienung. Ich „simste“ Yoani unseren Standort und hoffte auf einen längeren Shopping-Spaziergang der Mädels, damit wir Jungs möglichst viel von den Samstagsspielen der Bundesliga mitbekamen. Mit allem drum und dran, inklusive Austausch de Dominikanerinnen untereinander nach Yoanis Eintreffen, reichte es bis zur 80. Minute etwa. Den Rest der Spiele verfolgte ich mir über den Ticker auf dem Weg zu einem Blumenladen und zum Auto. Es wurde auch Zeit, da wir am frühen Abend privat eingeladen waren.

Am Sonntag sind wir dann von Bielefeld nach Frankfurt gefahren. Zunächst zu meiner großen Tochter Caroline, die innerhalb der Weltstadt am Main gerade umgezogen ist. Wir begutachteten ihre wirklich tolle neue Wohnung – mit Eisdiele im Haus (Neid!) – aßen zu Mittag (Danke Caro!) und fuhren zur Commerzbank-Arena. Auf dem Weg dorthin erfuhren wir via Radio, dass Arminia Bielefeld nach vier Minuten mit 2:0 gegen Erzgebirge Aue führte. Super! Alles wird gut! (dachte ich).

Als ich meine Familie in der Gästekurve zu ihren Sitzplätzen gebracht hatte und im Presseraum auf den geschätzten Kollegen Roland Zorn traf, ebenfalls ein Armine durch und durch, stand es auf der Alm schon wieder 2:2. "Das wird sehr schwer mit dem Klassenerhalt für Arminia", waren Roland und ich uns einig.

Ich versuchte die Enttäuschung darüber abzustreifen und mich fortan ganz auf den bevorstehenden Kick des SC gegen Eintracht Frankfurt zu konzentrieren, was mir natürlich nicht wirklich schwer fiel. Natürlich steht mir der SC nach einem knappen Vierteljahrhundert engster Begleitung inzwischen deutlich näher als mein Heimatverein, ich bin zudem beruflich verbandelt und es ist erste Liga - Frankfurt gegen Freiburg! Das rockt doch! Ich sah gute Chancen und hatte in unserer recht prominent besetzten Klick-Tipp-Runde, die ich selbstredend souverän anführe (smile), auf einen  1:2-Auswärtssieg getippt (ehrlich jetzt!). Der Tipp sollte mir die optimale Ausbeute, nämlich vier Punkte bringen – und dem Sport-Club drei. Aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt ja noch nicht.

 

 

Das Fußballspiel (Mein 859. SC-Livespiel)

Es war nicht der Tag des Schiedsrichters Günter Perl. Das begann schon vor dem Anpfiff. Aus unerfindlichen Gründen hatte er Probleme das weiße Trikot mit den dünnen geraden schwarzen Streifen von dem roten Freiburger Trikot mit den dicken schrägen schwarzen Streifen zu unterscheiden und forderte den Gast auf, die Garnitur zu wechseln. Ganz in grün hatten die Jungs bislang aber alle Spiele verloren, weshalb die Mannschaft nun ein Veto einlegte und schließlich mit den grünen Trikots, aber mit schwarzen Hosen und Stutzen auflief. Das war ungewohnt, wird aber womöglich auswärts jetzt zum Renner, denn der SC sollte ja am Ende als Sieger vom Platz gehen…

Zurück zu Herrn Perl. In der 12. Minute mutierte ein Befreiungsschlag aus der  Frankfurter Abwehr zu einem gefährlichen Pass. Der Frankfurter Rebic rammte Kempf an der Strafraumgrenze regelwidrig um, trifft danach den Ball mit dem Oberarm und bringt so Hrgota in Schussposition, der frei zum 1:0 trifft. Ein regelwidriger Treffer aber er zählte. Es sollte nicht Perls einziger sportlicher Blackout neben der scheinbaren Farbenblindheit bleiben.

Zehn Minuten später bot sich Blum im SC-Strafraum eine gute Einschussmöglichkeit, der junge Mann verzog den Ball allerdings bei der Direktabnahme und schoss drüber. Statt des möglichen 2:0 erlebten die 50.000 Zuschauer in der 25. Minute den Ausgleich der fußballerisch eindeutig beschlageneren Freiburger. Ein wunderbarer vertikaler Flachpass von Höfler in die Spitze wurde durch eine Körpertäuschung von Frantz zu einem Traumpass für den durchstartenden Niederlechner, der nun frei auf das Frankfurter Tor zu laufen konnte, Torwart Hradecky eiskalt verlud und zum 1:1 einschob. Deutlich mehr als 2.000 SC-Fans in der Gästekurve konnten feiern.

Glück für den Sport-Club allerdings wenig später vor dem eigenen Tor. Nach der ersten Frankfurter Ecke wertete Schiedsrichter Perl ein kurzes Halten von Gacinovic an Schwolow als regelwidrige Behinderung und gab den in der direkten Folge erzielten Treffer der Eintracht nicht. Neun von zehn Schiedsrichtern hätten hier vermutlich auf Tor entschieden, womöglich erinnerte sich Perl aber an den umstrittenen ersten Eintrachttreffer und fällte hier nun eine Konzessionsentscheidung. In jedem Fall blieb es beim 1:1.

In dieser aufgeregten Phase ließ sich Rebic noch zu einer Tätlichkeit gegen Kübler hinreißen, dem er in voller Absicht mit den Stollen auf den Spann trat – eine klare Tätlichkeit, im Rudel passiert und deshalb nicht von Herrn Perl, sondern erst durch die Fernsehbilder enttarnt. Womöglich meldet sich das DFB-Sportgericht noch bei Herrn Rebic…

In der zweiten Hälfte bot der SC Freiburg eine tolle Leistung, ließ bis zur 93. Minute keine einzige veritable Eintracht-Chance zu, kam aber selbst durch eine tolle Kombination und einem Pass von Grifo auf Niederlechner zum 1:2 (59.). Die Fernsehkameras entlarvten die knappe Abseitsstellung des Torschützen, die von den am Sonntag scheinbar überforderten Unparteiischen allerdings nicht wahrgenommen wurde – der Treffer fand Anerkennung.

Der Freiburger Auswärtssieg geriet erst in der dritten Minute der Nachspielzeit noch einmal ernsthaft in Gefahr. Der eingewechselte, grippegeschwächte Alex Meier kam sechs, sieben Meter vor dem Tor frei zum Schuss. Der andere Alex, Schwolow nämlich, bekam aber ein Bein in die Flugbahn des Balles und verhindert so kurz vor Schluss den möglichen Ausgleich.

Die bekannte und erwartete aggressive  Spielweise der Gastgeber hatte der SC gut abgefedert. Die Jungs haben sich nie – auch nicht durch fiese Tacklings wie die Tätlichkeit von Rebic – provozieren lassen, sondern sind ruhig geblieben und haben sich dann als die spielerisch bessere Mannschaft präsentiert. Vor diesem Hintergrund war der Auswärtssieg trotz einiger  glücklicher Umstände und Fehlentscheidungen hüben wie drüben, nicht unverdient.

 

Das Nachspiel

Familie Rischmüller setzte sich nach dem Sieg und dem Einsammeln der Interviews mit Schuster, Kübler und Trainer Streich durch mich, bei bester Laune in den im riesigen Stadionbauch geparkten baden.fm-Hyundai und fuhr bei fiesem Regenwetter Richtung Süden. In Baden Baden holte ich ein paar Hamburger, Chicken-Nuggets und Crispy-Sticks für das Nachtessen ins Auto und wir waren – nach Autotausch am Funkhaus – gegen 22 Uhr zu Hause, wo die Kinder schnell ins Bett mussten, denn die Fasnachtsferien sind schließlich vorbei.

Auch ich war müde aber zufrieden mit dem Sport-Club und mir und lag alsbald im Bett – gerade noch wach genug, um Yoani um Mitternacht ein Geburtstagsständchen zu singen und einen Kuss zu geben. Dann war Tutti.

Seit heute (Montag) Morgen hat mich die Realität des wöchentlichen Arbeitsalltags wieder. Wie immer verfasste ich als erstes meine SC-Kolumne für die diversen WZO-Wochenzeitungen zwischen Ettenheim und der Grenze zur Schweiz. Hier der Wortlaut im Vorabdruck für die Tagebuchleser:

 

SC INTEAM

In den regelmäßigen Pressekonferenzen zwischen den Bundesligaspielen des SC Freiburg wird Cheftrainer Christian Streich nicht müde, auf den intakten Mannschaftsgeist, den guten Umgang der Spieler untereinander sowie ganz besonders die sportliche Fairness und den Ehrgeiz jener Spieler hervorzuheben, die gerade nicht zur Startelf gehören, sondern, trotz guter Trainingsleistungen auf der Bank oder gar auf der Tribüne sitzen. Erst kürzlich lobte der Coach die hohe Intensität in den Trainingseinheiten, die nur die Reservisten bestreiten, wenn bei den aktuellen Stammkräfte am Tag nach dem Spiel Pflege und Erholung auf dem Stundenplan steht. Die Leistungsunterschiede zwischen jenen, die am Wochenende im Rampenlicht ständen und den anderen seien nur minimal, Personalentscheidungen meistens zudem taktischen Überlegungen  geschuldet. Als Journalist hört man aufmerksam  zu, nimmt die Ausführungen des Trainers interessiert zur Kenntnis – eine Schlagzeile wird allerdings selten daraus. Obwohl Christian Streich die überdurchschnittlich gute Saison des SC Freiburg maßgeblich auf die große Leistungsdichte und vor allem auf die soziale Kompetenz und das Miteinander seiner Jungs zurückführt, denkt man als Beobachter oft, dass das Trainerlob für die Reservisten und der Hinweis, wie eng es leistungsmäßig im Kader zugehe, vor allem verbale Streicheleinheiten sind, um die positive Stimmung zu pflegen und unzufriedene Profis zu vertrösten und bei Laune zu halten. Das konnte man als kritischer Geist  zumindest vermuten – bis zum Spiel in Frankfurt...

 Nach dem schwachen Auftritt seiner Mannschaft gegen Borussia Dortmund tauschte Christian Streich für das Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt nicht weniger als  die Hälfte  der Feldspieler aus, die beim 0:3 gegen Borussia Dortmund in der Startelf gestanden hatten. Nur bei Philipp war das durch eine Sperre bedingt. Die Innenverteidiger Kempf und Gulde ersetzten vor 50.000 Zuschauern in Frankfurt Torrejon und Söyüncü. Es funktionierte. Kapitän  Schuster, seit Monaten Edelreservist, kam im defensiven Mittelfeld zum Einsatz. Der technisch versierte Stratege brachte Ruhe und Abgeklärtheit ins Spiel und  war genau der richtige Spielertyp, um dem wuchtigen „Krawallfußball“ der Eintracht zu begegnen und spielerische Überlegenheit zu produzieren. Der laufstarke  Haberer ersetzte erfolgreich den gesperrten  Philipp und  Niederlechner rutschte für Fan-Liebling  Petersen in die Startelf. Der Bayer bedankte sich mit einem Doppelpack. Fazit: Alles richtig gemacht, Trainer, und vor allem auch immer die Wahrheit gesagt. Kompliment! (Zitatende)

33 Punkte, Platz 8, Hoffenheim darf kommen. Erst Hoffe daheim, dann Augsburg auswärts. Vier Punkte aus den beiden Spielen wären eine tolle Bilanz, die zu kühnen Träumen verleiten könnte…