< 26. Spieltag der Fußball-Bundesliga, SC Freiburg gegen SV Werder Bremen
03.04.2017 22:00 Alter: 2 yrs

27. Spieltag der Fußball-Bundesliga, VfL Wolfsburg gegen SC Freiburg

Mittwoch, 5. April 2017, 20 Uhr * Volkswagen-Arena, Wolfsburg * VfL Wolfsburg - SC Freiburg


Nach-(dem)-Spiel ist Vor-(dem)-Spiel

 

Englische Woche ist heftig, erst recht nach so einem Tiefschlag. Wenn ich in die sozialen Netzwerke schaue, beobachte ich bei Teilen der Fans eine gewisse Hysterie. Von Abstiegskampf ist die Rede, von der drohenden Relegation. Die – wie ich finde – unangebrachte oder zumindest verfrühte Panikmache habe ich unter anderem auch in meiner Zeitungskolumne „SC INTEAM“ zum Thema gemacht, die am Mittwoch in den meisten WZO-Wochenzeitungen erscheinen wird. Hier der Wortlaut:

SC INTEAM

Mit der schwächsten Saisonleistung gegen den SV  Werder, dem momentan alles zu gelingen scheint, kassierte der SC  eine klare Niederlage. Da Bremen die drei Punkte mitnahm und zeitgleich der Hamburger SV gegen Köln gewann, wurden der Sport-Club und seine Fans schmerzhaft daran erinnert, dass der Klassenerhalt trotz der 35 Punkte auf dem Konto, noch nicht gesichert ist. So manches Fan-Statement in den sozialen Netzwerken wird seither von einer gewissen Hysterie geprägt. Das Schreckgespenst Relegation wird an die Wand gezeichnet. Auch bei den Spielern? Vincenzo Grifo meinte auf die Frage nach dem Nervenkostüm der Mannschaft: „Das wird sich diese Woche zeigen. Ich bin mal gespannt.“ Grund zur Panik gibt es eigentlich nicht. Noch immer trennen den SC nur zwei Zähler von einem Rang, der den internationalen Wettbewerb mit sich bringt und nach wie vor stehen acht Konkurrenten hinter Freiburg, die alle den Relegationsplatz vermeiden wollen und acht Spieltage vor Saisonende weniger Punkte auf dem Konto haben als der SC. Einige dieser Teams, Hamburg, Bremen und Wolfsburg, haben jüngst zurück auf den Erfolgsweg gefunden. Andere, wie  Schalke,  Mönchengladbach und Leverkusen, kann sich niemand ernsthaft in der Relegation vorstellen. Es gibt aber auch noch Augsburg und Mainz, die aktuell mit 29 Zählern auf den Plätzen 15 und 16 verharren und zuletzt eben keine guten Ergebnisse mehr sammeln konnten.  Mainz ist nächster Heimspielgegner des SC – da besteht eine reelle Chance auf „big points“ im Kampf um den vorzeitigen Klassenerhalt. Heute Abend in Wolfsburg gibt es diese Möglichkeit potenziell auch, doch dürfte angesichts des Leistungsaufschwungs der VW-Kicker unter ihrem neuen Trainer Andries Jonker und der „Wunderwaffe“ Gomez in vorderster Spitze schon ein Punktgewinn als Erfolg für Freiburg betrachtet werden. Der SC ist nach dem schwachen Spiel und der Schlappe gegen Bremen zweifellos angeschlagen. So wie vor ein paar Wochen nach dem 0:3 gegen Dortmund. Damals war die Antwort übrigens ein 2:1-Auswärtssieg in Frankfurt. Nicht immer aber meistens ließ der SC in dieser Saison auf Niederlagen starke Leistungen und Erfolgserlebnisse folgen. Motto: Keine Panik! (Zitatende)

Und damit sollte man diesen unseligen Kick gegen Bremen auch gedanklich auf die Seite schieben, abhaken, vergessen und den Blick auf die Zukunft richten. Die ganz nahe Zukunft ist das Auswärtsspiel in Wolfsburg. Das wird auch für mich ein mächtiger Ritt am Mittwoch. Ich habe mich ja, um meine verwitwete Mutter in Bielefeld zumindest für zwei Stündchen zu besuchen und gemeinsam zu Mittag zu essen, entschlossen, das Auswärtsspiel mit dem Auto abzufeiern. Als ich gestern im Fitnessstudio und vor allem heute im Verlag in ein, zwei etwas stressigen Momenten gespürt habe, dass ich nach meiner „akuten Pankreatitis“ und dem damit verbundenen Krankenhausaufenthalt neulich kräftemäßig noch nicht wieder bei hundert Prozent bin, habe ich schon ein wenig angefangen zu zweifeln ob es eine gute Entscheidung ist, mir die weite Strecke im PKW aufzubürden – andererseits fahre ich eigentlich ganz gerne Auto, kann zum Beispiel den neuesten Krimi als Hörbuch verschlingen und wenn ich um sieben Uhr in der Frühe losfahre, müsste alles ganz entspannt zu machen sein. Zwischen 12 und 13 Uhr würde ich in Bielefeld ankommen, wo auch meine Schwester aus Mexico gerade zu Besuch ist. Nach ein, zwei Stündchen mit familiärem Hintergrund, also so gegen 14.30 Uhr will ich dann weiter nach Hannover fahren, wo ich in meinem Stammhotel „Königshof am Fernsehturm“ ein Zimmer reserviert habe. Um 16 Uhr sollte ich entspannt dort ankommen. Um 17 Uhr geht es dann weiter, noch einmal eine gute Stunde bis Wolfsburg.

 

In der Volkswagen-Arena hoffe ich dann auf eine bessere Leistung als zuletzt gegen Bremen und vielleicht auf ein Bonuspünktchen. Natürlich ist Wolfsburg klarer Favorit… Da muss man Realist sein. Ein Punkt wäre aber für Freiburg ein goldener… 

 

Das obligatorische Kollegengespräch im Vorfeld der SC-Spiele in der Morningshow von baden.fm wird morgen durch einen sogenannten Aufsager ersetzt. Statt drei Fragen und drei Antworten, die in der Regel zwei bis drei Minuten in Anspruch nehmen, werde ich nur ein Statement von etwa einer Minute abgeben. Hintergrund ist, dass an einem Mittwochmorgen im Grunde kein freier Sendeplatz für einen Fußballbericht existiert. Zudem gibt es zurzeit viele andere Aktionen im Radioprogramm, sodass wir etwas tricksen müssen und das übliche Gespräch auf einen Nachrichtenaufsager reduzieren. Und den werde ich jetzt hier, quasi live (smile) entwerfen…

Nur nicht in den Abstiegskampf hineinrutschen! So lautet das Ziel des SC Freiburg für die beiden abschließenden Spiele der „Englischen Woche“, heute Abend um 20 Uhr beim VfL Wolfsburg und am Samstag um 15.30 Uhr gegen Mainz 05. Drei, vielleicht vier Punkte aus diesen beiden Spielen wären äußerst hilfreich bei diesem Unterfangen. Allerdings muss der VfL Wolfsburg heute Abend als klarer Favorit betrachtet werden. Unter dem neuen Trainer Andries Jonker ist der VfL seit vier Spielen ungeschlagen und Tormaschine Mario Gomez trifft – fast – wie er will. Der Sport-Club will den schwachen Auftritt gegen Bremen vergessen machen und seine Haut in Wolfsburg so teuer wie möglich verkaufen. Mögliche personelle Veränderungen sind wie immer „geheime Kommandosache“. Wahrscheinlich ist in der Defensive eine variable Dreier- bzw. Fünferkette mit Kapitän Schuster in der Zentrale. Das ist jedoch Spekulation. Sicher ist: Schon ein Punkt in Wolfsburg wäre ein Erfolg. (Ende Aufsager)

Das kommt dann morgen früh gegen 8.40 Uhr im Programm; ist dann natürlich vorproduziert, denn ich bin dann schon 90 Minuten „on the road“, wie der Asphalt-Cowboy sagt und zu einem werde ich ja morgen wieder.

Eine kleine Schmunzette zum Schluss des Vorspiels…: René K. von der BZ, Melanie M. von der BILD und SC-Edelfan Stephan M. (ein Chefarzt aus Soest, der zu jedem SC-Spiel reist) und ich wohnen alle im selben Hotel in Hannover. Klar das „Papa“ das organisiert hat. Ob wir dann richtig ausladend feiern hängt von zwei Bedingungen ab: Erstens natürlich das Abschneiden des SC in Wolfsburg, logisch. Zweitens von der Frage, ob Köln heute gegen Frankfurt gewinnt. Sollte das nämlich der Fall sein, hätte ich mit einer Kombiwette aus 50 Euro Einsatz mal eben 400 Euro gemacht. Wie gesagt, wenn dieses letzte Ergebnis noch eintrifft… (Nein, die SC-Niederlage gegen Bremen hatte ich natürlich nicht in der Tippliste)

Und mit ungeplanten 400 Euro und einem Auswärtspunkt aus Wolfsburg könnte man ja mal die „Tassen hoch“ gehen lassen; selbst wenn aus ärztlichen Gründen nur Pfefferminztee drin wäre… Dann trinkt man halt Tee mit Rum. Aber nur wenn…

In diesem Sinne – gutes Spiel!

 

Ich übertrage das Bundesligaspiel VfL Wolfsburg gegen SC Freiburg am Mittwoch ab 19.30 Uhr live bei baden.fm.

 

 

Das Fußballspiel (Mein 862. SC-Livespiel)

 

Welch eine Befreiung!  Durch den unerwarteten 1:0-Erfolg beim VfL Wolfsburg gelingt dem SC Freiburg ein wahrer Befreiungsschlag im Kampf gegen Abstieg und Relegation.

In der ersten Hälfte sah es freilich überhaupt nicht nach einem Freiburger Erfolg aus. Der VfL, der zuletzt wieder in die Erfolgsspur gefunden und regelmäßig gepunktet hatte, dominierte eindrucksvoll. Gleich zu Beginn hatte Torjäger Mario Gomez, der in den vier Spielen unter dem neuen Trainer Andries Jonker immer getroffen hatte, zuletzt in Leverkusen sogar drei Mal binnen weniger Minuten, eine riesige Möglichkeit zur 1:0-Führung. Der Wolfsburger Top-Torjäger stand dabei zwar klar im Abseits, was den Unparteiischen allerdings verborgen geblieben war, so dass ein eventueller Treffer wohl gewertet worden wäre. Der Schuss von Gomez, dem Kopfballspezialisten, ging aber kläglich am Tor vorbei. Zwei, drei andere gute Wolfsburger Einschussmöglichkeiten machte SC-Torwart Alexander Schwolow bravourös zunichte. So ging es mit einem für den SC Freiburg sehr schmeichelhaften  0:0 in die Pause.

Im Presseraum des VfL gab sich die kleine Freiburger Delegation relativ kleinlaut, während Trainer Christian Streich einige Stockwerke tiefer in der SC-Kabine offenbar das richtige Konzept entwickelte und die richtigen Worte fand. In der zweiten Hälfte drehte der SC nämlich den Spieß um, griff rotzfrech an und übernahm das Kommando in der Volkswagen-Arena. Frei nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ liefen die Freiburger Jungs die zunehmend müde werdenden Wolfsburger mit Kraft, Lunge und Offensivgeist in Grund und Boden. Es machte sich bemerkbar, dass der SC in der „Englischen Woche“ einen Tag mehr zur Regeneration hatte als der VfL, der zudem am Sonntag in Leverkusen einen Kraftakt gebraucht hatte, um einen 0:2-Rückstand mit einer Energieleistung und Gomez als dreimaligem Vollstrecker noch zu einem 3:3 Remis zu machen. Die Schwächen der Wolfsburger Defensive, die unter Bedrängnis schon in Leverkusen zu erkennen waren, offenbarten sich jetzt auch im Spiel gegen die mutig anstürmenden Freiburger. Irgendwann lag ein Treffer der Gäste einfach in der Luft und in der 78. Minute war es dann so weit: Ein schneller Konter des SC, one-touch-Fußball vom eingewechselten Petersen auf Niederlechner und der Urbayer im SC-Angriff, zurzeit noch eine Leihgabe des FSV Mainz 05, bewies trotz eines riesigen Laufpensums, das er absolviert hatte, seine Extraklasse im Abschluss. Gekonnt knallte „Oberlechner“, wie ich ihn nach solchen Auftritten in Interviews gerne nenne, die Kugel ins lange Eck. Mit Glück, ganz viel Kampfgeist und Geschick brachte der SC die knappe Führung über die Zeit. Unruhe kam nur nach einer rustikalen Abwehraktion des in der Nachspielzeit eingewechselten „Schorsch“ Niedermeier, Sekunden vor dem Abpfiff, auf, als die Platzherren einen Elfmeter forderten. Es war gut und richtig, dass Schiedsrichter Guido Winkmann seiner Linie treu blieb und weiterspielen ließ. Dann war Abpfiff, Wolfsburg geschlagen und Dauer-Torjäger Gomez entzaubert. Letzteres auch wegen der glänzenden Leistung des Rückkehrers Caglar Söyüncü in die Startelf.

 

Das Nachspiel

Gute Laune herrschte im Freiburger Lager in der Mixedzone der Volkswagen-Arena. Die Befreiung war den Fußballern und ihren Begleitern aus Management, Betreuern und Trainerstab ins Gesicht geschrieben. Schwolow, der Held der ersten Halbzeit, und Niederlechner, der Schütze des Siegerstores, standen mir bestens gelaunt in den Interviews Rede und Antwort, bevor auch Christian Streich mir in äußerst entspannter Atmosphäre, nach der obligatorischen Pressekonferenz, seine Sicht der Dinge ins Mikrofon sprach.

Als der Job erledigt war, fuhr ich mit den Kollegen von BZ und BILD im „Gepäck“ noch die ca. 100 km bis zu unserem Hotel in der Innenstadt von Hannover. Dort trafen wir in der Hotelbar auf „Edelfan“ Stephan Mohrbach, der Arzt aus Soest in NRW, der zu jedem SC-Spiel reist. Zusammen mit René Kübler und Stephan stießen wir noch mit Jacky/Cola (ich) und Gin Tonic (die Jungs) auf den SC-Sieg an – jeder orderte eine Runde – drei Punkte, drei Drinks…

 

Als erster verließ René unsere kleine Runde, dann ging auch Stephan, während ich den Sieg noch etwas länger genoss und einen vierten Drink orderte. Irgendwann zog es dann auch mich ins Hotelbett, denn um 7 Uhr am nächsten Morgen wollte ich aufstehen, um 8 Uhr die lange Heimreise mit dem Auto antreten und nachmittags programmgemäß wieder meinen Aufgaben im WZO-Verlag nachkommen. Das gelang auch alles. Nur das Internet-Tagebuch kam etwas zu kurz dabei, weshalb dieser Text mit etwas Verspätung entstand. Ich bitte um Verständnis.