< 4. Spieltag der Fußball-Bundesliga, Bayer 04 Leverkusen gegen SC Freiburg
03.11.2017 12:14 Alter: 43 days

11. Spieltag der Fußball-Bundesliga, SC Freiburg gegen FC Schalke 04

Samstag, 4. November 2017, 15.30 Uhr Schwarzwald-Stadion, Freiburg SC Freiburg - FC Schalke 04


Prolog

Hallo Gemeinde, ich wollte mich mal wieder melden. Seit dem Leverkusen-Spiel ist meine Tagebuch-Serie gerissen. Sieben Spiele haben seither stattgefunden, die ich bei baden.fm übertragen durfte. Zu Tagebucheinträgen ist es dabei nicht mehr gekommen. Leider fehlten mir im Arbeitsalltag in aller Regel die Zeitinseln, auf die ich mich zurückziehe, um meine Geschichten zu erzählen.

Früher bin ich zu den meisten Auswärtsspielen mit der Bahn gefahren. Das iPad im Gepäck war es ein toller Zeitvertreib, einfach mal in die – wenn auch nur rein visuellen – Tasten zu hauen. Inzwischen fahre ich überwiegend mit dem Auto und da verbietet sich das Schreiben während der Fahrt. Stattdessen pfeife ich mir übrigens Hörbücher rein. Thriller von Sebastian Fitzek stehen dabei an erster Stelle aber auch Krimis mit dem bretonischen Kommissar  Dupin höre ich sehr gerne.

Im WZO-Verlag ist der Herbst stets sehr arbeitsreich, da gab es zuletzt kaum Gelegenheit, mal ein Stündchen für das Online-Tagebuch dazwischen zu legen. Heute, einen Tag vor dem Schalke-Kick unseres SC geht es aber und ich melde mich mal wieder.

 

Das Vorspiel

Vor Schalke ist nach Stuttgart. Und was da in der voll besetzten schwäbischen Arena passiert ist, war wie eine Zäsur. Zum ersten Mal in über 25 Jahren Radio-Fußball und knapp 24 Jahren an der Seite des SC Freiburg hatte ich plötzlich keinen Bock mehr auf das, was da aus unserem Sport gemacht wird. Ja, ich habe meine Probleme mit dem „modernen Fußball“. Ob jetzt der Videobeweis, der sich in Stuttgart meiner Überzeugung nach selbst ad absurdum geführt hat oder auch die internationalen Spiele unter der Woche. Von Leipzigs CL-Spiel habe ich keine Sekunde angeschaut. Null Interesse. Hoffenheims Bemühungen in der EL – och nö. Ich habe mich ja hier im Tagebuch bereits scherzhaft als Fußballjunkie bezeichnet – momentan kann ich sagen, ich bin ziemlich clean. Die Entwicklung hin zum Industriefußball, dazu die schon jetzt als Fehlversuch einzustufende Versuchsreihe mit dem Videoassistenten, mir vergeht ein wenig die Lust. Ich hoffe, das ist – wie vielleicht der Videoassistent - nur vorübergehend. Ein paar Jahre hatte ich unserem SC als e.V. und intelligentem Gegenentwurf zu den teuren und unpersönlichen Investorenmodellen im Spitzenfußball in einem entsprechenden Rotary-Vortrag vor einigen Wochen noch gegeben – und mir als Reporter an der Seite dieses Gegenentwurfs. Fast scheint es gerade so, als wollten die Mächtigen des Fußballs in Deutschland den kleinen Störern wie Freiburg noch schneller den Garaus machen als es der irgendwann bevorstehende Wegfall der 50+1-Regel und die Überflutung der Bundesliga mit Investorenmodellen ohnehin schaffen wird.

Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Morgen kommt Schalke und es verspricht spannend zu werden. Ich freue mich auch auf das Spiel, auf unsere seit einigen Wochen neue Übertragungstechnik, die aus allen Stadien perfekten Sound liefert, die eine stabile LAN-Verbindung anbieten können (in Freiburg, Bremen und München ist bzw. war das so, in Stuttgart leider nicht). Morgen also wieder – wenn es keinen Stromausfall gibt – beste Tonqualität und angenehmes Arbeiten. Dazu kommt die sportliche Herausforderung für unseren SC. Nach der bedauerlichen Sperre gegen Söyüncü ist die Abwehrformation ein Problem. Von sechs nominellen Innenverteidigern ist nur noch Robin Koch einsatzfähig und der 21-jährige Jungspund hat gerade mal zwei Bundesligaeinsätze auf dem Buckel. Das wird also eine Herausforderung für Christian Streich und sein Trainerteam.

Der Sport-Club ist seit Monaten zu Hause unbesiegt. Ich hoffe sehr, dass das auch morgen gegen Schalke so bleibt. So richtig weiterhelfen würde morgen zwar nur ein Sieg, aber angesichts der Personalsituation und der Prominenz des Gegners könnte ich auch mit einem weiteren Remis leben. Und dann müsste man halt schauen, was machen Köln, Bremen, Hamburg und die anderen Teams aus dem Tabellenkeller, damit nach unten nichts passiert und nach oben nichts „abreißt“. Aber vielleicht gewinnen die Jungs ja auch – so wie gegen Hoffenheim zum Beispiel.

Im Vorfeld des Schalke-Spiels gibt es wieder einen Newsletter, den der SC an seine Sponsoren schickt. Darin enthalten ist folgende Kolumne von mir:

 

Zwei hoch motivierte Mannschaften, knapp 60.000 Fans in der ausverkauften Stuttgarter Arena, Millionen an den Fernsehschirmen und Radiogeräten – sie alle hatten sich auf ein spannendes Baden-Württemberg-Derby der Tabellennachbarn VfB und SCF gefreut; auf Augenhöhe, wie es die Tabelle versprach. Nach zwölf Minuten bereits war das alles Makulatur. Der Videobeweis, der eigentlich mehr Gerechtigkeit und weniger Diskussionen über strittige Schiedsrichterentscheidungen herbeiführen soll, hatte sich selbst ad absurdum geführt. Der SC Freiburg hadert mit dem Videobeweis und wie er in der Bundesliga gehandhabt wird. Immer häufiger wird die Fehlbarkeit dieses technischen Hilfsmittels offenbar. Beim SC Freiburg, der wohl wie kein anderer Club unter dem nur scheinbar hilfreichen Videobeweis zu leiden hat, ist es, wenige Tage nach den Vorfällen von Stuttgart, wichtig, dass sich vor allem Spieler und Trainer auf das sportliche Tagesgeschäft konzentrieren. „Uns steht das Wasser bis zum Hals“ hatte Christian Streich nach dem Spiel beim VfB unter Bezug auf die acht bescheidenen Pünktchen aus zehn Spielen treffend zum Besten gegeben. Und Samstag kommt Schalke…

Neben der Notwendigkeit einer totalen Fokussierung auf die sportliche Aufgabe, was angesichts der Nebengeräusche und der kritischer werdenden Tabellensituation gar nicht so einfach ist, kommen massive personelle Probleme in der Innenverteidigung auf den Sport-Club zu. Hundertprozentig einsatzbereit ist aus dem Kreis der sechs gelernten Innenverteidiger, nach der Sperre von Söyüncü für ein Spiel, alleine Robin Koch. Der Neuzugang aus Kaiserslautern ist 21 Jahre jung und hat zwei Bundesligaeinsätze auf seinem Konto….

Rekonvaleszent Marc-Oliver Kempf ist nach langer Verletzungspause eigentlich noch nicht wieder einsatzfähig – muss der U21-Europameister trotzdem in die Bresche springen oder wäre das Risiko einer erneuten Verletzung einfach zu groß? Und welche Fitness und Form könnte Kempf in die Waagschale werfen? Erhält Caleb Stanko aus dem Kader der Regionalligamannschaft eine Chance? Muss Schuster, wie in der zweiten Halbzeit in Stuttgart, wieder zum Innenverteidiger umfunktioniert werden?

Insgesamt sind das keine guten Aussichten für den Sport-Club vor dem Kräftemessen mit den unter Trainer Domenico Tedesco stabiler gewordenen Königsblauen, die ihre letzten beiden Pflichtspiele auf des Gegners Platz (0:2 in der Bundesliga bei Hertha BSC und 1:3 im DFB-Pokal in Wehen) gewinnen konnten.  Da ist beim SC Unterstützung von den Rängen gefragt. Nur wenn alle direkt und indirekt Beteiligten zusammenhalten und an einem Strang ziehen, hat der SC Freiburg am Samstag gegen Schalke und mittelfristig im Abstiegskampf eine Chance. (Zitatende)

 

Meine persönliche Vorbereitung auf den Einsatz gegen Schalke hat mit dem Verfassen der Kolumne für den Newsletter gestern, dem Kollegengespräch in der Morningshow von baden.fm heute Morgen und dem Verfassen dieses Tagebucheintrags begonnen. Heute Abend habe ich dann ein Auge auf das Spiel Frankfurt gegen Bremen auf meinem iPad (Eurosport-Player) und morgen Vormittag gehe ich noch zur Abwechslung und Entspannung zum Spiel der E-Jugendstaffel zwischen der E2 des FC Bad Krozingen und der E2 von Ballrechten-Dottingen. E2 heißt im „modernen Jugendfußball“ übrigens nicht, dass da die schwächeren E-Jugendlichen kicken, sondern der jüngere Jahrgang, in diesem Fall 2008. Es sei denn, eine Mannschaft stellt ältere Spieler auf, um das Spiel unbedingt zu gewinnen, wie zuletzt Hartheim (fünf E1-Spieler gegen die E2 von Bad Krozingen) und in Auggen (zwei herausragende E1-Spieler im E2-Kader gegen die E2 von Bad Krozingen). Die beiden (ersten Saison-)Niederlagen haben unsere Jungs gut weggesteckt, die Personalentscheidungen der anderen Teams… na ja. Aber das nur am Rande.

Morgen Vormittag also mit Ben und seinen Jungs aus der E2 gegen Ballrechten wieder zurück auf die Siegerstraße und am Nachmittag dann mit dem SC gegen Schalke.

Ich werde diesmal gleich von zwei Damen begleitet: Den Platz als „Fan-Reporter/In“, den DB Regio und baden.fm mal wieder verlost haben, hat eine gewisse Petra Müller und damit eine Dame gewonnen. Seitens des WZO-Verlags darf morgen die Schulpraktikantin Lilli mit ins Stadion, die in ihrer Praktikumswoche sehr ambitioniert mitgearbeitet hat, zwei Mal mit bei der SC-PK war und morgen ihr erstes Bundesligaspiel erleben wird; als Belohnung sozusagen.

Jetzt heißt es für die ganze SC-Familie zusammenhalten und Daumen drücken!

Breaking News: Florian Niederlechner hat sich beim heutigen Vormittagstraining des SC bei einem Zusammenprall leider die Kniescheibe gebrochen und fällt voraussichtlich bis Saisonende aus.

Ist das bitter! Jetzt fängt das Pech auch noch in der Offensive an, die Freiburger Mannschaft zu dezimieren.

Was heißt das jetzt für Schalke und die nahe und mittelfristige Zukunft?

Niederlechner spielte zuletzt meistens auf einer Halbposition im offensiven Mittelfeld. Bei unverändertem Spielsystem könnte entweder Kath oder Ravet versuchen, Florian quasi 1:1 zu ersetzen oder Janik Haberer zieht sich etwas zurück, besetzt die Halbposition im Mittelfeld und Nils Petersen, eventuell auch Ryan Kent rückt dafür in die Spitze.

Florian Niederlechner wünsche ich auf diesem Weg viel Kraft,  eine gute Moral und natürlich eine schnellstmögliche Genesung!

 

 

 

Das Fußballspiel (mein 884. SC-Livespiel im Radio): 

Trainer Christian Streich hatte bei der Mannschaftsaufstellung die eine oder andere Überraschung parat. Da der Trainer schon im Vorhinein betont hatte, wie wichtig Disziplin und Organisation gegen Schalke sein würden, überraschte es nicht, dass der Coach beim gewohnten Spielsystem mit Dreier- bzw. Fünferkette blieb. Für den gesperrten Söyüncü schickte Streich den US-Amerikaner Caleb Stanko ins Rennen, es war das erste Bundesligaspiel für den Mann aus der Freiburger Regionalligaelf; er machte seine Sache gut.

Den verletzungsbedingten Ausfall von Flo Niederlechner kompensierten der Trainer mit dem ersten Startelfeinsatz des jungen Polen Bartosz Kapustka, der in vielen Szenen andeutete, dass er zu einer echten Alternative im offensiven Mittelfeld heranreift. Die zweite Halbposition im offensiven Mittelfeld besetzte am Samstag Haberer, sodass die Position als vorderste Spitze frei wurde für Fan-Liebling Petersen. Terrazzino musste zunächst auf der Bank Platz nehmen.

Fakt ist: Mit seinen Personalentscheidungen lag Streich gut. Die Mannschaft löste ihre Aufgabe überraschend gut. Losgelöst vom nackten Ergebnis – 0:1 für Schalke – bot der SC gegen die Königsblauen eine richtig gute Partie, war zumindest eine Stunde lang die bessere, ja, dominierende Mannschaft. Vor allem in der ersten Halbzeit entwickelte der Sport-Club viel Druck Richtung Schalker Tor und kam zu guten Möglichkeiten. Schade, dass der Querpass zu Petersen nach einem kraftvollen Vorstoß von Frantz an einem Verteidigerbein hängen blieb, dass Petersen nach einem von Torwart Fährmann abgewehrten Schuss von Frantz im Nachsetzen nur das Lattenkreuz traf. Wenig später fehlte dem jungen Kapustka das Abschlussglück – auch der Schlenzer des polnischen EM-Helden von 2016 rasierte die Latte. Auf der anderen Seite hatte zuvor Konoplyanka alleine vor Schwolow stehend den Pfosten getroffen. So stand es nach einer äußerst unterhaltsamen ersten Halbzeit nach Ecken 5:1 für Freiburg, nach Alu-Treffern 2:1 für die Platzherren und nach Toren 0:0. Mit Applaus wurden vor allem die personell gebeutelten Freiburger vom Publikum in die Kabinen begleitet.

Nach dem Wechsel hatte Schalkes Trainer Domenico Tedesco taktisch umgestellt und ließ seine Jungs den SC höher anlaufen, sprich mehr pressen. Das bremste einerseits den Spielfluss der Freiburger, eröffnete andererseits im Einzelfall auch Räume vor dem Strafraum der Gäste. In einer solchen Situation lief Petersen, per Kopf bedient vom starken Kapustka, in der 50. Minute alleine auf Fährmann zu, schaffte es aber nicht, den Ball um den Schalker Keeper herum zu legen, sondern vergab – ganz untypisch für den Freiburger Torjäger (auch) diese Hundertprozentige.

Und dann nahm das Unheil seinen Lauf: Zunächst verletzte sich mit Frantz einer der besten Freiburger bei einer Abwehraktion durch einen Pressschlag schwer am Knie, musste raus und wird einige Wochen fehlen. Kurz darauf wagte der ex-Freiburger Daniel Caligiuri einen im Ansatz ungefährlichen Schrägschuss, der allerdings so unglücklich von Günter abgefälscht wurde, dass der Ball an Schwolow vorbei ins kurze Eck zischte. In der Livereportage bei baden.fm hatte ich noch den wackeren Freiburger Torhüter mit in die Verantwortung für das Tor genommen, dass der Schuss abgefälscht wurde, war mir in der Livesituation entgangen.  Fakt ist: Schwoli trifft keine Schuld aber Schalke kam nach einer guten Stunde wie die Jungfrau zum Kind zur 0:1-Führung.

Die schwere Verletzung und der Ausfall von Frantz, einem der Leader im Team, dazu der unglückliche Rückstand – das wirkte wie ein Schock auf die SC-Kicker, denn in der Folgezeit ging viel Schwung nach vorne verloren. Zwar gab es noch vereinzelt Chancen, etwa für Petersen und Haberer, aber auch diese blieben ungenutzt. Gefühlt lag der Ausgleich auch nicht wirklich in der Luft – andersherum wird ein Schuh daraus, die Luft war ein Stück weit raus aus dem Offensivspiel der Gastgeber. Auch Schalke brachte nichts mehr auf die Reihe, so endete das Spiel mit einem höchst schmeichelhaften 0:1-Sieg der Gelsenkirchener, die angesichts der Art und Weise, wie sie vom SC bespielt wurden, den Nachweis einer Spitzenmannschaft schuldig blieben.

 

 

Das Nachspiel

Bei den mich begleitenden Damen, also bei Lilly, der emsigen Schulpraktikantin, und bei Petra, der Fan-Reporterin war die Stimmung nach der Niederlage doch etwas gedrückt. Das Freiburger Spiel hätte mehr verdient gehabt als 0 Punkte und 0:1 Tore. Hätte-hätte-Fahrradkette – oder wie Lothar Matthäus sagen würde „wäre, wäre, Fahrradkette.“ Meine Laune hielt sich insofern noch ganz beachtlich, weil Ben und seine Krozinger E2 am Vormittag gegen Ballrechten nach umkämpfter erster Halbzeit (Halbzeitstand 4:4) und einem starken zweiten Durchgang 7:4 gewonnen und damit zurück in die Erfolgsspur gefunden hatte. Immerhin die Kleinen. Die Köpfe schüttelnd und mit ein paar Ausdrücken des Bedauerns fuhren wir im Lift nach unten. Petra verabschiedete ich freundlich und Lilly lief zum Presseraum, um – wie zuvor besprochen – in der ersten Reihe, direkt vor dem Platz von Christian Streich meinen Stuhl frei zu halten, damit ich nach Abschluss der PK schnell und bequem zum SC-Trainer und zu meinem Abschlussinterview kam. Ich selbst musste erst noch in die Mixedzone, um Spielerinterviews einzufangen. Das erste davon, mit Janik Haberer, verlief relativ untypisch. Auf meine Frage, warum denn nach einer Stunde etwa die Luft ein bisschen raus war, reagierte der Offensivallrounder ziemlich unwirsch. Schnell merkte ich, dass der junge Kicker es mit Selbstkritik nicht so hatte und zu meiner Überraschung jetzt im Interview die offensive Aggressivität an den Tag legte, die mir in den letzten 20, 30 Minuten beim SC gefehlt hatte. „Wenn Sie das Spiel gesehen hätten…“ begann Janik seinen Satz und manches ging mir durch den Kopf, was ich gerne erwidert hätte. Ich erinnerte mich aber (zum Glück) daran, dass ich diese Audiointerviews nach den Spielen primär für den SC Freiburg bzw. seine Homepage mache, weshalb ich den jungen Mann nicht etwa zurechtwies sondern versuchte, ohne meinen Standpunkt aufzugeben, über den ich mir übrigens mit allen um uns herum stehenden Kollegen einig war, das Gespräch freundlich lächelnd wieder in friedlichere Bahnen zu lenken, was mir auch gelang.

 So geht dieses Interview als Drittes ein in den erlauchten Kreis der Gespräche zwischen SC-Reporter und SC-Spieler, die durchaus konfliktträchtig waren. Das erste fand statt als Janik Haberer gerade laufen lernte. Es war ein Gespräch mit Ralf „Kanzler“ Kohl der mächtig geladen war und mich wegen einer Kritik, die er nicht akzeptieren wollte, anranzte, als hätte ich ihn gegen das Schienbein getreten. Später sollte Ralf über Jahre mit seinem Sportgeschäft „Teamsport Kohl“ mein Ausrüster für meinen Fußballjob in den Stadien werden.  Es gibt also noch Hoffnung für Janik und mich (Smile). Das zweite beinahe entgleiste Interview hatte ich vor zwei, drei Jahren mit unserem alten Spezi Vincenzo Grifo – auch Vince hatte so seine Probleme mit einem kritischen Ansatz einer Frage.

Zurück zum Samstagabend: Pascal Stenzel und Christian Streich, denen ich übrigens dieselbe Frage gestellt hatte wie zuvor Janik Haberer, hatten diese sachlich und um Erklärung bemüht beantwortet. Dann war der Job erledigt. Ich schickte die Audios via E-Mail an die verschiedenen Abnehmer und machte Feierabend.

Ich verdrängte die Niederlage und die kritische Tabellensituation so gut ich konnte, freute mich aber natürlich am Sonntag über die beruhigende Niederlage von Köln. Auch Bremen hatte seinen Kick bei der Frankfurter Eintracht ja verloren, sodass unser SC zwar auf den Relegationsplatz zurückfiel, aber der Vorsprung vor Bremen und Köln nicht zusammenschmolz.

Heute ist Montag und da näherte ich mich dem Thema SC wieder offensiver an. Zum Beispiel in meiner Kolumne „SC INTEAM“ für die Wochenzeitungen am Oberrhein. Hier der Wortlaut:

SC INTEAM

Für den SC Freiburg kommt es in diesen Wochen knüppeldick. Das 0:3 von Stuttgart, eingeleitet von der Fehlentscheidung des Videoassistenten, der Kniescheibenbruch von Florian Niederlechner, dann das hervorragende Spiel gegen Schalke mit seinen unangenehmen Begleiterscheinungen –  zwei Alu-Treffern von Petersen und Kapustka, einer vergebenen hundertprozentigen Torchance von Petersen in der zweiten Halbzeit, dazu die schwere Verletzung von Mike Frantz und der Schrägschuss vom ex-Freiburger Caligiuri, der vermutlich an der Eckfahne gelandet wäre, aber, unglücklich abgefälscht von Günter, zum 0:1 im Netz landete.

Acht Punkte aus elf Spielen, eine Verletztenliste, die binnen weniger Tage um die Namen zweier Leistungsträger verlängert wurde und letztlich die Erkenntnis, dass das unvergessene Zitat von Weltmeister Andreas Brehme „haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“ selten so gut auf den SC Freiburg zutraf, wie in der aktuellen Phase der Bundesligasaison 17/18.

Was macht Hoffnung?

1.  … dass in solchen sportlich angespannten Situationen niemand aus dem Kreis der Entscheider des Sport-Clubs nervös wird und zum Beispiel das Fundament der Freiburger Fußball-Philosophie oder deren Vordenker und Verfechter in Frage stellt. Ruhe zu bewahren ist ohnehin eine der Freiburger Tugenden.

2. … das grundsätzlich vorhandene Potenzial in der Mannschaft, dass auch im Spiel gegen den Tabellenfünften Schalke 04, in dem der SC über weite Strecken die bessere Mannschaft stellte, deutlich wurde. Mittelfristig birgt diese Qualität gute Chancen für den Sport-Club, sich am eigenen Schopf aus dem Schlamassel zu ziehen.

3.  … dass die Fußballfans in Freiburg und Südbaden diesen Weg verständnisvoll mitgehen und wie eine Wand hinter Verein und Mannschaft stehen.

4.  … dass der SC Freiburg nicht abgeschlagen auf dem letzten Platz rangiert, sondern als Sechzehnter in Schlagdistanz zu Mainz (12 Punkte), Wolfsburg (11 Punkte) und Hamburg (10 Punkte) – genau das sind übrigens die nächsten drei Gegner des SC Freiburg.

In der Tat könnten die Spiele in Wolfsburg (18. November), gegen Mainz 05 (26. November) und gegen den HSV (1. Dezember) das Tabellenbild deutlich verändern. Mit der Leistung vom Schalke-Spiel und etwas weniger Pech, das den SC zuletzt auf den verschiedensten Ebenen begleitet hat, wäre eine deutliche Verbesserung der tabellarischen Situation gut möglich. Das ist, fern von Träumereien, eine realistische Perspektive und allemal eine sinnvolle und Mut machende Zielsetzung. Destruktive Kritik von außen, Mutlosigkeit  und Wegducken der Betroffenen helfen  nicht weiter. Es geht darum, die gegebene sportliche Situation anzunehmen wie sie ist und positiv damit umzugehen. Unabhängig vom Ergebnis hat der Auftritt gegen Schalke durchaus auch das Potenzial, Optimismus zu entfachen.   (Zitatende)

 

Jetzt ist erstmal Länderspielpause. Ich hoffe, dass Söyüncü, Stenzel und Kapustka, die mit ihren Nationalmannschaften unterwegs sind, gesund zurückkehren und dass in knapp zwei Wochen in Wolfsburg erfolgreichere Wochen für unseren SC Freiburg beginnen. Ein Punkt bei den Remis-Königen in Niedersachsen, dann Heimsiege gegen Mainz und Hamburg – schon sähe die Freiburger Fußballwelt ganz anders aus. In diesem Sinne, man hört sich!