< 34. Spieltag der Fußball-Bundesliga, FC Bayern München gegen SC Freiburg
15.08.2017 17:36 Alter: 1 year

Sommerpause, Vorbereitung, EL-Quali, DFB-Pokal und 1. Spieltag der Fußball Bundesliga, SC Freiburg gegen Eintracht Frankfurt

Sonntag, 20. August 2017, 15.30 Uhr Schwarzwald-Stadion, Freiburg SC Freiburg - Eintracht Frankfurt


Sommerpause und Vorbereitung

 

Sechs Wochen Sommerpause und sieben Wochen Vorbereitung liegen zwischen meinem 869. Pflichtspieleinsatz als reportierender Begleiter an der Seite des SC Freiburg damals in München und dem DFB-Pokalkick am vergangenen Samstag in Halberstadt. Die Auswüchse im Profifußball, seien es nun der Transferwahnsinn, die fortschreitende Kommerzialisierung und Industrialisierung auf der einen- oder die Pyro- und Gewaltexzesse in und um die Stadien durch sich selbst darstellende und viel zu wichtig nehmende Straftäter, gehen mir mächtig auf den Sack. Alles hängt irgendwie zusammen – was die durchdrehenden sogenannten Fans aber keineswegs entschuldigt oder bestätigt – und alles ist sehr unschön und eine Bedrohung für den Sport, dem ich so viel verdanke und dem ich so viel Leidenschaft entgegenbringe. Trotzdem und wohl vor allem wegen dieser Leidenschaft freue ich mich auf die neue Saison.

Eigentlich hat sie ja bereits begonnen: Mein 870. Pflichtspiel übertrug ich am 27. Juli – es war das 1:0 in der Europa League Qualifikation gegen NK Domzale; das Spiel der verpassten Chancen. Ich saß erstmals auf meinem neuen Reporterplatz ganz oben auf der Pressetribüne. Baden.fm und auch die Mannheimer Kollegen von Radio Regenbogen mussten ihre Hörfunkkabinen nach 20 Jahren abgeben. Die im Winter beheizbaren Kabinen sollen nach Wunsch der DFL anderen Funktionen zugeführt werden, etwa als Scout-Arbeitsplätze oder für die internationale TV-Vermarktung. Im Winter werde ich die Kabine vermissen, klar, ansonsten ist mir das ziemlich egal. Ich sehe (und höre vor allem) auch die Vorteile: Von der Stimmung im Stadion bekomme ich viel mehr mit, kann sie förmlich aufsaugen und mit in meine Liveeinblendungen einfließen lassen. Draußen sitzen und reportieren, das kenne ich ja von den Auswärtsspielen, nur dass da die Stimmung in der Regel von den gegnerischen Fans kommt. Gegen Domzale jedenfalls hat mir der Job Spaß gemacht. Schade, dass Nils den Elfmeter nicht scharf genug geschossen hat und schade, dass es am Ende statt 3:0 oder 4:1, was ja korrekt und  in Ordnung gewesen wäre, nur 1:0 hieß. So blieb es spannend – mit lähmend enttäuschendem Ausgang, wie wir alle heute wissen.

Eine Woche später stand das Rückspiel auf dem Programm. Die Vermarktungsrechte (auch für mediale Berichterstattung in Hörfunk und TV) hatte NK Domzale an eine Agentur in der Schweiz abgetreten. Erst am Dienstag, am Tag vor dem geplanten Abflug, lag die schriftliche Bestätigung der Agentur vor, dass ich für baden.fm live aus Ljubljana berichten durfte. Da fiel mir dann schon ein Stein vom Herzen und Euphorie machte sich breit. Bestens gelaunt trat ich am nächsten Tag mit BZ-Sportchef Michael Dörfler zusammen die Autofahrt von Bad Krozingen nach Zürich an, wo am Mittwoch, 2. August, um 15.30 Uhr unser Flieger der Adria Airlines nach Ljubljana starten sollte. Beim Boarding, also kurz vor dem Einstieg in den laufenden Flughafenbus, der uns zum Flieger bringen sollte, wurde ich dann freundlich aber unmissverständlich darauf aufmerksam gemacht, dass mein Personalausweis abgelaufen war. Die Dame am Schalter telefonierte kurz, diskutierte und teilte mir dann mit, dass ich den Flug nicht würde antreten können. Ich schaltete schnell und entschied, mir den gültigen Reisepass von zu Hause bringen zu lassen, falls in der Abendmaschine noch ein Plätzchen für mich frei wäre und ich komplikationslos umbuchen könnte. Letzteres sei wohl möglich, teilte mir die Dame mit und ich zermarterte mir das Hirn, wie und durch wen ich meinen Pass nach Zürich bringen lassen könnte. Um ihn selbst zu holen, war es eindeutig zu spät. Während ich maßlos enttäuscht da stand und grübelte klingelte das Telefon bei der Dame am Schalter und die Mitarbeiterin der Adria Airlines reichte die Frage an mich weiter, ob ich nur bis Ljubljana reisen würde oder meine Reise dann noch weiter ginge. „Nur bis Ljubljana – dann ist Endstation“ antwortete ich wahrheitsgemäß, was mir aus heutiger Sicht doppeldeutig vorkommt.

Nach erneuter kurzer Diskussion mit dem oder der Unbekannten am anderen Ende der Leitung teilte mir die Dame mit, dass ich nun doch ausnahmsweise mitfliegen dürfe in Slovenien aber bei einer entsprechenden Kontrolle unter Umständen Strafe bezahlen müsste – und zurück, ja, da müsse ich mal schauen. Wichtig war mir: Ich durfte mit – alles andere würde sich ergeben, hoffte ich. Noch im Bus zum Flieger sitzend rief ich einen Freund an und bat ihn um einen Aufruf bei Facebook, irgendein geneigter Fan, der am Donnerstag erst nach Slovenien reisen wollte,  möge mir doch bitte meinen Pass mit nach Ljubljana bringen. Gleich darauf erreichte mich ein Anruf vom Funkhaus Freiburg - es ging um irgendetwas Technisches – und dann hatte ich einen klugen Gedanken: Mein Gesprächspartner möge doch mal klären, ob Moderatorin Julica Goldschmidt mein Missgeschick nicht in ihrer Sendung zum Thema machen wollte, um so einen Fan zu finden, der mir aus der Patsche hilft. Ab 17 Uhr sei ich auf meinem Handy in Ljubljana zu erreichen. Und schon musste ich das Handy abstellen, weil der Start unseres kleinen Fliegers näher rückte.

Einreisekontrollen in Ljubljana bleiben aus und auch den vorbestellten Mietwagen erhielt ich gegen Vorlage meines abgelaufenen Persos problemlos. Auf der Fahrt vom Flughafen in die Stadt – diesmal Michael Dörfler auf dem Beifahrersitz und ich am Steuer – führte ich per Freisprecheinrichtung ein lustiges Gespräch mit Julica im Radiostudio, das sie dann ausstrahlte. Als ich im Hotel Lev in Ljubljana auf meinem Zimmer saß kam schon die Bestätigung: SC-Fan Dominik würde nach Bad Krozingen fahren, meinen Pass bei meiner Frau abholen und ihn mir am Donnerstag nach Ljubljana bringen. Ich war echt total dankbar, rief Dominik an, der der mir erzählte, dass er und seine Kumpels mit einem Mietwagen nachts um 2 Uhr aufbrechen würden und gleich nach dem Spiel wieder zurück fahren wollten. „Wir treffen uns am oder im Stadion“ beschlossen wir gemeinsam. Die Passübergabe wurde am nächsten Tag fotografisch festgehalten. Mir fiel wirklich ein Stein vom Herzen und ich stehe tief in der Schuld von Fan Dominik. Derr wiederum träumt von einem matchworn Trikot von Nils oder Amir, was mir ein riesen Problem ist, denn ich bitte Spieler, die ich ja unter Umständen auch mal im Radio oder in der Zeitung kritisieren muss, aus Prinzip nie um Gefälligkeiten. Da suche ich jetzt noch nach einer Lösung…

Über die eigentliche Hauptsache, das Fußballspiel, möchte ich hier eigentlich nicht länger schreiben. Derr SC zeigte zwar bei tropischen Temperaturen in der Sommernacht von Ljubljana guten Willen und Laufbereitschaft, ließ es aber an Spielwitz und Zielstrebigkeit im Spiel nach vorne fehlen. Als individuelle Fehler in der Defensive dazu kamen, war der Drops gelutscht.

Was bleibt in meiner Erinnerung von diesem Europacup-Trip? Die Enttäuschung nach der verdienten 2:0-Niederlage, klar. Die Schmunzette mit dem Pass – logisch. Ein netter Abend mit Kollegen – auch das war dabei. Vor allem bleiben aber Erinnerungen an eine wirklich wunderschöne Stadt, die ich mir touristisch mit einem Elektro-Scooter erschloss, den man für kleines Geld im Hotel mieten konnte. So einen Motorroller mit Elektroantrieb, aufladbar an der heimischen Steckdose, hatte ich mir übrigens Anfang Juli für zu Hause bestellt. Im September soll das Teil ausgeliefert werden. Nach den vier Stunden mit dem Scooter im heißen Ljubljana bin ich selbst heißer denn je auf meine Neuerwerbung. (Klickst Du: www.unumotors.com )

Das DFB-Pokalspiel in Halberstadt, also in der Heimatregion von Nils Petersen, war mein bislang 872. SC-Livespiel am Mikrofon. Wie seit zwei Jahren üblich habe ich das Erstrunden-Auswärtsspiel zu einem Familienausflug genutzt. Mit meiner Frau Yoani und den beiden Kindern Ben (fast 9) und Amelie (fast 5) ging es schon am Mittwoch, 9. August, los. Wir besuchten meine Mutter in Bielefeld. Am Freitag waren es dann (nur) noch 250 km bis Halberstadt im sachsen-anhaltinischen Harz. Leider erlebte Deutschland an diesen Tagen einen Wetterumschwung. Von heiß und sonnig schlug es um auf kühl und regnerisch. Den Freitagnachmittag verbrachten wir dann damit, in dem riesigen Einkaufszentrum „Rathauspassagen“ in Halberstadt nach Regenjacken zu suchen, vor allem, weil die in Freiburg verkauften Sitzplatzkarten zwar mit 32 Euro pro Stück einen stolzen Preis hatten, trotzdem aber nicht überdacht waren, da es sich um extra für das Pokalspiel aufgebaute Zusatztribünen hinter den beiden Toren in dem Leichtathletikstadion handelte. Wir hatten Glück und stießen in den Rathauspassagen auf den Räumungsverkauf eines auch sonst schon recht günstigen Klamottendiscounters. Für Yoani und die beiden Kleinen kauften wir drei richtig gute Regenjacken zum Spottpreis von unter 10 Euro – für alle drei zusammen. Am Schluss waren wir dann doch schwer beladen, mit Waren für einen runden Fuffi, denn solche Angebote muss man ja ausnutzen…

Der Dauerregen vom Freitag wich am Samstag einem kühlen aber zunächst trockenen Wetter. Erst im Laufe der zweiten Hälfte setzte erneut Regen ein und die neuen Regenjacken kamen zum Einsatz. Nur Ben bestand wohl darauf, das anlässlich der Saisoneröffnung in Freiburg neu gekaufte Ausweichtrikot des SC trotz des Regens weiter zu präsentieren und zu zeigen. Das Ende vom Lied: Heute ist er stark erkältet und liegt im Bett bzw. auf dem Sofa. Die Teilnahme an der Geburtstagsfeier seines Kumpels von gegenüber – geplant inklusive Übernachtung – fällt für ihn aus. Fan-Pech… Tränen, klar.

Die sportliche Seite des DFB-Pokalerstrundenspiels habe ich in meiner Kolumne für die WZO-Wochenzeitungen zusammengefasst, in der ich Licht und Schatten der Vorbereitungszeit noch einmal zusammengestellt habe. Hier der Wortlaut:

 

SC INTEAM

Am kommenden Sonntag, 20. August, um 15.30 Uhr beginnt für den SC Freiburg mit dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt die Bundesligasaison 2017/2018. In der siebenwöchigen Vorbereitungszeit gab es Licht und Schatten zu beobachten: Tiefpunkt war die 0:2-Niederlage in Ljubljana gegen NK Domzale und das damit verbundene Ausscheiden aus der UEFA Europa League Qualifikation. Weniger folgenschwer war die glatte 0:3 Schlappe gegen Zweitligist SV Sandhausen im Rahmen des Kaiserstuhlcups in Bahlingen. Erfreulich hingegen gerieten die besonders torreichen Testspiele gegen unterklassige Clubs aus der Region – 8:0 in Lörrach, 8:0 beim Freiburger FC und 11:0 in Schutterwald. Klasse waren auch die erfolgreichen Testspiele im Rahmen des Trainingslagers in Schruns: Mit 2:0 wurde der türkische Pokalsieger Atiker Konyaspor besiegt und auch gegen den amtierenden niederländischen Meister Feyenoord Rotterdam gelang ein verdienter 1:0-Erfolg. Bevor es nun am Sonntag gegen Eintracht Frankfurt um Bundesliga-Punkte geht, stand traditionsgemäß ein David-gegen-Goliath-Match in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde auf dem Programm. Während die mutmaßlichen Konkurrenten des SC Freiburg im bevorstehenden Kampf um den Klassenerhalt, Hamburger SV (in Osnabrück) und FC Augsburg (in Magdeburg) spektakulär scheiterten, setzte sich der SC beim Regionalligisten VfB Germania Halberstadt verdient mit 2:1 durch. Vor 5.037 zahlenden Zuschauern in Sachsen-Anhalt zeigte der SC zwei Gesichter: In der ersten Hälfte dominierte der Bundesligist die Partie souverän. Nur der über sich selbst hinaus wachsende gegnerische Torwart Büchel verhinderte ein frühes Debakel der Vertragsamateure. Nach der 2:0-Pausenführung gingen beim Sport-Club allerdings Biss, Zielstrebigkeit und Esprit verloren – jetzt erinnerte das Freiburger Spiel mitunter an den schwachen Auftritt in Ljubljana. Trotzdem geriet der Freiburger Sieg nie wirklich in Gefahr, auch nicht nach dem Kontertor zum 1:2, kurz vor dem Abpfiff. Der SC aus der ersten Hälfte des Pokalspiels präsentierte sich absolut fit für den Ligastart – das Bild der zweiten Hälfte mag als Warnung für den nun beginnenden „Ernst des Lebens“ der Freiburger Bundesligafußballer dienen.

Der junge Innenverteidiger Philipp Lienhart (Real Madrid II) hat sich  schnell als  brauchbares Abwehrtalent für den SC erwiesen. In der Offensive könnte Bartosz Kapustka (Leicester City) mittelfristig eine Verstärkung werden. Kurzfristig ist der junge Pole dies noch nicht. Der am Freitag verpflichtete Rückkehrer Marco Terrazzino (TSG 1899 Hoffenheim) könnte im offensiven Mittelfeld eine Soforthilfe sein, ebenso wie der offenbar im Anflug befindliche Franzose Yoric Ravet (YB Bern). Dass der SC sich intensiv um Verstärkungen im Kreativbereich bemüht, ist eine logische Folge der Abgänge von Grifo und Philipp sowie der Erkenntnisse aus den Vorbereitungsspielen. Unabhängig davon trifft man sich am Sonntag mit Eintracht Frankfurt auf Augenhöhe. Die Spannung steigt...

 

Das Vorspiel:

  

„Wir beginnen mit einem Heimspiel gegen Frankfurt“ hatte Fabian seiner Lebensgefährtin, meiner erwachsenen Tochter Caroline, nach Bekanntgabe des Bundesligaspielplans schmunzelnd mitgeteilt. „Wir haben also ein Auswärtsspiel in Freiburg“ soll Caro ihm geantwortet haben, wohnen doch beide seit einiger Zeit in der hessischen Metropole. Wie ernst es ihr mit dieser Darstellungsweise ist, weiß ich nicht. Beim letzten Gastspiel des SC in Frankfurt saß sie ja auf meine Einladung hin, mit meinem (beinahe) kompletten familiären Anhang mit in der Freiburger Fankurve und nach dem Spiel schien sie sich nicht wirklich über die 1:2-Niederlage der Eintracht gegen den SC zu ärgern. So gestrahlt wie ihr Freund Fabian und ihr kleiner Halbbruder Ben hat sie zwar nicht, Zerknirschung sieht aber auch anders aus…

Ach ja, die Eintracht und meine Familie. Okay, Caro wohnt in Frankfurt und entwickelt deshalb gewisse Sympathien oder soll ich sagen Solidarität mit dem lokalen Bundesligaclub. Ihr älterer Bruder Jérôme, mein Ältester, wohnt in Zürich und ist – ja, das ist wohl so – tatsächlich ein Fan der Adlerträger; schon seit vielen Jahren, auch als er noch in Freiburg wohnte. Nun ist er auch SC-Fan, klar. Als kleiner Junge erlebte er bei seiner Premiere im Dreisamstadion den Wassmer-Triple-Pack gegen die Bayern und der Papa übertrug anschließend und bis heute alle Spiele des SC im Radio; klar dass er Freiburg-Fan wurde und übrigens, ähnlich wie ich, noch die Arminia, wo er mit dem Kicken begann, und den Montpellier HSC aus Frankreich, Club seiner geburtsstadt, im Herzen trägt. Aber Eintracht Frankfurt? Ich weiß bis heute nicht, wie er an die geraten ist. Immerhin gibt sich Jérôme halbwegs neutral, wenn beide Clubs gegeneinander spielen. Beim letzten Gastspiel war er freilich mit in der Gästekurve – diesmal wird er neben mir sitzen.  Ist ja auch nicht so geil, in Freiburg in der Gästekurve zu stehen und regelmäßig vom Sport-Club einen aufs Dach zu kriegen… Oder aber bei einem Treffer der Freiburger – angesichts der eigenen Vita – jubeln zu wollen aber es nicht zu dürfen, wegen der anderen im Block… Und Freiburger Tore gegen die Eintracht gab es ja meistens zu bejubeln in letzter Zeit. Das Fachblatt „Kicker“ erinnert in dieser Woche an Folgendes: „Von den letzten fünf Heimspielen gegen Frankfurt verlor Freiburg kein einziges, nach drei Remis gab es jüngst zwei Siege. Die letzten drei Duelle mit der Eintracht gewann der Sportclub allesamt…“

Also alles in Butter? Schauen wir mal…

Ich sehe am Sonntag eine Fiffty-Fiffty-Chance für den SC. Für beide Mannschaften gilt: Bundesliga ist etwas ganz Anderes als Vorbereitungsspiele oder DFB-Pokal. Beim Ligastart sind Motivation und Konzentration am Siedepunkt, die Fitness möglichst perfekt, das Stadion ist voll und laut und als Spieler weißt Du, ganz Europa schaut Dir via TV und Internet auf die Füße. Deshalb sind Vorbereitungsspiele, egal ob gegen Lörrach oder Amsterdam und auch so Geschichten wie das misslungene Europapokal-Intermezzo in Ljubljana nur noch Schall und Rauch. Dann gilt’s…

 

Also steigt auch bei mir die Spannung und es wächst die Hoffnung… dass am Ende der Klassenerhalt stehen möge. Das ist beim Sport-Club immer wieder der wesentliche Punkt oder „in Freiburg die Deutsche Meisterschaft“, wie es der Kollege Marcel Reif jetzt in einem BZ-Interview formuliert hat.

Betrachtet man das Abschneiden der Eintracht in der Rückrunde der vergangenen Saison, Frankfurt ist Letzter der Rückrundentabelle 16/17, steht für unseren Sport-Club also gleich zum Start ein Sechs-Punkte-Spiel auf dem Programm, auch wenn es sich vielleicht noch nicht so anfühlt. Da es am zweiten Spieltag in Leipzig und am dritten Spieltag gegen Dortmund nur im Ausnahmefall Punkte für den SC zu holen geben wird, gewinnt die Partie gegen Frankfurt noch zusätzlich an Brisanz. Also auf sie mit Gebrüll! Aber bitte nur sportlich!

Angesichts der Vorfälle bei den Gastspielen von Frankfurt in Freiburg in den vergangenen Jahren und meines Wissens über die nicht unproblematische Fanszene der Eintracht und vor dem Hintergrund der Ultra-Kriegserklärung an den DFB und der Vorfälle jüngst in Rostock, hoffe ich inständig, dass es in der nun beginnenden Bundesligasaison ganz allgemein und speziell beim Auftaktspiel SCF gegen SGE ruhig bleiben möge und – das sage ich so, wie ich es meine: Unser Sport nicht kaputt gemacht wird! Weder von den Kommerzialisierern an den Schalthebeln des Profifußballs noch von gewaltbereiten Protestlern, die für mich am Ende nur kriminelle Straftäter sind und nicht etwa „Aktivisten der einzig wahren Fußballkultur“.

In diesem Sinne: Let’s get ready to rumble!

 

Das Fußballspiel (Mein 873. SC-Pflichtspiel)

Die Aha-Effekte vor dem Anpfiff lauteten 1. Aha, Dreierkette mit Schuster als zentralem Mann und 2. Aha, Petersen auf der Bank – der Trainer legt Wert auf die Joker-Qualitäten des Stürmers, die in der Bundesliga vergeblich ihresgleichen suchen.  „Wenn ich Nils von Anfang an bringe, kann ich ihn nicht einwechseln“, bekannte Christian Streich auf diese Personalie angesprochen nach dem Spiel. „Am liebsten hätte ich zwei Nils‘“ scherzte der Trainer.

Petersen-Ersatz Tim Kleindienst stand besonders in der 17. Spielminute im Fokus: Eine feine Hereingabe von Florian Niederlechner hatte der lange Schlacks aus Jüterborg zum vermeintlichen 1:0 in die Maschen gedroschen. Jubel bei den Jungs auf dem Rasen, Jubel auf den Rängen und natürlich Jubel bei mir am Radiomikrofon und im Programm von baden.fm...

Und dann... „hätte, hätte, Fahrradkette…“ Manuel Gräfe fasste sich an den Kopf bzw. an seine Funkanlage und deutete dann gestisch unmissverständlich an, kein Tor, sondern Freistoß wegen Abseitsstellung – es war das erste vom in Köln am Bildschirm sitzenden Videoassistenten zurückgenommene Tor der Bundesligageschichte. Zwar hatte nicht der vermeintliche Torschütze Kleindienst im Abseits gestanden, wohl aber Vorbereiter Niederlechner, als dieser kurz zuvor angespielt worden war. Nicht der ganze Kerl, freilich, aber zumindest sein Unterschenkel, mit dem man ja Tore erzielen kann und deshalb handelte es sich in der Tat um eine ahndungswürdige Abseitsstellung, die dem Assistenten auf dem Platz entgangenen war. Der Mann in Köln, mit Bildschirm, Zeitlupe und virtueller Abseitslinie ausgestattet, hatte den Regelsverstoß bemerkt.

Am Samstag hätte das Tor mutmaßlich gezählt und – wer weiß – vielleicht sogar einen SC-Sieg eingeleitet. Denn am Samstag hatten die technischen Hilfsmittel der Videoassistenten schlicht nicht funktioniert.

Es ist gewöhnungsbedürftig, dass man Tore jetzt scheinbar immer erst unter Vorbehalt feiern kann; im Radio quasi mit dem Zusatz „diese Angaben sind ohne Gewähr“ gleich nach dem Torschrei. Ob das ein Fortschritt ist, lasse ich mal dahingestellt. Gerechter ist es vermutlich, denn Regelverstoß ist Regelverstoß. Aber es geht auch etwas verloren – etwa die spontane Freude.

Künftig weiß man dann zwar, ein Tor ist gefallen, ob es auch zählt, wissen wir aber oft erst in (gefühlten) ein, zwei Minuten. Mal schauen, wie sich die Sache mit dem Videoassistenten weiterentwickelt. Ich bin skeptisch...

Das Spiel des SC gegen Frankfurt war kampfbetont mit wenig fußballerischer Klasse. Das ist zu Saisonbeginn auch halbwegs normal. Ein Kopfball von SGE-Neuzugang Falette (vom FC Metz) am leeren Tor vorbei,  unmittelbar vor dem aberkannten Tor für Freiburg, und ein Lattentreffer des starken Frankfurter Neuzugangs Haller, ebenfalls einem Franzosen, der in diesem Fall zuletzt beim FC Utrecht in den Niederlanden gespielt hatte,  sorgten noch vor der Pause im Freiburger Strafraum für Wallung.

In der zweiten Hälfte gelang es dem SC – auch durch die Einwechslung von Joker Petersen und Neuzugang Terrazzino - besser, sich fußballerisch in Szene zu setzen. Die eine oder andere Torchance, vor allem nach Standards, stellte sich noch ein, doch irgendwie „roch“ es die ganze Zeit nach einem 0:0-Spiel; vor allem, als Frankfurt, die wachsende Freiburger Überlegenheit spürend, begann, die Defensive zu stärken und das Ergebnis zu verwalten.

Am Ende gab es die Nullnummer, die jedem der beteiligten Clubs einen Punkt sicherte. Für beide könnte es mittelfristig ein Punkt im Abstiegskampf sein.

 

Das Nachspiel

Als ich in der Mixedzone ankam, um die Jungs nach ihrem Remis zu interviewen, war Torhüter Alexander Schwolow bereits im Gespräch mit den anderen Kollegen aus der SC-Presseblase. Ich wartete ab und vereinnahmte den Keeper dann im Anschluss ganz alleine. Während ich dann sein Interview im Aufnahmegerät noch digital mit dem Namen Schwolow versah, um es später als Soundfile zu versenden – kam Julian Schuster zu unserem Pulk und wieder war ich ein paar Sekunden zu spät dran, um ihn aus meiner eigentlichen Poleposition heraus, als Erster zu „vernehmen“. Doch auch für den Kapitän war es kein Ding, mir nach der Fragerunde mit den Kollegen noch einmal für ein sogenanntes 1:1-Interview zur Verfügung zu stehen. Als beide Gespräche im Kasten waren, begab ich mich zur Pressekonferenz, nahm meinen Stammplatz in der ersten Reihe ein, um nach dem offiziellen Teil der PK, wie immer, absprachegemäß Christian Streich für die SC-Homepage und die Nachrichtenredaktion von baden.fm zu befragen.

Jetzt war ich früher dran als die Kollegen und hatte in der Wartezeit vor Beginn der PK noch die Gelegenheit, die Spielerinterviews schon mal an die Adressaten im Background zu mailen. Außerdem gönnte ich mir einen kühlen Schokotrunk vom SC-Hauptsponsor Schwarzwald-Milch. Als die PK vorbei und das Trainerinterview im Kasten und versendet war, verfolgte ich noch im Presseraum die Auslosung der zweiten DFB-Pokal-Hauptrunde. Dass es ein Heimspiel wurde, ist natürlich Klasse – der Gegner, Zweitligist Dynamo Dresden, erscheint mir sportlich machbar, wenngleich ich natürlich die Heimschlappe aus dem vergangenen Jahr gegen den SV Sandhausen nicht vergessen habe... Jetzt müssen wir freilich erfstmal schauen, wo der SC Ende Oktober in der Liga steht und welche Bedeutung dann der DFB-Pokal für Freiburg haben wird.

Ich fuhr heim, wo ich noch eine kurze Zusammenfassung mit den wichtigsten Informationen – Spielverlauf, Videobeweis, ein neuer Offensiver im Anflug und Pokalspiel gegen Dresden – zusammenschrieb und für das Frühprogramm von baden.fm aufzeichnete und versendete – homeoffice im Radiobusiness sozusagen.

Außerdem schaute ich mir natürlich die zweite Halbzeit von Gladbach gegen Köln an, registrierte, dass Grifo bei Borussia nicht einmal im Kader stand und dachte mir meinen Teil.

Montagmorgen stand dann wie immer als Erstes das Verfassen der Fußballkolumne für alle WZO-Wochenzeitungen zwischen der Ortenau und der Grenze zur Schweiz an. Immerhin acht verschiedene Zeitungstitel mit 23 Lokalausgaben , die jede Woche insgesamt knapp 300.000 Haushalte erreichen. Ich freue mich übrigens sehr, dass die SC INTEAM-Kolumne mittlerweile mit dem Autohaus Schmolck aus Emmendingen, Müllheim und Vogtsburg einen Presenting-Sponsor (wie das Neudeutsch heißt) in den Zeitungen gefunden hat. Entsprechend bin ich natürlich motiviert und ganz besonders um das Einbringen von Expertenwissen und journalistisches Niveau bemüht.

Da mir die Leser meines SC-Tagebuches natürlich besonders am Herzen liegen, bekommen diese die Kolumne, die erst am Mittwoch und Donnerstag in den diversen Wochenzeitungen veröffentlicht wird, schon jetzt (Montagnachmittag) zu lesen:

 

SC INTEAM

Zu wenig, um zu jubeln – zu viel, um zu mäkeln; der SC Freiburg bot seinen Anhängern beim 0:0 gegen Eintracht Frankfurt einen durchwachsenen Start in die neue Bundesligasaison. Die Abwehr tat sich gegen den bulligen französischen Stoßstürmer Sébastien Haller, den die Frankfurter vom FC Utrecht aus der niederländischen Ehrendivision verpflichtet hatten, mitunter etwas schwer. Dennoch bleibt zu unterstreichen, dass der gut aufgelegte Alexander Schwolow hinter der variablen Dreier-/Fünfer-Kette seinen Kasten sauber hielt. Aus Sicht des Torhüters sei ein Spiel ohne Gegentore eigentlich immer zufriedenstellend, bemerkte die unumstrittene „Nummer 1“ des Sport-Clubs nach den kampfbetonten 90 Minuten gegen die Hessen. Beim Studium der Spieldaten fällt auf, dass der SC zwar mehr vom Spiel hatte und zum Beispiel auch die bessere Passquote verzeichnen konnte, Frankfurt aber deutlich öfter zum Abschluss kam und auch beim Abwägen sogenannter klarer Tormöglichkeiten die Nase vorne hatte. Bei Freiburg fehlten die zündenden Ideen, das Überraschungsmoment – etwa durch individuelle Glanztaten in der Offensive. Dieses Manko war schon in den Europa League Qualifikationsspielen gegen NK Domzale und in der zweiten Halbzeit des DFB-Pokalspiels bei VfB Germania Halberstadt augenfällig: Der durch die Abgänge von Vincenzo Grifo (in Mönchengladbach derzeit nicht im Spielkader) und Maximilian Philipp (in Dortmund zuletzt in der Startelf) bedingte Substanzverlust im Kreativbereich „bettelt“ förmlich darum, durch Verstärkungen von außen ausgeglichen zu werden. Durch die Verpflichtung des spielerisch starken Marco Terrazzino (1899 Hoffenheim) wurde ein erster richtiger und wichtiger Schritt vollzogen. Nach seiner Einwechslung gegen Frankfurt deutete der gebürtige Mannheimer an, dass er dem Spiel des SC mit seiner individuellen Technik und seiner Spielfreude weiterhilft. Terrazzinos Sprung in die Freiburger Startelf scheint unmittelbar bevor zu stehen.  Ein zusätzlicher versierter Außenbahnspieler  - neben Talen Kapustka - würde dem Sport-Club zudem gut zu Gesicht stehen. Ein solcher scheint im Anmarsch zu sein: Es zeichnet sich ab, dass der französische Flügelflitzer Yoric Ravet von YB Bern, wie schon am vergangenen Mittwoch in dieser Zeitung vermutet, noch in dieser Woche zum Sport-Club stößt. Zuvor muss der 27-Jährige heute Abend in Moskau  noch einmal für seinen schweizerischen Arbeitgeber im Rahmen der Championsleague Qualifikation antreten. Danach dürfte der Weg in die Bundesliga und zum Sport-Club Freiburg für den trickreichen und abschlussstarken Ravet  frei sein. Die Aussichten auf Erfolgserlebnisse in den nächsten beiden Spielen in Leipzig (Sonntag, 27. September) und gegen Dortmund (Samstag, 9. September) würden sich dadurch zwar nicht spektakulär verschieben, die Langzeitperspektive für den SC wäre durch diese Verstärkung aber fraglos eine Bessere. (Zitatende)

 

Ich stelle gerade fest: Der Urlaub ist vorbei – der Arbeitsalltag hat mich wieder. Zum Glück ist es ein Alltag, der mir Freude macht. Der Weg ist schließlich das Ziel... Man hört sich!