< 27. Spieltag der Fußball-Bundesliga, VfL Wolfsburg gegen SC Freiburg
10.04.2017 15:18 Alter: 2 yrs

28. Spieltag der Fußball-Bundesliga, SC Freiburg gegen den FSV Mainz 05

Samstag, 8. April, 15.30 Uhr * Schwarzwald-Stadion, Freiburg * SC Freiburg - VfL Wolfsburg


Englische Woche / Vorspiel

 

Donnerstagnachmittag gegen 14.30 Uhr saß ich, zurück aus Wolfsburg, wieder an meinem Schreibtisch im WZO-Verlag. Es gab (und gibt) viel zu tun, denn das Frühjahr ist eine besonders arbeitsreiche Zeit für anzeigenfinanzierte Zeitungen. In verschiedenen Orten standen Frühlingsfeste und verkaufsoffene Sonntage auf der Tagesordnung. Deshalb musste auch ein halber Urlaubstag für die Rückfahrt meiner Radio-Reise nach Wolfsburg reichen. Ein arbeitsreicher Donnerstagnachmittag, dann, am Freitagvormittag die Pressekonferenz des Handelsverbandes Südbaden, gefolgt von der des SC im Vorfeld des Mainz-Spiels. Terminlich ließ sich das ganz gut bündeln, zumal beide PKs in Freiburg stattfanden und sich zeitlich ergänzten. Zu dem Zeitpunkt hatte ich freilich meinen Fußball-Talk, also das sogenannte Kollegengespräch in der Morningshow von baden.fm, zum Spiel gegen Mainz, schon hinter mir. Ich hatte angekündigt, dass der SC durch einen Sieg den Klassenerhalt würde klarmachen können, worauf sich doch tatsächlich per „Whatsap“ ein Hörer beim Sender beschwert hat, weil ich ja keine Ahnung hätte und was rechnerisch noch alles möglich wäre, selbst wenn der SC gewänne und so. Hallo!!!??? Ich sage als Sportjournalist im Radio meine Einschätzung (hierauf komme ich nachher noch einmal  zurück) und vertrete meine Meinung. Dabei geht es nicht um theoretische mathematische Möglichkeiten, sondern um einen großen Erfahrungsschatz und Einschätzungen auf Basis einer in über 25 Jahren professioneller Begleitung der Fußball-Bundesliga angeeigneten Expertise.

Ich hatte zudem seit dem Aufkommen der 40-Punkte-Diskussion durch einen Artikel im Kicker bei baden.fm immer die Position vertreten, dass auch in diesem Jahr 40 Punkte zum Klassenerhalt reichen und entsprechend war meine Argumentation einzuschätzen, dass der SC mit 41 Punkten auf jeden Fall „durch“ wäre und sein Saisonziel vorzeitig erreicht hätte.  

Nach dem Abschluss des offiziellen Teils der PK am vergangenen Freitag bestätigte dann auch Christian Streich in kleinem Kreis: „Wenn wir gegen Mainz gewinnen sind wir „durch““

Freitagnachmittag gab es noch im Verlag einiges zu tun und erstmals konnte ich dann so gegen 17.30 Uhr, dem offiziellen Feierabend, durchatmen. Eine anstrengende Arbeitswoche ging zu Ende und ein anstrengendes Arbeitswochenende lag noch vor mir. Aber jetzt war Freitagabend, Arminia spielte in Sandhausen und ich freute mich auf ein paar Fußball-Stunden am TV. Wegen der Verpflichtungen im Verlag hatte ich auf eine Akkreditierung für das Sandhausen-Spiel meines Heimatvereins verzichtet und auch die VIP-Einladung eines Bekannten, der im Marketing eines Sandhausen-Sponsors beschäftigt ist, aber - wie ich – ein Armine ist, ausgeschlagen. Mit einer guten Flasche Rotwein am heimischen Fernsehschirm war das alles viel entspannter. Nach dem „Ritt“ nach Wolfsburg hatte ich auch absolut keinen Bock auf Autobahn und so. In familiärer Runde Arminia die Daumen drücken, das war jetzt meine Entspannung. Und Arminia gewann in Sandhausen! Ich fürchte, wenn die am Ostermontag gegen Stuttgart punkten, muss ich am 22. April dann doch auf die Autobahn und zum Auswärtsspiel in Heidenheim fahren… Schaun mer mal… Noch viel wichtiger war und ist natürlich der SC und der stand vor dem schweren Heimspiel gegen Mainz 05.

 

 

Das Fußballspiel (Mein 863. SC-Livespiel)

 

„Nie mehr 2. Liga – nie mehr, nie mehr!“ sangen die Fans des SC Freiburg während der Schlussminuten des Spiels gegen Mainz 05. Es war kein schönes, sondern ein enges Kampfspiel gewesen. Mainz war vielleicht sogar eine Spur besser als der SC, aber Höhepunkte, etwa klare Torchancen waren höchst rar in dieser Begegnung. Einen Höhepunkt gab es freilich, der die heimischen Fans für alles andere entschädigte: Unter dem tosenden Jubel der Zuschauer wurde in der 69. Minute einmal mehr Nils Petersen als Joker eingewechselt. „Jetzt geht’s los, jetzt geht’s los!“ skandierten die Fans und was passierte? Wenige Sekunden später erzielte der lange Schlacks mit seiner ersten Ballberührung das 1:0 und sorgte damit dafür, dass der SC Freiburg schon sechs Wochen vor ultimo sein Saisonziel erreichte. Deshalb auch die glückseligen Gesänge „Nie mehr zweite Liga“ in der Schlussphase, in der es aber noch einmal haarig werden sollte. Einen abgefälschte Flachschuss konnte Schwolow mit einer Glanzparade gerade noch abwehren und – das war besonders wichtig – fast wider physikalischer Gesetze und auch der situativen Erwartbarkeit – dabei den Ball festhalten. Ein Mainzer Stürmer stürzte bereits heran, um den erwarteten Abpraller in Abstaubermanier einzuschieben – aber Pustekuchen. Ende! Aus! Klassenerhalt!

 

Das Nachspiel

Mit Simon R., einem 32-jährigen Industriemanager der Sick AG, hatte ich am Samstag mal wieder einen Fan-Reporter an meiner Seite. Eigentlich hatte der aktive Handballer der HG Müllheim-Neuenburg diese Rolle im baden.fm-Gewinnspiel, präsentiert von DB Regio Baden-Württemberg, für das Hoffenheim-Spiel gewonnen, aber da war ich ja leider kurzfristig ausgefallen. Jetzt also gegen Mainz. Um die 65. Minute herum fragte ich Simon live „on air“, welches Ergebnis er denn nun prognostiziere und er meinte: „ich denke das wird ein Unentschieden.“ Ich antwortete spontan, dass ich noch immer an den knappen Sieg glauben würde und dass Nils Petersen, der sich zu dem Zeitpunkt noch warm lief, die Entscheidung herbeiführen würde. So wurde ich am Samstag zum Propheten…

Super-Joker Nils, der das Tor des Tages erzielt hatte, und Alex Schwolow, der kurz vor Schluss so traumhaft gehalten hatte, dass er inzwischen in der „Mannschaft der Woche“ des Kicker-Sportmagazins auftaucht, hatte ich kurz nach dem Schlusspfiff in der Mixedzone am Mikrofon. Anzuhören unter www.scfreiburg.com, im Anhang des Spielberichtes (letztes Spiel). Die Vorstellung, das Finale einer Bundesligasaison entspannt anzugehen, ist phänomenal, auch wenn „Schwolli“ noch Vorsicht walten ließ und Christian Streich später Glückwünsche zum Klassenerhalt zwar entgegennahm, aber „nur inoffiziell“, wie er flachsend einräumte. Nils Petersen hingegen erklärte selbstbewusst: „Wir können uns nun andere Ziele stecken.“ Diese Thematik griff ich heute in meiner Kolumne für die WZO-Wochenzeitungen auf, die ab Mittwoch in den verschiedenen Ausgaben des Verlags erscheinen wird. Hier der Wortlaut:

 

SC INTEAM

Nach dem mit letzter Kraft erkämpften 1:0-Sieg gegen Mainz nahm SC-Trainer Christian Streich die Glückwünsche zum Klassenerhalt nur dankend und gut gelaunt entgegen, wenn sie als „inoffiziell“ bezeichnet wurden. Wobei es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch jede mathematische Möglichkeit, doch noch in Gefahr zu geraten, gänzlich ausgeräumt sein wird. Abstieg und Relegation machen in diesem Jahr andere, zum Teil prominentere und in der Regel teurere Mannschaften unter sich aus. Aktuell ist der Tabellensiebzehnte der Budget-Tabelle Sechster im sportlichen Ranking der Bundesliga. Einmal mehr wirbt der SC Freiburg ideal für seinen Standort, seine Philosophie und nicht zuletzt für seine Werbepartner, die diesen wunderbaren Weg aus Überzeugung unterstützend begleiten. Jetzt, da 41 Punkte erreicht seien, könne man sich andere, neue Ziele für die Saison stecken, erklärte der Held des Mainz-Spiels, Torschütze Nils Petersen, im Nachgang. Aber Achtung! Bei der Formulierung neuer Ziele sollte nicht aus den Augen verloren werden, dass der Sport-Club auf der Zielgeraden der bislang so brillanten Saison personell gebeutelt und kräftemäßig am Limit ist. Muskuläre Probleme der Spieler  häufen sich. Hinzu kommt, dass das anspruchsvolle Restprogramm, unter anderem mit den schweren Auswärtsspielen in Leipzig (Ostersamstag) und zum Saisonfinale in München, den Aufsteiger nicht unbedingt zum Favoriten für die Plätze stempelt, bei denen es um den Einzug in die UEFA Europa League geht. Ein bescheideneres aber durchaus erstrebenswertes Ziel könnte es auch sein, die letzten sechs Spiele statt unter dem sonst üblichen Existenzdruck ganz entspannt anzugehen, die Bundesliga zu genießen und nebenbei noch ein paar Pünktchen für die Geschichtsbücher zu sammeln. Nein, eine Endplatzierung auf Platz acht, neun oder zehn wäre alles andere als ein Misserfolg. Aufgrund der Gegebenheiten ist der Klassenerhalt immer das oberste Ziel für den SC. Jetzt ist dieser frühzeitig unter Dach und Fach. Sportlich wie wirtschaftlich kann nun die nähere Zukunft mit Planungssicherheit angegangen werden. Diese Möglichkeit ist Gold wert und entspringt einer herausragenden Leistung von Mannschaft, Trainerteam und Management. Herzlichen Glückwunsch (inoffiziell)! (Zitatende)

 

Ich denke, es ist alles gesagt.

 

Ostern geht’s nach Leipzig. Ich melde mich vorher pünktlich hier im Tagebuch.