< Die Spieltage 32 und 33 der Fußball-Bundesliga, SC Freiburg gegen Schalke und Ingolstadt
18.05.2017 16:42 Alter: 2 yrs

34. Spieltag der Fußball-Bundesliga, FC Bayern München gegen SC Freiburg

Samstag, 20. Mai 2017, 15.30 Uhr * Allianz-Arena, München * FC Bayern München - SC Freiburg *


 

Das Vorspiel

 

Neulich berichtete die BILD-Zeitung in großen Lettern über den Jahrestag des Klinsmannschen Tritts in eine Werbetonne, als er im Spiel des FC Bayern gegen unseren SC Freiburg, beim Spielstand von 0:0, in der 80. Spielminute gegen Vertragsamateur Carsten Lakies ausgewechselt wurde. In anderen Jahren und in der laufenden Saison, aus gegebenem Anlass, zum Darmstadt-Spiel, habe ich bereits hier im Tagebuch ausführlich erzählt, dass ich eigentlich mit Lakies und einem gemeinsamen Bekannten, damals ebenfalls Bayern-Amateur, am Freitagabend in München um die Häuser ziehen wollten, was durch die Nominierung für das Spiel der Profis gegen den SC natürlich unterblieb (ansonsten würde ich hier nicht darüber schreiben). 20 Jahre schon… Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Es blieb übrigens - trotz Lakies - beim 0:0 und dieser Kick am 10. Mai 1997 ist zugleich das letzte Auswärtsspiel unserer Jungs bei den Bayern, indem etwas Zählbares nach Freiburg mitgenommen werden konnte. Seither gab es nur Niederlagen beim Rekordmeister: Am 6. März 1999 ein 2:0, am 20. November desselben Jahres ein 6:1, am 28. April 2001 ein 1:0, ebenso wie am 15. September desselben Jahres. 2:0 für Bayern hieß es am 22. Mai 2004 und am 25. September desselben Jahres endete das Spiel 3:1. Der 13. März 2010 brachte ein 2:1 hervor – zur Pause hatte der SC sogar durch ein Tor von Makiadi mit 0:1 geführt, bevor ein gewisser Herr Robben mit einem Doppelschlag in der zweiten Hälfte alle Träume zerstörte. 4:2 für Bayern endete die Partie am 29. Oktober 2010. Es war ein Freitagabendspiel, zu dem ich beinahe zu spät gekommen wäre. Die Mannschaftsaufstellung übermittelte ich in unserer Bundesligashow noch aus dem Auto heraus, die Arena, im Stau stehend, zum Glück in Sichtweite. Mit dem Anpfiff nahm ich damals Platz auf meinem Reporterstuhl.

Bitter war der Kick am 10. September 2011. Am Ende hieß es 7:0 für den Topfavoriten gegen Außenseiter SC Freiburg unter dem damaligen Cheftrainer Marcus Sorg.

Am 27. April 2013 taten sich die Bayern dann mal wieder schwer gegen den nun von Christian Streich gecoachten SC und schafften lediglich ein knappes 1:0.4:0 hieß es dann am 15. Februar 2014 und 2:0 beim vorerst letzten Gastspiel unseres SC beim FC Bayern, am 16. Dezember 2014.

Über Favorit und Außenseiter müssen wir also gar nicht philosophieren, da gibt es keine zwei Meinungen. Allerdings sind die Voraussetzungen ganz andere als in allen anderen Spielen zuvor. Das Schlimmste, was den Freiburgern passieren kann ist, sie werden Siebter. Achter zu werden, wäre das Zweitschlimmste… Gleichzeitig haben die Bayern die Meisterschaft bereits gewonnen; als einzigen von drei angestrebten Titeln. Jetzt wollen sie ein zünftiges Fest mit ihren Fans und nebenbei die kleinen Freiburger zusammenfalten. Natürlich haben die Bayern das Personal dafür – aber wie reagiert der große FCB in so einem Spiel beispielsweise auf die bekannt große Laufbereitschaft unseres SC?

Wenn der SC wider Erwarten in München gewinnt, ist er in jedem Fall international unterwegs. Sollte Hertha gegen Leverkusen patzen, womit ich nicht rechne, wäre der SC als Fünfter direkt für die Gruppenphase qualifiziert. Bleibt der SC durch einen Sieg in München auf Platz sechs gilt das nur für den Fall, dass Borussia Dortmund das DFB-Pokalfinale gewinnt. Holt Außenseiter Frankfurt den Cup, müsste der SC während der Saisonvorbereitung internationale Qualifikationsspiele bestreiten.

Das gilt auch, für den weitaus wahrscheinlicheren Fall, dass der SC am letzten Spieltag durch Favoritensiege von Bayern gegen Freiburg, Dortmund gegen Bremen und Köln gegen Mainz auf Rang sieben zurückfällt und Borussia Dortmund eine Woche später den Pokal gewinnt. Platz sieben ist also sehr wahrscheinlich und auch die Tortur EL-Qualifikation…

Inzwischen ist es Freitag geworden. Es regnet fürchterlich in Südbaden und ein Temperatursturz ist ebenfalls eingetreten. Hatte ich mich noch am Mittwoch bei 28 Grad, im Garten in der Sonne liegend, geistig-seelisch auf die letzte Dienstreise der Saison vorbereitet und die entspannte Situation scherzhaft bei Facebook dokumentiert, muss ich mir jetzt ernsthaft Gedanken um meine Garderobe für die München-Reise machen. Muss ich den schwarzen Winterparka  von hummel tatsächlich nochmal aus dem Keller holen? Oder reicht ein Pulli mit Regenjacke? Ich schiebe die Entscheidung mal bis heute Abend vor mir her...

Hier folgt mein Reiseplan: Bis 17.30 Uhr bin ich im WZO-Verlag gefordert. Dann geht es heim, Reisetasche packen (nach Studium des aktuellen Wetterberichtes für München) und um 19.33 Uhr startet die Regionalbahn von Bad Krozingen nach Freiburg. Von dort aus geht es dann mit dem ICE via Mannheim nach München, wo ich um 0.28 Uhr eintreffen werde. In der Nähe des Hauptbahnhofs der Isar-Metropole, in der Schillerstraße, habe ich ein günstiges Zimmer im Hotel Royal gebucht. Das kenne ich schon. Ich war zuletzt vor einem Jahr dort abgestiegen, als ich, als für Fußballstimmung zuständiger Mitmoderator, in der Allianz-Arena eine gigantische Firmenveranstaltung mitgestalten durfte. Wenn ich noch nicht zu müde bin, werde ich in einer der fragwürdigen Bars  im Umfeld des Hotels noch zwei bis acht Absacker trinken - eher zwei als acht, denn es gibt ja die Übertragung am Samstagnachmittag und die Möglichkeit, die anderen sechs am Samstagabend zu genießen. Die Rückfahrt ist nämlich erst für Sonntag, gegen 20 nach 10 geplant, sodass ich die Saison ganz entspannt ausklingen lassen kann; mit dem Sport-Club als Fünfter, Sechster, Siebter oder Achter der Bundesligatabelle - ein Jahr nach dem Wiederaufstieg... Das ist ganz großer Sport.

Zudem kann ich in München feiern, dass ich meine gesundheitlichen Probleme der letzten Monate mit der abschließenden OP vor knapp 14 Tagen erfolgreich abschütteln konnte. Ein weiterer Grund zum Feiern sind die 25 Kilo Gewichtsabnahme seit Saisonbeginn. Die geplanten 50 Kilo habe ich (noch) nicht geschafft - auch weil mir die gesundheitlichen Probleme dazwischengefunkt haben - aber "Lebbe geht weiter" und am Mittwoch, 24. Mai, steige ich, nach der Rekonvaleszents,  auch wieder in mein regelmäßiges Sportprogramm ein. Abgerechnet wird dann im August. Klar, so schnell werde ich die übrigen 25 Kilo nicht auf die Seite schieben können aber wenn ich bis Hochsommer auf -30 Kilo komme, bin ich mit mir und der Welt zufrieden und natürlich noch nicht am Ende des Weges. Ich habe ja Spaß am Sport und bin längst daran gewöhnt, in der Regel abends nur Salat zu essen. Das bleibt jetzt erstmal so, no problem!

Am Sonntag, kurz vor dem Anpfiff der Zweitligaspiele komme ich wieder in Bad Krozingen an. Die Möglichkeit, von München nach Dresden zu fliegen, um Arminia Bielefeld im Kampf um den Klassenerhalt zu unterstützen und zu erleben, hatte ich tatsächlich erwogen - mangels einer vernünftigen Rückreisemöglichkeit nach Südbaden aber schnell wieder verworfen. Auch bin ich kräftemäßig ja noch nicht in Topform. So werde ich am Bildschirm verfolgen, was sich da tut. Ausnahmsweise hoffe ich mal, dass Stuttgart sein Heimspiel gegen Würzburg gewinnt, was den direkten Abstieg der Arminen schon einmal verhindern würde.

Um die Vermeidung der Relegation steht mein Heimatverein im Fernduell mit 1860 München (in Heidenheim) und Kaiserslautern (gegen Nürnberg). Arminias großer Vorteil gegenüber den Münchner Löwen, die mir seit dem unheilvollen Mitwirken ihres Scheichs als Geldgeber (und mehr...) längst nicht mehr so sympathisch sind wie zuvor: Der DSC hat es in der eigenen Hand. Gewinnen die Jungs in Dresden, sind sie (mutmaßlich) gerettet. Gewinnt Arminia nämlich mit einem Tor Vorsprung, braucht München 60 einen Erfolg mit sieben Toren Vorsprung, um Arminia zu überflügeln. Das könnte in Heidenheim schwer werden...

Diese ganze Zweitliga-Problematik wird aber erst ab Sonntag wirklich mein Thema. Ab sofort läuft der Countdown für München. "Natürlich ist der FC Bayern morgen der haushohe Favorit aber wir hoffen alle auf die große Sensation", habe ich heute Morgen in der baden.fm-Morningshow gesagt. Freiburg muss Topform auf den Platz bringen - ähnlich wie im Hinspiel - und bei Bayern muss so ein ganz bisschen der Wurm drin sein. Vielleicht, weil die Superstars keinen Bock mehr haben, am Ende einer mäßigen Saison mit vorzeitigem Aus in der Champions League und im DFB-Pokal, den ewig rennenden Freiburgern immer hinterher zu laufen. Ich hoffe es sehr - aber so recht vorstellen kann ich mir nicht, dass es so kommt. Den Jungs wäre ich aber auch nicht gram, wenn es sportlich in München schief ginge. Unser SC hat so oder so eine herausragende Saison gespielt. Eine Sensation in München wäre jetzt das i-Tüpfelchen darauf... (und die Vermeidung von Platz 7)

 

Das Fußballspiel (Mein 869. SC-Livespiel)

 

Schwacher Beginn unseres SC vor 75.000 Zuschauern in München. Ein Schrägschuss von Robben ins lange Eck brachte die Bayern schon in der 4. Minute in Führung. Nach dem Aufmarsch der beeindruckenden Bayern-Legenden vor dem Anpfiff war auch die Anfangsphase der Begegnung eine Art „Mia san Mia“-Demonstration des Rekordmeisters. Irgendwann aber entwickelte der Sport-Club, der von 7.500 Schlachtenbummlern begleitet worden war, den anfänglich vermissten Biss und auch Spiel- und Kombinationsfreude. Schon vor der Pause hatte Haberer nach einer schönen Vorlage von Philipp die ganz große Chance zum Ausgleich, doch der direkt weitergeleitete und Richtung verlassenes langes Eck gezirkelte Ball verfehlte das Tor denkbar knapp. Der gut aufgelegte Neuer-Vertreter Starke im Bayern-Tor wäre diesmal machtlos gewesen.

Die Halbzeitpause war mehr als lang. Der zeitlich derbe überzogene Showauftritt des international bekannten US-Popstars Anastacia, die skurriler Weise immer weiter sang, obwohl beide Mannschaften und die Unparteiischen längst auf dem Feld waren und das Spiel fortsetzen wollten, war das erste Problem. Unfähigkeit und Pech des Hilfspersonals beim Abbau der kleinen Bühne und des Pfades dorthin (Anastacias Stilettos wären auf dem Rasen ein Problem geworden) kamen hinzu. So konnte die zweite Hälfte erst mit zehn Minuten Verspätung angepfiffen werden.

In der zweiten Halbzeit spielte der freche Gast aus dem Schwarzwald phasenweise auf Augenhöhe mit dem Rekordmeister. Reichlich Torschüsse gab es auf beiden Seiten – Am Ende war es das Bundesligaspiel mit den meisten Abschlüssen in der gesamten Saison. Das lag aber auch an der Offensive des SC Freiburg, die für die letzten 20 Minuten mit der Einwechslung von Nils Petersen noch einmal zusätzlichen Schwung erhielt. Eine erste Chance ließ Petersen beim Stand von 1:0 ungenutzt. Kurz danach erhöhte Vidal mit einem satten Schuss von der Strafraumgrenze auf 2:0 (73.). Drei Minuten später enttrohnte Petersen den bei der Begrüßung der Bayern-Legenden noch als „besten Joker der Bundesligageschichte“ gefeierten Alexander Zickler. Petersens Flachschuss war das 19. Joker-Tor in der Karriere des Freiburger Stürmers, womit nun Nils alleiniger erfolgreichster Joker aller Zeiten in der Bundesliga ist. Das Tor machte auch das Spiel noch einmal richtig spannend. Bis in die Nachspielzeit hinein lag der Ausgleich in der Luft, schien zum Greifen nahe. Als der SC aber alles auf die Karte Angriff setzte, bot sich den Bayern die Chance zum Kontern. Der nimmermüde Robben und der zuvor eingewechselte Ribbéry spurteten in den freien Raum, Robben bediente den Franzosen, der das Leder mit Hilfe des Innenpfostens zum entscheidenden 3:1 für Bayern München im Freiburger Tor unterbrachte (90+1). Nur nach statistischen Wert hatte das ohnehin aus einer nicht geahndeten Abseitsposition erzielte Kopfballtor von Kimmich zum 4:1-Endstand in der 94. Minute – es war die letzte Aktion des Spiels.

 

Das Nachspiel

 

Ob der guten Leistung der Jungs und einer wirklich gelungenen Radioshow sowie eloquenten Interviews mit Günter, Petersen und Streich war ich nach getaner Abend richtig gut gelaunt! Gemeinsam mit dem BZ-Kollegen René Kübler trank ich noch, anlässlich des Abschlusses einer arbeitsreichen aber überaus erfolgreichen Saison, ein Glas Rotwein in der Presse-Lounge der Allianz Arena.

Am Donnerstag hatte ich erfahren, dass die Firma Hekatron, die in den letzten Jahren – wie ich weiß sehr erfolgreich - Presenting-Sponsor der baden.fm-Bundesligashow war, mit Saisonende leider aussteigt. Doch am Samstagmorgen bekam ich die Info, dass mit meiner Lieblings-Biermarke Waldhaus (ich bin tatsächlich ein großer Fan) bereits ein neuer Partner für die nächste Saison im Boot ist – auch darauf stießen wir an… nächstes Jahr dann mit Waldhaus Diplom-Pils oder dem Naturtrüben – schauen wir mal…

Auf jeden Fall war ich gut drauf. Meine gute Laune verstärkte sich noch, als ich auf dem Fußweg von der Arena zur U-Bahnstation Fröttmaning auf eine Gruppe singender SC-Fans inmitten schweigender Bayern-Anhänger stieß. In der Melodie vom „Anton aus Tirol“ sangen die SC-Fans dann irgendwann – was ich sehr kreativ fand – „Wenn keiner singt - und keiner lacht – dann ist das Bayern-Meisterschaft“! Selbst die FCB-Fans mussten schmunzeln. Nicht alle aber einige. Zurück im Hotel Royal wechselte ich in Zivilklamotten und ging gegenüber einen Salat essen und trank ein Wasser dazu. Der Freitagabend war alkoholtechnisch doch etwas heftiger geworden, also doch eher die acht statt der zwei Drinks, die ich mir vorgenommen hatte. Deshalb war ich jetzt sehr vernünftig und sehr müde… Während draußen das Münchener Nachtleben pulsierte lag ich gegen 22 Uhr im Bett und bewunderte, zugegeben etwas angewidert, das zelebrierte Wiedersehen von Dieter Bohlen und Marc Medlock. Zum Glück schlief ich dann schnell ein.

Und jetzt, liebe Gemeinde, habe ich zum Abschluss der Saison und vor der mehrmonatigen Tagebuchpause etwas Besonderes für Euch. Morgen zur Mittagszeit muss ich vor dem erlauchten Kreis der Mitglieder des Rotary Clubs Bad Krozingen, beim Edel-Italiener „Di Piu“, einen Vortrag halten. Titel: „Red Bull vor VW und Audi – die Lehren aus der 54. Saison der Fußball-Bundesliga“

Das Redemanuskript steht – hier im Tagebuch stelle ich es für Euch gerne vor:

 

Rotary Club Bad Krozingen

Vortrag Frank Rischmüller, 24.05.2017

Red Bull vor VW und Audi – die Lehren der 54. Saison der Fußball-Bundesliga

 

1.  Die Struktur der Bundesliga ändert sich dramatisch.

 

2.  Last Minute-Tore führten 2015 zum Abstieg des SC – knappe Siege 2017 zu Platz 7.

 

3.  Der SC Freiburg ist europäische Spitze!

 

These 1

Die Struktur der Bundesliga ändert sich dramatisch

 

Folgende Meldung geisterte letzte Woche durch die Gazetten: „Der englische Traditionsklub FC Reading wird künftig von chinesischen Investoren geführt. Die Geschwister Dai Yongge und Dai Xiuli sicherten sich 75 Prozent der Anteile, 25 Prozent bleiben im Besitz der bisherigen thailändischen Eigentümer.“

Keine Frage, der Profifußball in England ist schon einen Schritt weiter als der im Land des Weltmeisters Deutschland. Nicht von der sportlichen Leistung her – England spielte bei der WM 2014, die Deutschland gewonnen hat, sportlich keine Rolle – aber von der Finanzierung und von den globalisierten Besitzverhältnissen her scheint England uns voraus zu sein. Viele Macher in der Bundesliga möchten dem nacheifern und sich für ausländische Investoren öffnen.

 

Wie sieht es in Deutschland aus? Hier gibt es die „50 + 1“-Regelung. Es handelt sich dabei um eine Vorschrift in den Statuten der Deutschen Fußball-Liga. Nach dieser Vorschrift ist es Kapitalanlegern nicht möglich, die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften zu übernehmen, in die Fußballvereine gegebenenfalls ihre Profimannschaften ausgegliedert haben. Sie können sich sehr wohl, wenn sie das wollen, 90 Prozent oder mehr des Kapitals aneignen – aber nicht beim Stimmrecht. Hier haben die Vereine die Mehrheit – mit mindestens „50 + 1“ Prozent.

Es geht dabei unter anderem um die Sicherung fußballaffiner Entscheidungsfindungen. Es soll nicht nur der Mammon regieren.

Bedauerlicher Weise gibt es schon jetzt eine Reihe von Ausnahmegenehmigungen. Eine solche wird erteilt, wenn ein Investor bzw. Mehrheitseigner nachweisen kann, dass das Unternehmen den Verein schon mehr als 20 Jahre kontinuierlich im großen Stil finanziell fördert.       

Grundsätzlich ist Investoren diese „50 + 1“-Regelung  ein Dorn im Auge. Sie streben den Sturz der „50 + 1“ -Regelung an und/oder streiten für die angesprochenen Sondergenehmigungen. Es gibt solche etwa in Hoffenheim, wo eine  Ausnahmeregelung zu Gunsten des Milliardärs und jahrzehntelangen Hoffenheim-Mäzens Dietmar Hopp erlassen worden ist.  Hannovers Präsident Martin Kind strebt eine solche Ausnahmeregelung ebenfalls an. Kind, der einen nach ihm benannten Hörgeräte-Konzern leitet, droht zeitgleich: Bekomme sein Unternehmen als Mehrheitsgesellschafter der Hannover 96 GmbH  nicht auch das Sagen bei Hannover 96,  etwa  in der Zeit nach seinem persönlichen Ausscheiden als Präsident des Vereins, wolle er auf der Basis europäischen Rechts die auf Verbandsebene geltende  „50 + 1“-Regelung juristisch anfechten und wenn möglich zu Fall bringen.

 

Bei Bayer Leverkusen ist die Bayer AG alleiniger Gesellschafter der Fußball-GmbH und hat, genau wie VW als Alleingesellschafter der  VfL Wolfsburg GmbH, per Ausnahmegenehmigung der DFL, auch das Sagen.  Zuwendungen im dreistelligen Millionenbereich fließen jährlich. Die sportlichen Erfolge sind zumindest ganz aktuell eher jämmerlich.

 

 Der  österreichische Brausefabrikant  „Red Bull“, ein Global Player, hat  2009 das Startrecht des  SSV Markranstädt in der Oberliga Nordost übernommen. Die monetären Argumente müssen sehr überzeugend gewesen sein…

Zeitgleich gründete Red Bull  den Verein RB Leipzig und ist acht Jahre später auf Platz zwei der Bundesliga angekommen. 

Verbandsscharmützel hatte es anfangs wegen des Logos und der Namensgebung gegeben. Red Bull könne der Verein nicht heißen – und das vorgelegte Logo sei zu nah am Firmenlogo, bemängelte der DFB. So wurde aus Red Bull Leipzig RB Leipzig… RasenballSport, Beiname: Die Roten Bullen.  

Erst der DFB,  im Profibereich die DFL lassen sich da, mit Verlaub, ganz nett an der Nase herumführen.  

Hinzu kommt: Die entscheidende rechtliche Nische, in die Red Bull geschlüpft ist, hat der weltgrößte Sportverband erst gar nicht erkannt.

Um den Machterhalt zu sichern, ist es Interessierten und Fans nämlich  praktisch unmöglich, Mitglied des Vereins „Rasenball Sport“ zu werden.

In den ersten Jahren bestand RB deshalb aus nur sieben Mitgliedern – alle aus der Chefetage der österreichischen Brausefabrik.

„50 + 1“ ist natürlich eine reine Lachnummer, wenn Verein und Chefetage des Investors personell deckungsgleich besetzt sind. Nach heftiger Kritik und Protesten gibt es inzwischen ein paar wenige, handverlesene Mitglieder mehr. Opposition ist da aber nicht zu erwarten. Ganz sicher nicht.

Mit zig Millionen Euro aus der Brausekasse wurde in kürzester Zeit ein Spitzenteam geformt: Das sportliche Marketinginstrument  der Red Bull Gruppe, RB Leipzig. Es ist fachlich vorzüglich zusammengestellt und gecoacht.   „RB, Red Bull bzw – sorry – RasenBall Sport“  spielt und gewinnt auftragsgemäß, um Bekanntheit und Absatz der Brause zu erhöhen; nächstes Jahr übrigens in der Bundesliga und der UEFA Champions League.

Natürlich nimmt so ein Konstrukt einem organisch gewachsenen von den Mitgliedern mit Herzblut getragenen Traditionsverein einen Platz weg im Spitzenfußball – aber das nur als Hinweis am Rande.

 

Fest steht: Fällt eines Tages die „50 + 1“-Regelung komplett weg, ist  der Weg der Bundesliga zu einem Wettbewerb von Global Playern aus der Industrie vorgezeichnet.

Noch gibt es aber in der Bundesliga echte Vereine; solche mit Tradition, bei denen der Fußball und die Liebe der „Macher“ und Fans zu ihrem Sport und ihrem Club im Mittelpunkt stehen. Solche Vereine wirken aber fast schon wie Fremdkörper in der Bundesliga. Störende Fremdkörper bin ich versucht zu sagen.

 

Angesichts der horrenden Summen, die zum Beispiel bei den Fußball-AGs, also den Aktiengesellschaften  in München und Dortmund oder bei den fremdfinanzierten  „Neureichen“ in Leipzig und  Hoffenheim oder auch bei den Werksclubs  Leverkusen und Wolfsburg bewegt werden, ist es schon skurril und für die mächtigen Mitbewerber höchst misslich, dass der SC Freiburg mit seinem Minibudget, seiner eigenen  Philosophie, mit Know-how, Raffinesse und akribischer Arbeit die 54. Bundesligasaison als Tabellensiebter abschließen konnte.

Die aus meiner Sicht sehr schöne Momentaufnahme hat allerdings, wenn man die Entwicklung beobachtet und sieht,  fast schon nostalgische Züge. Mittelfristig, fürchte ich, gehört der Spitzenfußball auch in Deutschland mutmaßlich den Chinesen, den Scheichs und anderen Investoren.  Selbst Red Bull ist dann vermutlich eher eine kleine Nummer. Und Freiburg?  Genießen wir den Moment und beglückwünschen den Sport-Club zu seiner grandiosen Saison!      

 Und zu der kommen wir jetzt.

 

These 2:

Last Minute-Tore führten 2015 zum Abstieg des SC -viele knappe Siege führten 2017 auf Platz 7.

 

Vor zwei Jahren ist es ja sportlich mal schief gegangen beim SC Freiburg. Mein letzter Fußballvortrag in diesem Kreis, vor etwa zwei Jahren, war im Kern die Analyse der Umstände, die damals zu dem denkbar ärgerlichen und unnötigen Abstieg geführt hatten. 2015 fehlte ein Punkt zum Klassenerhalt. Es war relativ offensichtlich, dass die sechs Spiele, in denen der SC durch extrem späte Gegentore jeweils zwei Punkte verloren hatte, den Ausschlag gegeben hatten. Jedes Mal wurde ein SC-Sieg kurz vor Toreschluss vom Gegner noch in ein Unentschieden gedreht. Das alleine machte den Verlust von 12 Punkten aus. Mit 12 Punkten mehr wäre der SC übrigens damals auch Siebter geworden.

 

Wenn wir jetzt auf die Bilanz schauen, fällt auf, dass es zumindest eine Häufung von späten Gegentoren nicht gegeben hat. Schon gar nicht bei knappen Führungen. Elf Möglichkeiten hätte es theoretisch gegeben, denn elf Mal führte der SC kurz vor Schluss knapp mit einem Tor Vorsprung. In dieser Saison hat es der SC aber geschafft, dann eben nicht mehr in den letzten Sekunden oder Minuten ein Gegentor zu kassieren.

Von 14 Siegen des SC Freiburg insgesamt in der zu Ende gegangenen Saison waren 11 knapp und mit nur einem Tor Vorsprung. Diese „engen“ Spiele und Siege führten im Wesentlichen zu dem bemerkenswerten siebten Tabellenplatz.  Sie sehen, der Unterschied zwischen einer Abstiegssaison und dieser besonders erfolgreichen ist letztlich nur ein kleiner.

Freiburgs Trainer Christian Streich hat im Lauf der vergangenen Saison mehrfach darauf hingewiesen, dass der fußballerische Qualitätsunterschied zwischen Platz fünf und Platz 18 in diesem Spieljahr maximal bei 3 Prozent liegt bzw. lag. Das macht natürlich auch diesen Wettbewerb Bundesliga so attraktiv und mitunter so aufregend.

 

Platz sieben für Aufsteiger Freiburg… Dass es eigentlich Platz 1 ist und zwar nicht nur in Deutschland, sondern europaweit, erklärt sich bei der Ausführung meiner dritten und letzten These:

 

These 3:

Der SC Freiburg ist europäische Spitze!

 

Die 54. Bundesligasaison ist beendet. Der Sport-Club Freiburg belegt als Aufsteiger einen sensationellen siebten Tabellenplatz. Wenn Favorit Borussia Dortmund am Samstag in Berlin das DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt erwartungsgemäß gewinnen sollte, spielt Freiburg in der nächsten Saison international; zum vierten Mal in der Vereinsgeschichte und zum zweiten Mal binnen viereinhalb Jahren unter dem Cheftrainer Christian Streich.

Platz sieben in der Abschlusstabelle…

Die Idee zu einer anderen Tabelle als die, die wir kennen aus der Sportschau und der Zeitung hatte kürzlich die Pro 7–SAT 1– Gruppe. Das  Medienunternehmen setzte die sportliche Bundesligatabelle neben eine  Tabelle, die sich durch die Transferausgaben für die Saison ergibt und setzte beide Rankings zueinander in Relation.

Beispiel: Der SC Freiburg, für den Transferausgaben in Höhe von 19 Millionen Euro zu Grunde gelegt wurden, landete in diesem Ranking der Investitionen auf Platz 16. Nur die späteren Absteiger Ingolstadt und Darmstadt hatten weniger Geld investiert. Als Siebter in der sportlichen Tabelle wurde dem Sport-Club der Faktor „+9“ zugewiesen, weil die sportliche Platzierung neun Plätze besser war als die Platzierung bei den Transferaufwendungen. Nur der überraschend Fünfte der Abschlusstabelle, der 1. FC Köln, kommt ebenfalls auf den Faktor „ +9“.

 Die erfolgreichsten Mannschaften relativ zu ihren Transferausgaben sind also Freiburg und Köln auf Platz 1 (jeweils +9), gefolgt von Berlin (+7), so wie Hoffenheim und Leipzig (jeweils +5). Am Ende dieser besonderen Tabelle stehen Schalke (-5), Hamburg (-6), Leverkusen (-8) und Wolfsburg (-13) – also die besonders herben Enttäuschungen der zu Ende gegangenen Bundesligasaison.  

 Zum Vergleich: Den 19 Millionen Transferausgaben des SC Freiburg stehen bei Wolfsburg Transferausgaben in Höhe von 186 Millionen Euro gegenüber – in etwa das Zehnfache. In diesem Ausgaben-Ranking ist Wolfsburg Dritter in Deutschland. In der Abschlusstabelle der Bundesliga sind sie Sechzehnter… So ergibt sich dieser Faktor „-13“, der Wolfsburg zum Schlusslicht dieses besonderen Rankings macht.

Unter Berücksichtigung des finanziellen Aufwands ist der SC Freiburg also gemeinsam mit dem 1. FC Köln Spitzenreiter in Deutschland, ja, sogar in Europa. 

Nimmt man bei den Transferausgaben nicht nur das Ranking, sondern auch die Dimensionen der Ausgaben zur Kenntnis, (ich erinnere daran Wolfsburg zum Beispiel hat zehn Mal so viel ausgegeben wie Freiburg, Hertha Berlin, in der Liga einen Platz vor Freiburg, das Doppelte). Diese Dimensionen bei den konkreten Ausgaben zementieren die Spitzenposition des SC Freiburg in dieser besonderen Tabelle, die versucht, finanziellen Aufwand und sportlichen Ertrag gegeneinander abzuwägen, noch mehr, weil die Sprünge teilweise doch sehr groß sind.

 

Aus relativ wenig möglichst viel zu machen, das ist die Kunst, die in Freiburg perfekt beherrscht wird. Kompliment an Vereinsführung, Management und Trainerteam!

 

Als ich im Herbst 2016 dieses Referat angeboten habe, gab ich ihm den Titel:

„Red Bull vor VW und Audi – die Lehren der 54. Saison der Fußball-Bundesliga“

Red Bull, vertreten durch RB Leipzig, wurde Zweiter.

VW, vertreten durch den VfL Wolfsburg, Sechzehnter und

Audi, vertreten durch den FC Ingolstadt, landete auf Platz 17.

In der internen Reihenfolge der genannten Industrie-Clubs lag ich also vor acht Monaten schon richtig. Dass nun ausgerechnet Audi mit Ingolstadt absteigt und VW mit Wolfsburg in der Relegation steht, war damals freilich nicht einmal zu erahnen.

Kleine Zwischenbemerkung:  Ich kann nur hoffen, dass es morgen im Relegationsspiel keine Stallorder gibt, denn es spielt ja VW gegen VW… Eintracht Braunschweig ist ebenfalls komplett vom Volkswagenwerk abhängig, ebenso wie Wolfsburg, wo VW Alleingesellschafter der GmbH ist. Für Letztere wäre ein Abstieg in die 2. Liga natürlich eine sportliche und finanzielle Katastrophe… Aber das nur nebenbei.

 

Die Lehren der 54. Bundesligasaison sind unter anderem: Die Bundesliga ist aus meiner Sicht auf einem gefährlichen Weg. Die Kommerzialisierung schreitet voran, die Industrialisierung der Clubs genauso. Wunderbare kleine Lichtbliche sind die Traditionsvereine wie Augsburg, Freiburg oder Mainz, die dem Wahnsinn und der Maschinerie noch immer  trotzen und die großen Reichen und Neureichen manchmal tatsächlich noch ärgern können. Ich fürchte, aufhalten kann man die von mir aufgezeigte und skizzierte Entwicklung leider nicht.

Klar ist, Dinge verschieben sich, die Liga verändert sich, ihr Publikum auch, all das betrachte ich mit sehr viel Skepsis.

Ich persönlich hoffe, dass der Bundesliga ein Rest vom alten Charme noch vielleicht fünf, sechs Jahre erhalten bleibt; dass der Sport-Club wie „Asterix und die Gallier im Kampf gegen das Römische Reich“ noch etwas durchhält und mir und uns Freude macht.

Wenn es irgendwann mal heißt, „In der Samsung Bundesliga stehen sich heute Fuji Düsseldorf und Huawei Hamburg gegenüber“, würde das mich persönlich vermutlich nicht mehr so sehr mitreißen und interessieren.

Ich glaube – und das ist die gute Nachricht – spätestens dann gehe ich vielleicht samstags Golf spielen mit unserem rotarischen Freund XYZ.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit! (Zitatende)

 

So, Freunde, jetzt zu uns. Wie immer ziehe ich mich jetzt für zwei, zweieinhalb Monate aus der medialen Fußballszene zurück, widme mich der Familie, der heimischen Rasenpflege, dem Fitnesstraining, der Gesundheitsvorsorge und natürlich meiner hauptberuflichen Tätigkeit im WZO-Verlag. Ein bisschen fußballmüde bin ich schon auch am Ende einer langen Saison, wohl wissend, dass mich spätesten in sechs Wochen der Hafer wieder juckt. Weil ich das weiß, freue ich mich jetzt schon auf den Nervenkitzel und den Spaß am Mikrofon der baden.fm-Bundesligashow in der Saison 2017/2018. Das wird eine besondere Saison, denn ich werde irgendwann im neuen Jahr mein 900. SC-Livespiel machen. Schneller geht’s, wenn Dortmund Samstag den Pokal holt, Europa mal wieder den Sport-Club lockt und der durch Quali und Gruppenphase mal eben zehn Pflichtspiele mehr auf dem Zettel hat, die ja auch medial und am Mikrofon begleitet werden wollen. Ich hätte Spaß daran. Ob es für unsere Jungs nur von Vorteil wäre, weiß ich immer noch nicht. Ich denke darüber nach, wenn Dortmund Samstag gewinnt…

See you! Have a nice summer!