< 30. Spieltag der Fußball-Bundesliga, SC Freiburg gegen Bayer 04 Leverkusen
25.04.2017 16:18 Alter: 2 yrs

31. Spieltag der Fußball-Bundesliga, SV Darmstadt 98 gegen SC Freiburg

Samstag, 29. April 2017, 15.30 Uhr * Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor * SV Darmstadt 98 - SC Freiburg


Das Vorspiel

 

Mitte Mai 2014 war Darmstadt 98 Drittligist, Arminia Bielefeld Zweitligist und die U19 des SC Freiburg stand in Berlin im Pokalfinale gegen Schalke. Ich weiß das so genau, weil ich den Auftrag hatte, das Junioren-Finale am Samstagvormittag (Anstoß: 11 Uhr) live bei baden.fm zu übertragen und die Leidenschaft, ja, den Zwang in mir spürte, das erste Relegationsspiel zwischen dem Dritten der 3. Liga, Darmstadt, und dem Drittletzten der 2. Liga, Arminia, am Freitagabend live im Stadion am Böllenfalltor zu erleben.

Ich löste das Problem über einen um Mitternacht in Frankfurt (Süd) Richtung Berlin startenden Nachtzug mit Schlafwagen. Technisch hat übrigens alles geklappt. Fußballerisch auch – Arminia siegte 3:1 in Darmstadt, schien bereits gerettet, und die A-Junioren des SCF schlugen den Nachwuchs von Schalke, unter anderem mit Leroy Sané, in einem denkwürdigen Finale mit 8:7 nach Elfmeterschießen. Ich hatte eine tolle Liveübertragung und ein geiles Fußballwochenende zum Abschluss der Saison 13/14, inklusive Besuch des Profi-Pokalfinales zwischen Bayern und Dortmund. Alles gut; mit Schönheitsfehlern – und damit meine ich nicht, dass Bayern nach krassen Fehlentscheidungen des Unparteiischen glücklich Pokalsieger wurde, sondern – vor allem – dass Arminia das Rückspiel gegen Darmstadt auf der heimischen Alm sensationell mit 2:4 (n. Verl.) verlieren sollte und in die 3. Liga absteigen musste…

Darmstadt stieg auf und schaffte im Durchmarsch den Sprung in die Bundesliga, war just zu dem Zeitpunkt ganz oben, als der SC so unglücklich am letzten Spieltag in Hannover abstieg. So kam es in der vergangenen Saison übrigens zu  keinem Besuch am Böllenfalltor.  Überhaupt war ich bislang sehr, sehr selten dort.

Vor 20 Jahren mal, als ich anlässlich eines Bundesligaspiels vom SC in Frankfurt, bei einem Kumpel, dem ehemaligen Arminia-Kicker Tim Gutberlet übernachtet habe, der damals gerade für die Darmstädter Lilien kickte. Am Freitagabend kickten die Darmstädter Jungs (der SC dann am Samstag in Frankfurt) – frag mich nicht, gegen wen – und ich war im Stadion. Hinterher sind wir zu Dritt um die Häuser gezogen: Tim, sein Mannschaftskollege Carsten Lakies und ich. Ich weiß noch, ich war damals sehr beeindruckt von der Trinkfestigkeit der Fußballer. Tim und „Lacki“ sind übrigens später gemeinsam zu den Bayern-Amateuren nach München gewechselt und wir sind auch dort noch ein, zwei Mal um die Häuser gezogen – nur einmal nicht, als ich mal wieder mit dem SC in München war und bei Tim wohnte. Weil „Lacki“ kurzfristig bei den Profis gegen Freiburg im Bayern-Kader stand, sagte er ab. So machten mein Gastgeber Tim und ich alleine unsere Runden im Münchner Nachtleben. „Lacki“ wurde damals, beim 0:0 im Olympiastadion, übrigens für den glücklosen Klinsmann eingewechselt, der daraufhin den berühmten Tritt in die Tonne machte, der TV-mäßig um die Welt ging.

Zurück nach Darmstadt: Das erste Mal also im Stadion am Böllenfalltor, als meine Spezis Tim und "Lacki"  irgendein Drittligaspiel (damals die Regionalliga) bestritten. Danach dann im November 2001 als sich der favorisierte SC im DFB-Pokal von Außenseiter Darmstadt (Regionalliga) rauskicken ließ. 3:3 hieß es nach 120 Minuten. Nur Hermel traf vom Punkt, so schied unser SC mit 6:4 nach Elfmeterschießen aus.

Das dritte Mal am Böllenfalltor war ich dann, wie oben beschrieben als Fan von Arminia Bielefeld und jetzt komme ich wieder an die geschichtsträchtige Spielstätte, die bekanntlich – in Anlehnung an einen verstorbenen jungen Darmstadt-Fan –  derzeit „Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor“ heißt. Darmstadt ist Schlusslicht und wird aus der Bundesliga absteigen, während der SC seinen Klassenerhalt seit Sonntag auch rechnerisch sicher hat und vielleicht sogar in die UEFA Europa League schlüpfen kann…, wenn, ja, wenn das Spiel in Darmstadt gewonnen wird. Doch das ist ein heikles Unterfangen.

Die Hessen haben ihren bevorstehenden Abstieg längt akzeptiert und spielen befreit und frech auf – völlig unbelastet. Schalke und der HSV können ein Liedchen davon singen. Die erste Lektion für jeden Gegner, der gegen die Lilien antritt, lautet nämlich: „Demuth zeigen!“  Wer meint, die Darmstädter ständen unten und wären Kanonenfutter, wird ein böses Erwachen erleben.

Dem Sport-Club traue ich ehrlich gesagt zu, die Lage korrekt einzuschätzen und mit der gebotenen Ernsthaftigkeit, der notwendigen inneren Spannung und der Bereitschaft, alles zu geben, in die Partie zu gehen. Vielleicht auch wieder mit der spielerischen Leichtigkeit, die beim 2:1 gegen Leverkusen zu beobachten war.

Rückblende: Beim Kaiserstuhlcup in Bahlingen hat der SC die Darmstädter, in einer Art Generalprobe vor Saisonbeginn, überzeugend mit 3:1 geschlagen. Alle drei Tore hatte damals Niederlechner erzielt. Negativer Höhepunkt des Spiels war allerdings im Kaiserstuhlstadion der Kreuzbandriss von Marc-Oliver Kempf. Diese schwere Verletzung – wie auch der zeitgleiche Ausfall von Manuel Gulde – trübten die Freude über die ansonsten rundum gelungene Generalprobe doch sehr.

Im Bundesligaheimspiel siegte der SC ein paar Monate später, am 10. Dezember, knapp mit 1:0 gegen die Lilien. Das Tor konnte Joker Nils Petersen damals erzielen – es war aber ein schwaches Spiel, das keine bleibenden Erinnerungen bei mir hinterlassen hat. Der Freiburger Sieg war jedenfalls sehr glücklich.

Zurück ins hier und jetzt: Ich hole am späten Freitagnachmittag den Hyundai Diesel von baden.fm ab und düse schon einmal Richtung Hessen. In meiner Stammpension bei Hoffenheim verbringe ich die Nacht und besuche dann am Samstagvormittag in Darmstadt einen Freund aus längst vergangener Zeit. Damals, so mit 18, 19 oder 20 Jahren waren „Langen“ und ich ganz dicke miteinander. Wir galten als ziemlich beste Freunde, haben uns dann aber – das geht wohl auch bei Männern – irgendwie auseinandergelebt, nicht mehr über dieselben Dinge gelacht, dafür ab und zu dieselben Mädchen geschätzt. Andere Kleinigkeiten kamen dazu, eines ergab das andere und so verlor man sich über die Jahrzehnte ein wenig aus den Augen.

„Langen“ lebt und arbeitet als Lehrer in Darmstadt und ich habe ihn jetzt einfach mal für Samstagvormittag gedatet. Mal schauen, ob der alte Funke noch einmal überspringt. Zumindest alte Geschichten gibt es ja reichlich aufzuwärmen. Zum Beispiel die von „Langen“ und Perdita im Haus meiner Eltern – aber das würde jetzt zu weit führen (smile).

Wenn „Langen“ noch cool drauf ist, werden wir viel lachen, glaube ich. Zwei, zweieinhalb Stunden haben wir dafür. Dann muss ich ins Stadion und – mit neuen Kabeln (!!!) – meinen Job machen. Technische Störungen, wie vereinzelt in Wolfsburg und Leipzig aufgetreten, sollte es diesmal also nicht geben.

 

Ich übertrage das Bundesligaspiel SV Darmstadt 98 gegen SC Freiburg am Samstag ab 15 Uhr live in der baden.fm-Bundesligashow.

 

 

Das Fußballspiel (Mein 866. SC-Livespiel)

Ich möchte es eigentlich kurz und schmerzlos machen. Der SC hat in Darmstadt völlig zurecht 0:3 verloren. Der hoch motivierte, fußballerisch überraschend starke und stets körperlich wie auch gedankenschnellere Tabellenletzte war dem Sport-Club in allen Bereichen überlegen; und zwar von der ersten bis zur letzten Spielminute. Für die Tore sorgten Platte (22.), Gondorf (45+1) und Schipplock (65.).

Vermutlich war die Erleichterung über das vorzeitige Erreichen des Saisonziels eine Woche zuvor auch mit einem kollektiven Spannungsabfall beim SC verbunden. Hinzu kommt mentale und körperliche Erschöpfung einiger unserer Helden, die – und das möchte ich hier betonen – uns unabhängig von oder auch trotz dieses 31. Spieltags in Darmstadt, eine megageile Saison beschert haben. Als Aufsteiger sind 44 Punkte nach 30 Spielen eine Sensation.

 

Das Nachspiel

 

… wird nachgereicht.