< 11. Spieltag der Fußball-Bundesliga, SC Freiburg gegen FC Schalke 04
20.11.2017 22:06 Alter: 25 days

12. Spieltag der Fußball-Bundesliga, VfL Wolfsburg gegen SC Freiburg

Samstag, 18. November 2017, 15.30 Uhr Volkswagen-Arena, Wolfsburg VfL Wolfsburg - SC Freiburg


 

Das Vorspiel

Mein persönliches Vorspiel zum 12. Bundesligaspieltag mit dem SC-Kick in Wolfsburg fand auf der Bielefelder Alm statt, der Schüco-Arena, wie man neudeutsch sagt. Arminia gegen Eintracht Braunschweig hieß der Kick und war äußerst unterhaltsam. Natürlich war es schön, an alter Wirkungsstätte auf ehemalige Weggefährten zu treffen oder auch auf Brüder im Geiste, wie etwa der bekannte Sportjournalist Roland Zorn, früher glaube ich war Roland mal Sportchef der FAZ, jetzt, ist er eigentlich im Ruhestand, schreibt aber noch freiberuflich, unter anderem für das Bundesligamagazin der DFL. Roland Zorn ist häufig in Freiburg, daher wissen wir von der Leidenschaft für Arminia Bielefeld, die wir teilen. Ein großes Hallo gab es am Freitag im Presseraum der Alm und erst recht später auf der Pressetribüne, als wir merkten, dass wir Plätze nebeneinander bekommen hatten.

Arminia begann ganz gut, dominierter die erste Halbzeit, führte aber zur Pause nur mit 1:0 – zu wenig, wie sich zeigen sollte. Nach dem Wechsel war Braunschweig das bessere Team und drehte die Partie in ein 1:2. Erst in der letzten Spielminute führte ein Jokertor von Putaro zum 2:2-Endstand. Roland Zorn und ich klatschten uns ab – 2:2 gegen Braunschweig, alles gut. Mit viel mehr hatten wir beide nicht gerechnet.

Vom Stadion aus fuhr ich in Bielefelds Fußball-Kult-Kneipe, die eigentlich ein veritables und gutes griechisches Restaurant ist, ins Kreta. Für treue Tagebuch-Leser eine bekannte Adresse, hatte hier doch auch die Aufstiegsfeier der Freiburger „Presseblase“ nach dem entscheidenden Sieg des SC in Paderborn stattgefunden.

Am Freitagabend war ich im Kreta mit Herbert verabredet. Wir kennen uns seit rund 40 Jahren, waren früher auch mal richtig gut befreundet, in den letzten rund zehn Jahren dann nicht mehr so ganz eng; schon wegen der Entfernung und so. Jetzt trafen wir uns im Kreta und saßen an einem Tisch mit einem gewissen Thomas, der – ich wäre nicht mehr darauf gekommen – vor über 30 Jahren mit Herbert und mir beim FC Teutonia Altstadt gespielt hat, einem Bielefelder Amateurclub bei dem neben einer großen Anzahl an Akademikern auch ein paar Zuhälter und Kneipiers zum Stammpersonal zählten – die Nachtszene der Stadt halt… Altstadt, klar ne!? Andreas, Volkswirt, Herbert, Jurist und ich, Germanist, zählten damals zur ersten Gruppe. Freitag erinnerten wir uns aber sehr lebhaft an Mannschaftskollegen wie den „Roten Baron“, der der zweiten Gruppe angehörte. Eigentlich erzähle ich die Story nur, um endlich auf den Punkt zu kommen – Christina, die Lebensgefährtin von Andreas. Die war nämlich auch da und hat mich tief beeindruckt; zumal sie nicht in Düsseldorf sondern in Hamburg lebt und Heribert Bruchhagen auch mal privat trifft, wie sie mir erzählte. Der zweite Grund meiner Erzählung über den Abend in Bielefeld und im Kreta ist, dass ich verdeutlichen möchte, dass die Auswärtsfahrt trotz des Spiels in Wolfsburg eigentlich doch ganz angenehm war…

 

Das Fußballspiel

(Mein 885. SC-Livespiel im Radio)

Der SC legte in Wolfsburg vom Anpfiff an stürmisch los, mutig und mit einer ungewohnten Aufstellung: Viererkette hinten, Kempf nach langer Verletzung zurück in der Innenverteidigung, davor eine Dreierreihe mit Schuster zentral, flankiert von Höfler und Haberer, davor wiederum eine dreiköpfige Angriffsreihe mit Petersen in der Zentrale und den athletischen Arbeitstieren Kath und Guédé auf den Außenpositionen. Der Gedanke des Trainers war sicher, dass vor allem diese beiden Kämpferherzen, Kath und Guédé, schon in der Hälfte der Wolfsburger Druck auf die ballführenden Gegner ausübten und den Aufbau des VfL stören sollten und zum Beispiel das schnelle Umschaltspiel für das Wolfsburg bekannt ist, so gut es geht verhindern. Diesen klugen Plan konnte man aber nach drei Minuten in die Tonne „kloppen“, denn nach dem kleinen Freiburger Strohfeuer nach dem Anpfiff kamen die Hausherren mit dem ersten veritablen Angriff nicht vor das Tor des SC, sondern auch zum 1:0.

Der frühe Gegentreffer schmiss die komplette SC-Strategie über den Haufen, denn nun galt es gegen selbstsichere in Führung liegende Platzherren Angriffsfußball zu zelebrieren. Da fehlte dann freilich in die Angriffsreihe die fußballerische Substanz. Der SC kam bis zur Pause zu keiner Tormöglichkeit. Und hast Du auch kein Glück, kommt manchmal auch noch Pech dazu; so in Wolfsburg, wo Haberer einen scharfen Flachpass, der gar nicht für ihn bestimmt war, etwas verdutzt abklatschen ließ… genau in den Lauf eines Wolfsburgers. Ein paar Sekunden später war Schwolow nach einem schnellen VfL-Konter, der sich daraus entwickelt hatte, ein zweites Mal geschlagen (29. Minute, Malli). Mit 2:0 ging es in die Pause.

Ähnlich wie am Vorabend in Bielefeld übernahmen in der zweiten Halbzeit die Gäste – in diesem Fall also unser Sport-Club – das Kommando. Der für Guédé eingewechselte Kapustka machte dann auch mit der dritten SC-Chance der zweiten Hälfte sein erstes Bundesligator (68.) und ich träumte schon vom 2:2. Den Genickbruch erlitt der SC aber quasi im direkten Gegenzug. Exakt zwei Minuten nach dem Anschlusstreffer erhöhte Malli mit seinem zweiten persönlichen Treffer zum 3:1 (70.). Die Partie war nun gelaufen. Zu viele SC-Kicker hatten an diesem Tag gegen mäßig gute Wolfsburger einfach keine gute Form. Es blieb beim 3:1.

 

Das Nachspiel

Das gute Essen und die großzügige Mixedzone in Wolfsburg, wo – das weiß man ja – das große Geld zuhause ist, halfen nichts, Spiel und Ergebnis hatten mir die Laune verhagelt. So lief ich mit verkniffenem Gesicht durch den kalten niedersächsischen Regen zu dem von mir genutzten, unweit der Haupttribüne geparkten baden.fm-Fiesta und nahm die gut 200 km bis Bielefeld unter die winterbereiften Räder. Auf die Abenteuer von Commissaire Dupin hatte ich jetzt keine Lust, deshalb ließ ich mich mit der von mir zusammengestellten Musik aus meinem iPhone berieseln. Das half. Einigermaßen versöhnt kam ich zwischen halb neun und neun an meinem Elternhaus in Bielefeld-Jöllenbeck an. Meine Mutter hatte trotz ihrer 84 Jahre große Lust, mich zum Bielefelder Kult-Griechen ins „Kreta“ zu begleiten, wo wir etwas essen wollten. Am Nebentisch saß Uwe Fuchs mit seiner Familie. Uwe Fuchs ist der Sohn des früheren Trainers Fritz Fuchs und der Neffe des einstigen – leider schon verstorbenen – Trainers Werner Fuchs. Uwe selbst war früher Bundesligaspieler, unter anderem bei Arminia, und später Trainer, zuletzt beim VfL Osnabrück in der 3. Liga. Inzwischen arbeitet er für eine Agentur als Spielerberater. Wir fachsimpelten ein wenig. Mit guten Wünschen für den SC verabschiedete sich der Spross einer Fußballerfamilie. „Wer war das?“ fragte meine Mutter und ich erklärte es ihr in einfachen Worten – „ein früherer Spieler von Arminia.“ Die fantastischen Lammfilets aus Vasilis Küche, meine gut aufgelegte Mutter, süßer griechischer Wein und die Gastfreundlichkeit von Familie Christodulu im Kreta setzten am Ende dieses gebrauchten Tages dann doch noch ein Highlight, ein bisschen Heimatgenuss sozusagen. Am nächsten Tag fuhr ich ohne Pause von Bielefeld nach Freiburg, tauschte beim Funkhaus die Autos und machte einen Haken hinter den zwölften Spieltag.