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05.09.2017 18:53 Alter: 102 days

2. Spieltag der Fußball-Bundesliga, Leipzig gegen SC Freiburg

Sonntag, 27. August 2017, 15.30 Uhr Arena in Leipzig Leipzig - SC Freiburg


 

Das Vorspiel

Die Auswärtsreise nach Leipzig begann – ich schreibe ja „das Vorspiel“ ausnahmsweise mal aus der Retrospektive – für mich am Samstagvormittag mit der Fahrt im baden.fm-Fiesta (das ist jetzt mein neues Auswärtsvehikel) nach Frankfurt. Die A5 war frei und ich hatte das Umfeld der Commerzbank-Arena schnell erreicht. Mein Ziel, also die Straße bzw. den Parkplatz am Stadion, wo ich meine Akkreditierung abholen sollte, hatte ich ins Navy eingegeben. In 150 Metern sollte ich mich rechts halten, plärrte die Computerstimme, doch ich war gedanklich woanders und bog schon nach 50 Metern rechts ab, quasi der Masse folgend. Danach stand ich dann eine gute halbe Stunde im Stau der anreisenden Fans auf Parkplatzsuche. Am Ende hat dann aber doch alles geklappt und ich konnte mir ganz entspannt die zweite Partie der Frankfurter Eintracht in der Bundesliga anschauen, denn am ersten Spieltag waren die Hessen ja zu Gast in Freiburg gewesen. Ich erlebte ein kurioses Spiel, denn gegen wenig überzeugende Wolfsburger holte Eintracht alleine in der ersten Halbzeit sechs hundertprozentige Torgelegenheiten heraus, ohne auch nur eine davon zu nutzen. Das Tragische aus Eintracht-Sicht: Nach einem Kopfball von Mittelstürmer Haller an den Innenpfosten des Wolfsburger Tores starteten die Gäste aus Niedersachsen einen blitzschnellen Konter und schlossen diesen in der 22. Spielminute durch Didavi zum 0:1 ab. Es blieb die einzige richtig gute Angriffsaktion von Wolfsburg und es blieb das einzige Tor des Tages. Frankfurt, das auch nach dem Wechsel noch ein paar gute Möglichkeiten hatte – wenn auch nicht so zwingende Gelegenheiten wie vor der Pause – verlor die Heimpremiere mit 0:1.

Mir war es wurscht… ich hatte gesehen, dass unser SC Freiburg in der Bundesliga würde mithalten können; vielleicht noch nicht in Leipzig oder gegen Dortmund aber gegen die „normalen“ Gegner auf jeden Fall. Von Frankfurt wusste ich es seit dem ersten Spieltag, von Wolfsburg seit dem Kick des VfL in der Commerzbank-Arena. Fußballerisch war da noch sehr viel Luft nach oben.

Den Rest des Tages und des Abends widmete ich dem Müßiggang. Schön essen auf der Terrasse eines angesagten Streakhouse’ und dann in diversen Bars kühlen Chardonnay, bis ich Mühe hatte das auszusprechen. Ich wusste, mein Flug nach Leipzig würde am Sonntag erst um 11.30 Uhr starten – da konnte ich ausschlafen und tat es dann auch.

In 40 Minuten brachte mich der fast leere Airbus der Lufthansa am Sonntagvormittag nach Leipzig. Als ich da von der Firma  Hertz einen Ford Fiesta überreicht bekam, musste ich schmunzeln. Mit dem Modell war ich ja schon von Freiburg nach Frankfurt geheizt. Da ich privat auch einen Ford fahre, waren Bedienung, Bordcomputer und Kommunikationssystem „Sync“ kein Problem. Ein automobiles Heimspiel sozusagen – mitten im Auswärtsspiel des SCF.

 

Das Fußballspiel (Mein 874. SC-Livespiel)

In der ersten Halbzeit vor knapp 50.000 Zuschauern in Leipzig war fast alles da, was ich zum Beispiel in den Spielen gegen Domzale so vermisst hatte: Mut, Ideenreichtum, Spielwitz und Effizienz. Das Tor zum 0:1 durch Flo Niederlechner (23.) war eine Augenweide. Doppelpass zwischen Terrazzino, der erwartungsgemäß in der Startelf stand, mit Haberer, erneuter Pass nach innen auf Haberer, der lässt den Ball geschickt durch zu Niederlechner und der netzt ein. „Ein geiles Tor!“ rief ich begeistert ins baden.fm-Mikrofon. Das 0:1 zur Pause war verdient, fast wäre ein 0:2 möglich gewesen. Aber „hätte, hätte, Fahrradkette“.

Drei Minuten nach Wiederbeginn kam Leipzig, das sich zuvor spielerisch nie hatte entscheidend durchsetzen können, ausgerechnet durch einen Standard, einen banalen Eckball nämlich, zum Ausgleich. Timo Werner traf per Kopf. Keine Ahnung, wer da gepennt hat… Wegen des demoralisierenden Rest des Spiels habe ich mir später keine TV-Bilder von dem Kick angeschaut. Der Ausgleich weckte die Lebensgeister des Vizemeisters, der den SC nun ziemlich auseinander nahm. 2:1 Orban (55.), 3:1 Werner (71.) und 4:1 Bruma (78.) Das war’s. Bruma übrigens, für schlappe 12,5 Millionen plus eventuelle Bonuszahlungen vom Brausegeld aus Istanbul (Gala) verpflichtet, war kurz zuvor eingewechelt worden. Mit seiner zweiten Ballberührung jagte er die Kugel in den Winkel. Jetzt war sie da, die Situation des Kaninchens vor der Schlange, dieses wegen der immer weiter sich spreizenden Schere zwischen Superreich und Normalo-Clubs fast schon nervige David gegen Goliath. Schade, denn eine Halbzeit lang hatte der SC Leipzig schön geärgert… Nicht mehr und nicht weniger. Es werden andere Gegner kommen…

 

Das Nachspiel

Nach den Interviews mit Niederlechner, Schuster und Streich setzte ich mich auf dem Stadionparkplatz in den Fiesta und überlegte was ich aus dem gerade angebrochenen Abend noch machen sollte. Ein angedachtes gemeinsames Essen im Auerbachs Keller sagte ich BZ-Sportchef Michael Dörfler telefonisch ab und fuhr zum Globana Airport-Hotel in Schkeuditz, wo ich – 5 km vom Flughafen entfernt, also fern der Leipziger City  – ein Zimmer reserviert hatte. Ich wollte mich nur noch erholen, früh schlafen und am nächsten Morgen um 6.15 Uhr meinen Flieger nach Frankfurt erreichen. Nach der Chardonnay-Nacht in Frankfurt war das genau die richtige Entscheidung und alles klappte perfekt – früh eingeaschlafen, ohne Probleme um 4.15 Uhr aufgewacht, Flieger erwischt und mit dem baden.fm-Fiesta zurück nach Freiburg gezuckelt. Gegen 11 Uhr am Montagmorgen war ich dann wieder zu Hause in Bad Krozingen. Im Verlag hatte ich mir den Montag freigenommen aber die Kolumne für die WZO-Blätter musste ich natürlich trotzdem schreiben. Das besorgte ich nach dem Mittagessen. Hier der Wortlaut:

SC INTEAM

Die 1:4-Niederlage in Leipzig entspricht im Ergebnis den allgemeinen Erwartungen und auch den wirtschaftlichen Möglichkeiten, die zwischen zwei Clubs in derselben Liga größer kaum sein könnten. Das ist eine Feststellung ohne Bitterkeit oder gar Neid – es ist schlicht Realität. Die Abteilung Marketing/Fußball des Weltkonzerns Red Bull, vom Wunsch des Milliardärs und Unternehmensgründers Dietrich Mateschitz, über kurz oder lang den europäischen Fußball zu dominieren, getragen und finanziell üppig ausgestattet, spielt sportlich in derselben Liga. Alle anderen Parameter sind nicht vergleichbar. Das Wirtschaftsmagazin Forbes benennt das Vermögen des Dietrich Mateschitz aktuell auf 20,7 Milliarden US-Dollar. Er wäre damit in etwa doppelt so reich wie SAP-Gründer und Hoffenheim-Boss Dietmar Hopp. So versammelt die mit „Macher“ Ralf Rangnick und Trainer Ralph Hasenhüttl personell  exzellent besetzte  Chefetage der Abteilung Marketing/Fußball von Red Bull  herausragende junge Fußballer um sich; Weltklassespieler, wie etwa den Portugiesen Bruma. Der für  12,5 Millionen Euro (plus eventuelle Bonuszahlungen) vom türkischen Spitzenclub  Galatasaray  verpflichtete Stürmer ist in Leipzig Ergänzungsspieler. Gegen den SC Freiburg wurde Bruma eingewechselte und erzielte  in der 80. Minute mit seinem zweiten Ballkontakt ein Traumtor zum 4:1-Endstand. Staunen, schütteln, Mund abputzen, weitermachen Sport-Club! Es werden noch Gegner kommen, denen sportlich beizukommen ist. Vielleicht noch nicht sofort – im nächsten Heimspiel erwartet Freiburg Spitzenreiter Borussia Dortmund – aber dann irgendwann...

Als Mutmacher  für den weiteren Saisonverlauf kann die ausgezeichnete erste Hälfte vom Spiel in Leipzig herangezogen werden. Ein glänzend aufgelegter Schwolow im Tor, davor ein leidenschaftlich im Kollektiv verteidigendes Team und bei den mutigen und kreativ vorgetragenen Angriffen zeigte der SC zuletzt schmerzlich vermisste Qualitäten. Das Mitwirken des Neuzugangs und  Kreativspielers Marco Terrazzino in der Startelf wirkte sich, so lange die Kräfte reichten, äußerst positiv aus. Mit Yoric Ravet meldete der SC am Samstag zudem den sich lange anbahnenden Transfer eines weiteren beschlagenen Offensivspielers als perfekt. Mit dem jungen Bartosz Kapustka befindet sich zudem ein weiterer Kreativer in der Warteschleife. Wenn der auffälligste Jungnationalspieler der EM 2016 seine körperlichen Defizite nach einem verlorenen Jahr in Leicester erst aufgeholt hat, könnte er noch eine wichtige Stütze für den Sport-Club werden. Der SC Freiburg, der nach der Verpflichtung von Robin Koch aus Kaiserslautern  übrigens auch in der Innenverteidigung auf jeder Position doppelt besetzt ist, mag nach zwei Spielen noch sieglos sein, auf Platz 15 stehen und in Leipzig am Ende mit 1:4 unter die Räder gekommen sein. Die Perspektiven des Teams sind gut – auch und gerade als eingetragener Verein und ohne die Milliarden eines Investors. Sympathischer ist es sowieso. (Zitatende)

Dass im weiteren Verlauf der Woche noch Ryan Kent aus Liverpool auf Leihbasis verpflichtet werden sollte, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Es verstärkt nur meine These von den guten Perspektiven. In diesem Sinne…