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21.04.2017 17:39 Alter: 2 yrs

30. Spieltag der Fußball-Bundesliga, SC Freiburg gegen Bayer 04 Leverkusen

Sonntag, 23. April 2017, 15.30 Uhr * Schwarzwald-Stadion, Freiburg * SC Freiburg - Bayer 04 Leverkusen


Das Vorspiel

 

Wir hatten in der zweiten Wochenhälfte im WZO-Verlag unsere französischsprachige Zeitung „Bonjour Voisins“ in der Mache, was mich immer besonders in die Pflicht nimmt, war ich doch in der Sprache von Voltaire und Victor Hugo mal ganz gut unterwegs… Natürlich werden die Texte in der Regel von französischen Muttersprachlern übersetzt oder zumindest kontrolliert aber irgendeiner muss ja ein Auge darauf haben, Texte und Bilder auf die Seiten setzen und das bin zum einen durch meine Rolle als Redaktionsleiter, zum anderen aufgrund meiner deutsch-französischen Vergangenheit (und Gegenwart, durch meine in Montpellier geborenen, heute erwachsenen deutsch-französischen Kinder) ich. Wegen der Inanspruchnahme durch die Produktion konnte ich mich noch gar nicht so eingehend mit dem SC und dem bevorstehenden Spiel gegen Bayer Leverkusen befassen. Vielleicht liegt es aber auch am Spieltermin am Sonntag…

Natürlich gab es auch Ausnahmemomente, in denen der SC eine Rolle spielte. Zum Beispiel am Dienstag, als ich bereits meinen Text für den Business-Newsletter des SC Freiburg verfasst habe; in starker Anlehnung an meine Kolumne in den Wochenzeitungen von WZO. Hier der Wortlaut des Newsletter-Beitrags:

 

Der Sport-Club hat ohne den besten Kreativspieler Vincenzo Grifo und auch ohne Top-Stürmer  Maximilian Philipp – beide verletzt – mit 4:0 beim Tabellenzweiten in Leipzig verloren. Der Gegner war besser. So etwas soll vorkommen im Sport. „Mund abputzen, weiter machen“ kann es nach dem erfolglosen aber keineswegs demoralisierenden Auftritt in Sachsen im Lager der Freiburger nur heißen.  

Vor dem Saisonfinale beim FC Bayern stehen nun noch vier Ligaspiele an, in denen unserem SC durchaus einige Punkte zuzutrauen sind: Am kommenden Sonntag, 23. April,  gegen überraschend im Abstiegskampf verstrickte  Bayer-Stars aus Leverkusen, dann am Samstag, 29. April, bei Schlusslicht Darmstadt 98, am Sonntag, 7. Mai, gegen kriselnde Schalker und am Samstag, 13. Mai gegen den FC Ingolstadt, der nach dem jüngsten sportlichen Rückschlag zum Spieltermin in Freiburg eventuell schon als Absteiger feststehen könnte. Natürlich ist kein einziger „Selbstgänger“ dabei; das ist Bundesliga und jedes Spiel ist eng und für den Aufsteiger nur erfolgreich zu gestalten, wenn der SC an seine Grenzen geht. Fest steht aber auch, dass Leverkusen, Darmstadt, Schalke und Ingolstadt nicht die Qualität von Leipzig oder Bayern haben und dass Freiburger Erfolge in diesen Spielen keine Überraschungen wären. Vincenzo Grifo kann in den nächsten zwei, drei Spielen noch nicht mitwirken. Maximilian Philipp  könnte aber schon sehr bald mithelfen, die Punkte einzufahren, die letzte Zweifler vom Klassenerhalt überzeugen und Optimisten von Europa träumen lassen.  (Zitatende)

 

 

Der nächste Moment, in dem ich mich auf den SC konzentrieren konnte, war heute Morgen im Fußballtalk bei baden.fm. Da hoffte ich noch, dass „Milli“ Philipp womöglich gegen Bayer dabei sein könnte, als ich mich in meiner eigentlichen Mittagspause heute aber zur PK von Christian Streich losgeeist habe, musste ich erfahren, dass der offenbar von Leipzig umworbene Stürmer – so pfeifen es die Spatzen seit ein paar Wochen von den Dächern und jetzt hat auch transfermarkt.de das Gerücht medial gestreut – am Sonntag gegen Bayer 04 noch nicht im Kader stehen wird. Schade eigentlich.

 

In Sachen „Bonjour Voisins“ spielt der SC übrigens auch eine Rolle. Ich habe ein schönes Mannschaftsfoto, von dem Kollegen Meinrad Schön kurz vor dem Anpfiff beim Auswärtsspiel auf Schalke geschossen, ins Blatt gehoben und einen kurzen Text dazu gesetzt. Philippe, mein französischer Korrektor meinte, den könne man so durchlaufen lassen… Hier für die Francophonen unter Euch:

 

Le SC Fribourg  vise l’Europe

 

Déjà à six semaines de la fin de la saison de la Bundesliga le SC Fribourg, promu  l’an dernier, pouvait fêter son maintien au  plus haut niveau du football allemand. Contrairement à la saison 14/15 qui finissait avec la descente en deuxième division après une série  de défaites de justesse. Cette année l’équipe de l’entraineur Christian Streich compte une dizaine de victoires à un but d’écart et à deux reprises, le jeune gardien de but Alexander Schwolow, formé au club comme bon nombre de ses collègues, a pu arrêter un pénalty  dans les dernières minutes. Résultat: Dans la phase finale de la saison, le petit promu de l’extrême Sud de l’Allemagne est l’un des candidats pour l’UEFA Ligue d’Europe. Le SC Fribourg est l’une des grandes surprises de la saison de la Bundesliga. (Zitatende)

 

Man sieht, irgendwie spielt der SC immer und egal, was ich mache, eine Rolle in meinem Alltag – und diese Woche sogar an meinem Sonntag. Es ist ein Sonntag an dem bei vielen katholischen Familien eine Kommunion auf dem Kalender steht. Offenbar ist baden.fm- und Stadionmoderatorin Julica Goldschmidt auch bei einer solchen zu Gast, sodass sie mich gebeten hat, sie mal wieder in der „Stunde vor dem Anpfiff“ auf dem Rasen als Stadionmoderator zu vertreten. Das mache ich natürlich gerne. So kann ich Ömer und Admir, unsere einstigen Weggefährten, persönlich und über Lautsprecher an alter Wirkungsstätte begrüßen und darüber hinaus ein bisschen Stimmung machen, bevor ich dann wieder ganz schnell in meine Sprecherkabine eilen muss, um die baden.fm-Bundesligashow als Livereporter zu beliefern.

 

Morgen, am Samstag, wollte ich eigentlich nach Heidenheim fahren, um meinen anderen Leib- und Magen-Club, Arminia Bielefeld, im Abstiegskampf zu unterstützen und alte Freunde zu treffen. Das unglückliche Ende des Ostermontag-Abendspiels (Stuttgarts Terodde traf in der 90. Minute zum 2:3), vor allem aber die Notwendigkeit einer gewissen Entspannung nach der Arbeitswoche und vor dem arbeitsintensiven Sonntag im Schwarzwald-Stadion haben mich aber wieder davon abgebracht. So werde ich morgen Vormittag ein bisschen was für die Fitness tun, ab 13 Uhr am Bildschirm mit der Arminia mitfiebern und ab 15.30 Uhr auf dem Sofa liegend die Bundesliga-Konferenz bei Sky verfolgen. Immer auch in der Hoffnung, dass mein Wettkonto aufgefrischt wird. Rund 1.200 Euro habe ich meiner Privatschatulle seit Anfang April schon zuführen können. 200 Euro waren als Spielgeld auf dem Wettkonto verblieben, die jetzt komplett verballert sind – sieben offene Wetten laufen noch. Drei gingen unter der Woche leider den Bach herunter. In Champions League und Europa League hatte ich kein Wettglück… Bei den deutschen Teams lag ich zwar (nach 90 Minuten, das zählt ja) immer richtig – die anderen Spiele haben mich aber reingerissen. Jetzt bin ich mal gespannt, was das Wochenende bringt. In der 1., 2. Und 3. Liga hatte es in den letzten Wochen eigentlich immer Bingo gemacht. Drückt mir die Daumen! (Ich werde – ehrlich –

berichten)

 

Freitagabend, 17.30 Uhr. „Bonjour Voisins“ geht in Druck, Feierabend im Verlag. Ich werde mir heute Abend ein gutes Glas Wein gönnen. Dem SC drücke ich die Daumen, dass er Bayer am Sonntag weghaut und in den vier Spielen bis zum großen Finale in München noch ein paar Punkte abstaubt. Mit Blick auf Europa drücke ich dieses Wochenende auch ausnahmsweise Hoffenheim die Daumen, die gegen SC-Verfolger Köln kicken.

 

Ich übertrage das Spiel SC Freiburg gegen Bayer 04 Leverkusen am Sonntag ab 15 Uhr live in der baden.fm-Bundesligashow.

 

 Das Fußballspiel (Mein 865. SC-Livespiel)

 

Der 2:1-Sieg über Bayer Leverkusen stand am Ende eines der erfreulichsten SC-Spiele in dieser an erfreulichen Darbietungen des Aufsteigers  so reichen Saison. Die Spielfreude, die der SC entwickelte, die fußballerischen Leckerlis, die dabei herauskamen – obwohl mit Grifo und Philipp die mutmaßlich besten und von der Konkurrenz am meisten umworbenen Offensivspieler weiter verletzt fehlten, bereitete der SC seinen Fans im ausverkauften Schwarzwald-Stadion eine reine Freude.

Die 41 Punkte auf dem eigenen Konto, dazu die beruhigenden Ergebnisse vom Vortag hatten bei den Jungs von Trainer Christian Streich sämtliche Abstiegsängste vertrieben und eine Menge Druck von den Schultern genommen. So lief das Bällchen, vor allem in der ersten Halbzeit, dass es eine Freude war. In der elften Minute spielte Mike Frantz einen Zuckerpass in den Lauf von Nils Petersen, der diesmal von Beginn an mitwirken durfte, und den Pass mit einem prachtvollen Schuss in den Winkel zum 1:0 verwertete. Das war ganz großer Sport…

Die knappe Pausenführung der Breisgauer wackelte nach dem Wechsel, weil Bayer 04 vorübergehend eindrucksvoll das Kommando übernahm. Ein technischer Fehler des ansonsten vorzüglich agierenden Aleksandar Ignjovski führte in der 60. Minute zu einem Strafstoß, denn im Bemühen, seinen Fehler wieder gut zu machen traf der ehemalige Frankfurter mit einem langen Bein nicht den Ball, sondern das Bein von Kevin Volland. Der Bayer-Stürmer trat dann höchst persönlich zum Strafstoß an und ließ Alexander Schwolow, der beim 1:1  im Hinspiel einen Strafstoß bravourös gehalten hatte, keine Chance.  Chancen gab es in der Folgezeit hüben wie drüben – die klareren Möglichkeiten aber für den SC, der – je länger die Partie dauerte – das Spiel wieder an sich reißen konnte. Ein Schrägschuss von Florian Niederlechner, der in der für ihn neuen Rolle als „Neuneinhalber“, also ein Stück weit hinter Petersen agierend, bestens zurecht kam, konnte vom Leverkusener Wendell gerade noch von der Linie gekratzt werden (67.) und wenig später lenkte derselbe Leverkusener Außenverteidiger eine scharfe Hereingabe von Niederlechner in höchster Not, vor dem einschussbereiten Petersen, mit dem Oberschenkel über die Querlatte.

Auf der anderen Seite verfehlte ein Distanzschuss von Volland das Freiburger Tordereieck nur um wenige Zentimeter – der Ball streifte den Außenpfosten…

Der  eingewechselte Havard Nielsen leitete kurz vor Schluss einen Pass von "Iggi" Ignjovski geschickt in den Lauf des ebenfalls eingewechselten Pascal Stenzel, der – im Gegensatz zu seinen  Leverkusener Kontrahenten – vor Kraft strotzend einen Sprint mit dem Ball hinlegte, der seines Gleichen sucht. Am Ende folgte ein Schuss wie ein Strahl, flach ins lange Eck – der Siegestreffer… Erstes Bundesligator des jungen Westfalen im SC-Trikot und der verdiente Lohn für ein Klassespiel des SC Freiburg.

Wildfremde Menschen lagen sich auf den Tribünen in den Armen; wohl wissend, dass mit diesem Sieg auch rechnerisch alle Eventualitäten, die mit Abstieg oder Relegation zu tun haben, für den Sport-Club erledigt waren; und dass die Chance auf die Teilnahme am europäischen Wettbewerb plötzlich ganz real geworden war.

 

Das Nachspiel

Da Spieler und Trainer mit den Fans feierten, als sei es schon der letzte Spieltag gewesen, hatte ich in meiner an diesem Tag gut besuchten baden.fm-Hörfunkkabine im Schwarzwald-Stadion alle Zeit der Welt, nach meiner Schlussreportage, während im Radio der SC-Song lief, im Studio den sogenannten Aufsager für die Morningshow am Montag aufzeichnen zu lassen und anschließend, dann wieder live, meine Spielanalyse mit Spielerbewertung ins Mikrofon zu sprechen. Dann verabschiedete ich mich schnell von meinen Gästen und fuhr mit dem Fahrstuhl runter in die Mixedzone. Als ich zu den wartenden Journalisten der schreibenden Presse kam, war noch kein SC-Spieler aufgetaucht. Nur Leverkusener Profis diktierten ihren Frust in die Notizblöcke der mitgereisten Kollegen  aus dem Rheinland.

Da ich bekanntlich die Audiointerviews für die Homepage des SC Freiburg mache - das Radio wertet nur zwei, drei O-Töne davon für die Nachrichten aus - habe ich einen Presseausweis vom SC, der es mir erlaubt, in den Erstverwerterbereich der Mixedzone vorzudringen. Das heißt, ich muss mich nicht hinten anstellen, sondern gehe vor die „Pressemeute“, nämlich auf die Seite der symbolischen Absperrung auf der sich sonst nur Spieler, Trainer, TV-Leute und die ARD-Radios (als Erstverwerter-Rechteinhaber)  tummeln. Vereinbarungsgemäß bleibe ich hier aber ganz hinten, stelle mich vor die Kollegen von BZ, Bild, Kicker und Co. und lasse die Kolleginnen und Kollegen an meinen Audiointerviews teilhaben. Damit die Spieler nach der Verabschiedung durch mich nicht gleich  weglaufen, weise ich schon am Ende der Interviews häufig darauf hin, dass die Kollegen der schreibenden Presse noch weitere Fragen haben. So rennt kein Spieler von dannen und letztlich können auch alle Kollegen zufrieden sein.

Gestern, nach dem tollen Sieg gegen Leverkusen, fanden sich als erste Gesprächspartner „Chico“ Höfler und Nils Petersen zur Fragerunde ein. Später vermutlich noch mehr von den Jungs, aber da war ich schon fort. Wenn ich zwei brauchbare bis gute Interviews im Kasten habe, eile ich in die PK, um meinen Platz in der ersten Reihe zu sichern, gleich vor Christian Streich, den ich nach Abschluss der PKs nach allen Spielen, ebenfalls primär für die HP des SCF, noch exklusiv als Interviewgast bekomme. 

Als ich mit meiner Arbeit fertig war und die aufgezeichneten Interviews als E-Mail zu den verschiedenen Verwertern weitergeleitet waren, traf ich im Presseraum die Frau des Cheftrainers. „Was für ein schöner Tag!“ fasste ich meine Hochgefühle über das zurückliegende Sportereignis zusammen und des Trainers Auserwählte gab mir strahlend völlig recht.

Auf dem Weg zur PK und wieder zurück hatte ich endlos viele Hände zu schütteln und Handflächen abzuklatschen – alle waren einfach nur happy, passend zum strahlenden südbadischen Sonnenschein.

Das tolle Spiel, der Sieg und die wunderbare Atmosphäre hinterher ließen mich meine eigenen kleinen Wehwehchen vergessen. Und die waren gestern gar nicht ohne…

Am Sonntagmorgen war ich mit einer fetten Halsentzündung aufgewacht, natürlich mit stark in Mitleidenschaft gezogener Stimme. Aufgrund meiner Erfahrung mit diesen Malaisen konnte ich einschätzen, dass ich die baden.fm-Bundesligashow wohl stimmlich würde stemmen können, wenn ich mich im Vorfeld gut pflegte und behandelte. Vorab aber mit vollem Stimmvolumen eine Stunde lang den Stadionmoderator zu geben, schien mir arg gefährlich. Was wäre später bei Stimmverlust während der Bundesligashow? Vor 22 oder 23 Jahren war ich deswegen in einem Heimspiel gegen Dynamo Dresden mal ausgewechselt worden. Das war damals kein Problem, da wir ohnehin immer zu zweit im Stadion waren: Ich für die Liveberichte und Alexander von Uleniecki – so hieß der damalige Kollege – für die Interviews und das Drumherum. Seit mehr als zehn Jahren bin ich aber – wie die meisten Kollegen ähnlicher Sendeformate an anderen Bundesligastandorten auch – Einzelkämpfer mit Mikrofon. Nach den ärgerlichen Problemen mit dem defekten Mikrokabel bei den Auswärtsspielen in Wolfsburg und Leipzig, hatte ich jetzt ein bisschen Sorgen vor einer „schwarzen Serie“ - "zweimal das Kabel, einmal die Stimme - was ist los mit Rischmüller?" malte ich mir das mögliche Gegrummel eventueller Kritiker aus. Also meldete ich mich vorsorglich bei der Kollegin Julica Goldschmidt, die mich gebeten hatte, sie bei der Stadionmoderation zu vertreten, und sagte ihr erst einmal ab.

Am Ende einer Reihe von Überlegungen und Diskussionen hatten wir dann eine tragfähige Lösung für alle Beteiligten, zu denen ja auch der SC als Auftraggeber gehört: Ich war zwar bei der Stadionmoderation präsent und beteiligt, schonte aber weitgehend meine Stimme. So erhielt der nominelle Moderator der baden.fm-Bundesligashow, Robert Wolf,  mit einem gewissen Flankenschutz durch mich, die Gelegenheit, sich in einer ihm bis dahin unbekannten Rolle zu erproben. Er hat seinen Job gut gemacht, finde ich. Ich habe im Wesentlichen nur die Begrüßung gesprochen, dabei ein bisschen Stimmung gemacht und später die Videobilder vom 3:2-Sieg gegen Leverkusen vor etwa vier Jahren kommentiert. Ansonsten nur Kleinigkeiten; den Rest hat Robert besorgt. Die Radioshow, die ja sonst Robert moderiert, wurde von Markus Schäfer routiniert übernommen und bestens gestemmt. Am Ende hat alles gestimmt, meine Stimme hatte bei meinen wenigen Interventionen auf dem Rasen kaum gelitten und die Bundesligashow verlief störungsfrei. Als ich Robert Wolf am Stadionmikrofon vorgestellt hatte, hatte ich übrigens auf meine Halsentzündung hingewiesen und auf die Notwendigkeit, eventuell noch in der 90. Minute „Tooooooooooooooooooor“ schreien zu müssen und das dann auch können zu müssen mit meinem Hals... und dass er mich deshalb auf'm Platz unterstützen sollte. In der Praxis wurde es dann übrigens die 88. Minute mit dem inbrünstigen Torschrei. Und es hat geklappt! Stenzels Knaller wurde im Radio angemessen gefeiert…

Gäste in der baden.fm-Hörfunkkabine waren am Sonntag Christine Mos aus der Gegend von Donaueschingen, ihres Zeichens Administratorin einer sehr großen Fan-Community bei Facebook (SC Freiburg – Fakten, Meinungen, Emotionen) mit aktuell 2.652 Mitgliedern, ein Teenager, der vor Monaten, anlässlich eines Testspiel des SC in Lörrach, an einem von mir organisierten und moderierten Finale eines Ball-Jonglierwettbewerbs teilgenommen hatte und – wie alle vier Finalteilnehmer - eine Einladung von mir ins Schwarzwald-Stadion zur Radioshow bekommen hatte, sowie Kollege Robert Wolf, der nach getaner Arbeit auf dem Platz natürlich auch gerne das Spiel verfolgen und den Kollegen, dem er schon als Kind zugehört hatte und jetzt regelmäßig anmoderiert, mal bei der Arbeit beobachten wollte. So war einiges los rund um das Spiel und in meiner kleinen Kabine unter dem Stadiondach. Und am Ende löste sich alles in Wohlgefallen auf.

Nachdem alles erledigt und meine hummel-Umhängetasche mit Mikros, Kabeln, Kladde etc. wieder gepackt war, fuhr ich zum Konzerthaus Freiburg, wo ich für das Falco-Musical akkreditiert war. Ich bin ein großer Fan des Falken, der in unmittelbarer Nähe zu meiner zweiten oder dritten Wahlheimat, an der Nordküste der Dominikanischen Republik, zwischen Puerto Plata und Sosua viel zu früh durch einen Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist.  Vielleicht bin ich zu sehr Fan, vielleicht kenne ich Falcos Geschichte zu gut, vielleicht war auch der Falco-Darsteller vor einigen Jahren bei den Covernights in Müllheim zu genial – oder ich war einfach zu kaputt von Arbeit im Stadion und durch meinen grippalen Infekt, jedenfalls rissen mich die Darbietungen im voll besetzten Konzerthaus nicht vom Sitz. Die Leute um mich herum waren begeistert – aber ich halt nicht. Vermutlich aus einem der genannten persönlichen Gründe…jedenfalls ergriff ich in der Pause die Chance, mich elegant zu empfehlen. Es zog mich nach Hause zu Frau und Kindern.

Dort angekommen, gönnte ich mir noch ein Glas Rotwein, achselzuckend bedauernd, dass es nicht wie sonst nach den baden.fm-Bundesligashows noch einen Sonntag zum Erholen gab.

Montagmorgen ging es dann gleich mit Arbeit weiter. Wie immer, entstand zuerst meine Kolumne „SC INTEAM“ für die knapp 300.000 Wochenzeitungsausgaben von WZO in ganz Südbaden. Hier der Wortlaut der Kolumne, die übrigens erst ab Mittwoch in den Zeitungen erscheinen wird:

SC INTEAM

Mit 41 Punkten und angesichts der günstigen Ergebnisse vom Samstag, konnte der SC Freiburg am Sonntag gegen Leverkusen befreit aufspielen. Dass das, was sich liest, wie eine Floskel, weit mehr als eine solche ist, machten die Jungs von Trainer Christian Streich gegen die Leverkusener anschaulich. Obwohl nach wie vor verletzungsbedingt um ihre Offensiv-Asse Grifo und Philipp beraubt, sprühte der SC, den sicheren Klassenerhalt vor Augen, vor Spielfreude, Mut und Kreativität. Am Ende des Spiels, das die 24.500 Zuschauer im ausverkauften Schwarzwald-Stadion phasenweise mit stehenden Ovationen begleiteten, stand ein verdienter 2:1-Sieg und die Gewissheit, dass in Sachen Relegation nun auch rechnerisch nichts mehr „anbrennen“ kann. Im Gegenteil: Die Teilnahme an der UEFA Europa League ist eine realistische Möglichkeit. Daraus ein Ziel zu formulieren oder gar ein „jetzt müssen sie aber...“ wäre das falsche Signal. Warum sollten sich die erfolgreichen Freiburger „Nobodies“ neuen Stress machen und die Leichtigkeit und Unbeschwertheit, die das Spiel gegen Leverkusen kennzeichneten, wieder aus der Hand geben? Das Saisonziel ist erreicht. Um es in der Sprache des Eiskunstlaufes zu sagen: Was jetzt folgt, ist die Kür. Nächste Station: Darmstadt. Das Schlusslicht hat den bevorstehenden Abstieg längst verarbeitet und kickt seither ähnlich unbeschwert, wie der SC am Sonntag. So gelangen jüngst die Siege gegen Schalke und in Hamburg. Die Hessen sind alles andere als „Kanonenfutter“. Sie genauso ernst zu nehmen, wie Leipzig oder Leverkusen, wäre der erste Schritt zum Erfolg. Die Mannschaften hinter dem Spitzentrio stehen eng beieinander. Auch ohne die Zielformulierung „Europa League“ wird es spannend sein, zu verfolgen, ob sich Aufsteiger Freiburg in diesem illustren Kreis großer Fußballclubs, wie Hertha BSC, Werder Bremen, 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt, Borussia Mönchengladbach oder Schalke 04 weiter als die Fachwelt verblüffender Goldfisch im Haifischbecken erweist. Egal, was in den letzten vier Ligaspielen in Darmstadt, gegen Schalke und Ingolstadt so wie in München passiert – die Saison wird als besonders erfolgreich in der Vereinshistorie verbucht werden. Dass 11 der bislang erzielten 13 Siege mit einem Tor Vorsprung gelangen, zeigt, wie eng es in der Bundesliga zugeht und wie sinnvoll es im Frühjahr 2017 ist, den Moment zu genießen. (Zitatende)

Und nun, wie versprochen, noch mein Bericht von der Sportwettenfront. Am Samstagabend hatte ich tatsächlich neun von zehn Wetten verloren und die 200 Euro von meinem Wettkonto bis auf drei Euro verballert. Offen war noch eine einzige Zweitligawette: Bei Heidenheim gegen Bielefeld hatte ich 0 oder 2 getippt - das Spiel endete 2:1, Bei Aue gegen Hannover hatte ich 1 oder 0 getippt - das Spiel endete 2:2, ich war mit meiner allerletzten Wette der Woche also weiter im Spiel. Am Sonntag hatte ich in der Zweitliga-Kombiwette für die beiden Spiele Sandhausen gegen Karlsruhe und Braunschweig gegen Bochum jeweils einen Heimsieg prognostiziert (ohne Alternative). Beides traf ein... So gewann ich mit 20 Euro Einsatz 224,55 Euro. Kein großes Ding angesichts der Wettgewinne der Vorwochen, aber ich hatte meinen Einsatz wieder raus. Das war mir wichtig. Das Spiel, bei dem ich bislang vierstellig abgeräumt habe, geht also weiter - ohne, dass ich an mein Privatkonto ran muss. Schwein gehabt... 

 

So, Freunde, man liest sich zum Darmstadt-Spiel…