< 31. Spieltag der Fußball-Bundesliga, SV Darmstadt 98 gegen SC Freiburg
16.05.2017 11:57 Alter: 2 yrs

Die Spieltage 32 und 33 der Fußball-Bundesliga, SC Freiburg gegen Schalke und Ingolstadt

Sonntag, 7.- und Samstag, 13. Mai 2017 Schwarzwald-Stadion, Freiburg SC Freiburg gegen Schalke 04 und FC Ingolstadt


Aufregende Wochen

 

Nach dem sportlichen Tiefschlag in Darmstadt standen aufregende Wochen an; sportlich mit dem Schlussspurt in der Liga und privat mit einer OP, die nach meiner akuten Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse), die mich im März aus der Bahn geworfen hatte, unausweichlich geworden war. Ausgelöst worden war meine Pankreatitis, die auch schon mal lebensbedrohlich verlaufen kann (ein Freund und Kollege ist daran gestorben) durch einen wandernden Gallenstein, der irgendeinen Gang verstopft hatte. Bei den umfassenden Untersuchungen im Freiburger Josefskrankenhaus hatte sich herausgestellt, dass in meiner Gallenblase noch zahlreiche Steine - und damit potenzielle Bedrohungen - lagerten. So sollte mir, nach Abklingen der Entzündungen, also etwa sechs Wochen nach der Pankreatitis, die Gallenblase samt Steinen wegoperiert werden. Ich hatte mir den Montag nach dem Schalke-Spiel als OP-Termin ausgesucht, um bei optimalem Verlauf, im Heimspiel gegen Ingolstadt wieder am Start zu sein.

Zunächst aber war Schalke angesagt. Mein 867. SC-Livespiel bei baden.fm (der Sender hat in den 23 Jahren ein paar Mal den Namen geändert) war ein Sonntagsspiel, Anstoß um 17.30 Uhr. Noch am Vormittag desselben Tages hatte ich eine Oldtimerparade in der Fußgängerzone von Staufen moderiert. So fuhr ich relativ geerdet und unaufgeregt zum Spiel gegen die Schalker, von dem ich – ehrlich gesagt – nicht allzu viel erwartete.

Und dann kam alles ganz anders. Der SC bot seine vielleicht beste Saisonleistung und schlug die enttäuschenden Schalker souverän und hoch verdient mit 2:0. Es war ein wahrer Freudentag im Schwarzwald-Stadion. Zwei Tore von Niederlechner (22. Und 31. (FE)) hatten die Gelsenkirchener, die durch die Schlappe in Freiburg ihren Europa League Platz verspielten, in ihre Schranken verwiesen.

Nach dem Spiel war es immer noch nichts mit ruhiger Vorbereitung auf meine OP am nächsten Tag. Da ich im WZO-Verlag ausfallen würde, hatte ich den Kollegen versprochen, noch am Sonntagabend meine allwöchentliche Kolumne „SC INTEAM“ zu verfassen. Also fuhr ich nach der morgendlichen Oldtimermoderation und der Liveübertragung des tollen SC-Siegs am Nachmittag, gegen Abend ins Verlagshaus nach Bad Krozingen und verfasste folgenden Kolumnentext, der im Laufe der folgenden Woche in den acht verschiedenen Wochenzeitungstiteln des WZO-Verlags erscheinen sollte:

SC INTEAM

Die Faszination der Fußball-Bundesliga im Allgemeinen und des Fußballvereins SC Freiburg im Speziellen war am Sonntag einmal mehr besonders deutlich zu spüren. Acht Tage nach dem blutleeren Auftritt des SC in Darmstadt, der in seiner Deutung auch Thesen über verloren gegangene Spannung und allgemeine Erschöpfung enthielt, begeisterte der Sport-Club seine Fans mit einer astreinen Leistung gegen den FC Schalke 04. Nach dem verdienten 2:0-Sieg, der gut und gerne noch höher hätte ausfallen können, grüßt der SC Freiburg, zwei Spieltage vor der Endabrechnung im Fußballoberhaus, als Tabellenfünfter. Die Mannschaft, die vom finanziellen Aufwand her Platz 16 in der deutschen Adelsklasse belegt, hat beste Chancen, die UEFA Europa League zu erreichen, ohne dies jemals selbst zum Ziel erklärt zu haben. „Es kommt, wie es kommt“ ist der meist gehörte Satz an der Schwarzwaldstraße; Onur Bulut, der gegen Schalke sein bislang bestes Spiel im SC-Trikot ablieferte, macht eine Ausnahme: „Jetzt sind wir Fünfter, jetzt wollen wir auch Fünfter bleiben!“ Angesichts der engen Tabellensituation scheint klar, nur Siege helfen weiter. Das gilt am vorletzten Spieltag für den Sport-Club mit Blick auf eine mögliche Europa-League-Qualifikation und für den nächsten Gegner, FC Ingolstadt, im Abstiegskampf. Diese Konstellation macht das Spiel am kommenden Samstag im Schwarzwald-Stadion besonders interessant. Will Ingolstadt sich die Chance auf eine Last-Minute-Rettung am letzten Spieltag erhalten, ist ein „Dreier“ in Freiburg nötig. Der Sport-Club, der gegen den FCI erstmals sein neues Dress für die Saison 2017/2018 präsentieren wird, will seinen Fans am Ende einer herausragenden Saison ein würdiges Heimfinale bieten und in den neuen Kleidern natürlich möglichst erfolgreich sein. Um Platz fünf zu verteidigen, wäre ein weiterer Heimsieg das richtige Mittel. So oder so, vor dem endgültigen Saisonfinale beim alten und neuen Deutschen Meister Bayern München können dann erneut die Taschenrechner herausgeholt werden, um zu sehen, wie realistisch  die Chancen auf den Sprung in die Europa League  noch sind. Die Konkurrenten im Kampf um die Plätze fünf und sechs heißen Hertha BSC, 1. FC Köln, Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach. (Zitatende)

 

Jetzt war es so etwa 21.30 Uhr und ich hatte (leider) nichts mehr, was mich von den Gedanken an die bevorstehende OP ablenken konnte. Ich hatte Respekt davor, hatte ich doch noch nie in meinem knapp 57-jährigen Leben eine Vollnarkose bekommen… Unter dem leisen Protest meiner Ehefrau Yoani gönnte ich mir vor dem Schlafen noch ein gutes Glas Wein und wartete von da an gespannt auf die neue Woche und was sie mir bringen würde.

Ich hatte ziemlich gezockt mit meinem Plan – schief gehen durfte nichts, wenn ich gegen Ingolstadt wieder am Mikrofon sitzen wollte.

Kurz zusammengefasst: Die minimalinvasive OP (Schlüsselloch-Chirurgie) lief komplikationslos, Beschwerden im Nachgang hatte ich so gut wie keine. Am Donnerstagmorgen wurde ich programmgemäß aus dem Krankenhaus entlassen und sah keinen Hinderungsgrund,  die Partie gegen den FC Ingolstadt, am Samstag zu übertragen – auch wenn ich, was ich rückblickend zugeben muss – am Ende der baden.fm-Bundesligashow und des Fußball-Samstags komplett geschafft war.

In jedem Fall gebührte den Ärzten und dem Pflegeteam im Josefskrankenhaus eine großes Lob. Das war top und zudem eine Punktlandung!

 

Das Fußballspiel (Mein 868. SC-Livespiel)

Schöner Fußball sieht anders aus… Ingolstadt kickte knallhart, häufig unfair, und setzte taktisch auf viele hohe und lange Bälle, während der SC versuchte, spielerisch dagegen zu halten; in der ersten Hälfte nicht entschlossen genug, sodass der FCI überlegen wirkte. Ein hoher Ball aus dem Mittelfeld, der von Florian Niederlechner per Kopf verlängert wurde, traf die Gästeabwehr indisponiert. So kam Maximilian Philipp im Strafraum in eine gute Schussposition und der unter anderem von Leipzig und Tottenham umworbene Stürmer ließ sich die Chance nicht nehmen und vollstreckte aus halbrechter Position zum 1:0 (30.). Es war ein Tor wie aus dem Nichts, denn – wie gesagt – Ingolstadt hatte bis dahin den aktiveren und wacheren, schlicht besseren Eindruck gemacht. Der Rückenwind durch die Führung ließ den SC dann das Heft in die Hand nehmen. Plötzlich lief es besser bei den Jungs, die sechs Tage zuvor, mit derselben Startformation, den FC Schalke verdient nieder gerungen hatten.

Insofern fiel auch der Ausgleich aus dem Nichts… Kurz vor der Pause stolzierte FCI-Verteidiger Tisserand in zentraler Position mit dem Ball am Fuß durch das Mittelfeld bis an die Strafraumgrenze. Niemand störte entscheidend. Alex Schwolow konnte den abschließenden Schuss des einst auch vom SC umworbenen kongolesischen Nationalspielers mit französischem Pass noch mit einer tollen Parade  abwehren. Beim anschließenden Kopfball von Lezcano Richtung verlassenes Tor war „Schwoli“ dann freilich machtlos. 1:1 zur Pause – es war auch der Endstand.

In der zweiten Hälfte war die Partie ansehnlicher und es gab Chancen auf beiden Seiten. Alexander Schwolow musste einige Male bravourös abwehren, wurde zum besten Mann auf dem Platz und auf der Gegenseite hatte der SC Pech, dass nach einem tollen Angriff von „Flo“ Niederlechner und einem abgewehrten Schuss, Janik Haberer mit dem Nachschuss seinen Mannschaftskameraden Niederlechner auf der Linie des Ingolstädter Tores anschoss. Mit einer Freiburger Führung hätte das Spiel anders ausgesehen und wäre mutmaßlich richtig attraktiv geworden. Abpfiff. 1:1. Ingolstadts Abstieg war besiegelt und unser SC muss nun um seinen Startplatz in der Europa League bangen.

 

Das Nachspiel

In der Mixedzone traf ich auf relativ enttäuschte Jungs; Marc-Oliver Kempf und Maximilian Philipp standen mir am Mikrofon Rede und Antwort. Da es bekanntlich das letzte Heimspiel war, fragte ich beide nach ihrem Verbleib in Freiburg. Während Kempf auf seinen Vertrag bis 2018 verwies und mich bestätigte als ich den Rückschluss zog, das also entweder eine Vertragsverlängerung anstünde oder eben ein für den SC gewinnbringender Verkauf, blieb „Milli“ nach meiner Frage, ob man ihn auch weiter im SC-Trikot in Freiburg kicken sehen wird, wortkarg. Nach drei Sekunden Sendepause meinte er nur „das werden wir sehen. Mehr kann ich dazu nicht sagen.“

Ich persönlich rechne damit, dass „Milli“ für einen satten zweistelligen Millionenbetrag geht. Bei Marc-Oliver ist keine Eile geboten. Auch hier hat der SC hat das Heft des Handelns in der Hand. Ich nehme an, die pokern um das neue Gehalt.

Nach der bemerkenswerten Pressekonferenz, in der sich Christian Streich an den SC-Abstieg vor zwei Jahren erinnerte, dem gerade abgestiegenen Kollegen Maik Walpurgis tröstende Worte zukommen ließ und dabei kaum die Tränen zurückhalten konnte, fing ich noch mein Interview mit Freiburgs Cheftrainer ein, verschickte das Audiomaterial via E-Mail und konnte mich erstmal zurücklehnen. Als ich ziemlich geschafft zu meiner Sprecherkabine zurückkam, warteten bereits Bekannte aus Bad Krozingen auf mich, die mit mir zurück in die Kurstadt fahren wollten. Kein Problem, logisch. Mit dem Shuttlebus fuhren wir zum Presseparkplatz am Schloss Ebnet. Hier bemerkte ich dann, dass ich – übrigens genau wie nach dem Schalke-Spiel – mein Aufladekabel nebst Stecker für iPhone und iPad im Stadion vergessen hatte. Inzwischen erlaubte es zum Glück die Verkehrslage, dorthin zurückzufahren, vor dem Eingang kurz einzuparken und das Teil zu holen. Auf dem kurzen Fußweg merkte ich dann aber wie ausgepowert ich war. Viele nette Grüße feiernder Fans von links und rechts erwiderte ich freundlich, ein Selfie hier, ein Selfie da, ließ ich lächelnd über mich ergehen, ich konnte aber kaum einen Fuß vor den anderen setzen, so schwach fühlte ich mich nun… Zum Glück war der Fahrstuhl nicht blockiert und ich konnte ihn nutzen, um das Kabelzeugs aus meiner Sprecherkabine abzuholen.

Zurück am Auto, es war inzwischen 19 Uhr, wollte ich kurzentschlossen noch das neue Heimtrikot des SC für meinen Sohn Ben kaufen. Obwohl noch viele Fans das letzte Heimspiel und vor allem die gute Saison feierten, hatte der Fanshop aber bereits seine Tore geschlossen, was ich jetzt kaufmännisch nicht so clever fand aber sei es drum. Ich verschob den Trikotkauf und fuhr mit meinen Begleitern nach Hause.

Am Sonntag erlebte ich am Fernsehschirm Arminias sagenhaftes 6:0 gegen Braunschweig. Ich denke, die Jungs schaffen jetzt doch noch den Klassenerhalt; schlimmstenfalls über die Relegation. Wenn sie aber in Dresden gewinnen, bleiben sie direkt in der 2. Liga. Der neue Trainer, Jeff Saibene, ein Luxemburger mit Fußballmeriten aus der Schweiz, hat bislang ganze Arbeit geleistet.

Ich bin zwar noch immer krank geschrieben – die Fußballkolumne „SC INTEAM“ wollte ich aber trotzdem auch in der Kalenderwoche 20, der Woche nach meiner OP, persönlich verfassen. Sie erscheint am morgigen Mittwoch in den WZO-Wochenzeitungen. Hier ist sie im Wortlaut:

 

SC INTEAM

Das Schönste am letzten Saison-Heimspiel, dem 1:1 gegen Ingolstadt, war eigentlich das gediegene neue Trikot für die Saison 17/18, in dem der SC sich erstmals präsentierte. Die den Schwarzwald symbolisierenden, in die Textilstruktur eingearbeiteten Tannen im Brustbereich machen das leuchtend rote Trikot des SC Freiburg unverwechselbar. Sportlich gab es hingegen wenig zu bewundern. Beide Mannschaften hätten einen Sieg gebraucht, um sportliche Ziele zu erreichen. Durch die Punkteteilung stieg Ingolstadt vorzeitig ab und der SC droht nun, seinen Startplatz in der UEFA Europa League zu verlieren. Wenn es am letzten Spieltag Favoritensiege gibt, wenn also die Bayern den SC schlagen, Dortmund die Bremer und Köln gegen Mainz gewinnt – alles ziemlich wahrscheinlich – beendet der SC Freiburg die Spielzeit 16/17 auf Rang sieben. Das wäre am Ende einer fantastischen Saison eine tolle Endplatzierung für den Aufsteiger – aber eine mit Fallstricken für die neue Saison. Sollte nämlich Borussia Dortmund den DFB-Pokal gewinnen, rutscht der Bundesliga-Siebte in die Qualifikation der Europa League und müsste, um die lukrative Gruppenphase des internationalen Wettbewerbs zu erreichen, zwei Qualifikationsrunden, jeweils mit Hin- und Rückspiel überstehen; dies mitten in der so wichtigen Vorbereitungsphase auf die neue Bundesligasaison. Nein, das wäre kein Wunschszenario für den SC Freiburg, der für die nächste Bundesligasaison alle Kräfte bündeln muss. Dass die begehrtesten Freiburger Kicker, Grifo (Mönchengladbach?) und Philipp (Leipzig?) bei zahlungskräftigeren Clubs den nächsten Karriereschritt anstreben, zeichnet sich bereits ab, ist aber Alltagsgeschäft im Ausbildungsverein SC Freiburg. Gerade deshalb ist es umso wichtiger für den Sport-Club, mit alten und neuen potenziellen Himmelsstürmern eine konzentrierte Saisonvorbereitung durchführen zu können. Aus eigener Kraft verhindern kann der SC Platz sieben und damit die ungeliebte EL-Qualifikation nur durch einen Sieg beim FC Bayern...

Die Diskussion über eine mögliche Teilnahme am internationalen Wettbewerb und die offenkundigen Nachteile einer EL-Qualifikation als Bundesligasiebter sollten aber nicht den Blick für das Wesentliche vernebeln. Der SC Freiburg hat im zu Ende gehenden Spieljahr Großartiges geleistet! Nach dem kompletten Neuaufbau und dem Aufstieg im Vorjahr wird der Sport-Club die Bundesligasaison auf einem einstelligen Tabellenplatz beenden. Hut ab vor dieser außergewöhnlichen Leistung! (Zitatende)

 

Und das soll es dann auch gewesen sein. Zum Finale in München gibt es dann wieder ein „normales“ Tagebuch.