< 13. Spieltag der Fußball-Bundesliga, SC Freiburg gegen FSV Mainz 05
01.12.2017 11:30 Alter: 15 days

14. Spieltag der Fußball-Bundesliga, SC Freiburg gegen Hamburger SV

Freitag, 1. Dezember 2017, 20.30 Uhr Schwarzwald-Stadion, Freiburg SC Freiburg - Hamburger SV


Das Vorspiel

 

Ich habe schon mal die hummel-Handschuhe herausgekramt… Spätestens ab heute wird es kalt in der Bundesliga. Die Nacht hat auch im Rheintal den ersten Schnee gebracht, zumindest auf den Dächern und den geparkten Autos hält sich die optische Überzuckerung auch jetzt (11 Uhr) noch immer. Ich gehe davon aus, dass der Greenkeeper im Schwarzwald-Stadion die Rasenheizung rechtzeitig eingeschaltet hat. Ein Vorgang, der schon mal vergessen wird – etwa bei meinem Heimatverein Arminia Bielefeld, als es in glorreicheren Zeiten mal im Winter gegen die Bayern ging. Auf knüppelhartem Boden setzte sich anno dunnemals Arminia durch. Lang, lang ist es her. Die Geschichte mit der nicht funktionierenden Rasenheizung ist Legende. Heute Abend wird der Rasen sowohl auf der Alm (gegen St. Pauli) als auch hier bei uns im Schwarzwald-Stadion (gegen den HSV) in Ordnung sein.

Freiburg gegen Hamburg… da werden Erinnerungen wach. Zum Beispiel an mein erstes Spiel als neuer Sportchef von Radio FR 1, dem heutigen baden.fm, damals im Februar 1994. 1:1 ging es aus. Beide Tore fielen durch Elfmeter. Martin Braun hatte in der 13. Minute für die Führung gesorgt, von Heesen schaffte in der 86. Minute den Ausgleich. Meine erste große Reise mit dem SC war das – in einem uralten Mini-Lancia damals – geile Zeiten. Zu den unvergessenen Partien der bislang 36 Pflichtspiele gegen den HSV gehört natürlich auch dieses noch heute nervige andere 1:1, nämlich jenes vom 8. Mai 2015, als der SC von Knut Kircher verpfiffen wurde, was rückblickend mutmaßlich entscheidend für den späteren Abstieg der Freiburger und die Rettung der Hamburger über die Relegation war. Von einer Niederlage gegen den SC hätte sich der HSV damals wohl kaum mehr erholt… Vergangenheit.

Die Gegenwart lautet – mal wieder – Abstiegskampf zwischen Freiburg und Hamburg, diesmal mit Heimrecht für den heimstarken SC. Mein Kommentar im Business-Newsletter, den der SC vor jedem Heimspiel an seine Sponsoren schickt hat folgenden Inhalt:

Speziell in den Heimspielen wusste unser SC Freiburg in der aktuellen Bundesligasaison in aller Regel zu gefallen. Beim 0:0 gegen Frankfurt, dem 1:1 gegen Hannover, dem 1:1 gegen Hertha BSC und auch beim 0:1 gegen Schalke haderten die Platzherren aber mit dem sogenannten Spielglück. Weil dieser Mosaikstein fehlte, konnten die in vielen Phasen überlegen geführten Partien, die Remis endeten, nicht gewonnen werden und bei der Niederlage gegen die „Königsblauen“ blieb unserem SC ein verdienter Punkt verwehrt. Ach ja, die Punkte … Trotz der desaströsen Auswärtsbilanz – fünf Niederlagen, ein Remis, 2:19 Tore – könnte der SC Freiburg anno 17/18, bei etwas mehr Spielglück in den genannten Heimspielen, in der Tabelle ähnlich gut platziert sein, wie vor einem Jahr. Damals standen nach 13 Spielen16 Punkte und Platz elf zu Buche. Die Saison 16/17 endete bekanntlich mit der Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb. Jetzt sind es nach 13 Spielen 11 Punkte und Platz 16. Aber es gibt Grund zur Hoffnung.

Es soll den 2:1-Sieg unserer Jungs gegen den FSV Mainz 05 nicht schmälern, wenn ich sachlich feststelle: Am 13. Spieltag kam das Spielglück zurück zum SC. Sinnbildlich dafür steht die 74. Minute der Partie gegen Mainz. Nach durchwachsener, in der Summe unterlegener erster Halbzeit und einem dann aber von Freiburger Seite furios geführten zweiten Abschnitt, kam Marco Terrazzino beim Spielstand von 1:0 für den SC in der Mainzer Hälfte zu Fall. Es sah aus wie ein Foul, war aber keines, weshalb Schiedsrichter Siebert aus Berlin zurecht weiterspielen ließ. Während die Freiburger protestierten, schaltete der Mainzer Gbamin am schnellsten und schoss den Ball aus 59 Metern (!) über den an der Strafraumgrenze platzierten Schwolow hinweg aufs Tor. Erster glücklicher Umstand: Der Ball senkte sich hinter dem Keeper nicht ins Tor, sondern prallte an die Latte. Zweiter glücklicher Umstand: Sechs Meter vor dem Kasten stehend, konnte Mittelstürmer Kodro den Abpraller unbedrängt auf das 7,32 Meter breite Tor köpfen – der Mainzer bekam den Ball aber nicht am zurückgeeilten Schwolow vorbei, sondern köpfte den Keeper an. Das war Spielglück – der Rest war, wie so häufig in der Bundesliga, unglaublich eng. Am Ende stand dann der Sieg und die Erkenntnis über die Rückkehr des lange vermissten Spielglücks.  Wenn es bleibt, stehen die Chancen gut, am kommenden Freitag, im achten Heimspiel der Saison, gegen den Tabellennachbarn Hamburger SV, einen weiteren „Dreier“ zu landen, bevor es zum Sorgenkind der Liga, Schlusslicht 1. FC Köln, geht. Neben dem nötigen Glück benötigt der Sport-Club auch gegen den Hamburger SV wieder mutige Anführer, die den Takt vorgeben, die mitreißen und an denen sich die anderen, zum Teil noch sehr jungen Freiburger Profis aufrichten können. Beim Sieg gegen Mainz waren diese wichtigen Eckpfeiler die Routiniers: Nicolas Höfler als souveräner Taktgeber im Mittelfeld und der mitreißende und nimmermüde Nils Petersen im Angriff. Auch Christian Günter reihte sich mit einer starken Leistung in die Reihe der „Matchwinner“ ein. Kehrt mit dem Erfolgserlebnis gegen Mainz nun auch noch eine gewisse Leichtigkeit ins Freiburger Spiel zurück, ist gegen den HSV vieles möglich; selbstverständlich auch der dritte Saisonsieg. (Zitatende)

Die Leistungsträger müssen mitziehen, das Spielglück muss auf Seiten des SC sein – das war im Wesentlichen auch der Inhalt meiner Einlassungen heute Morgen, bei „Lennert, Lisa und das Landei“, der Morningshow von baden.fm. Natürlich ist Hamburg stark besetzt: Hinten das Kraftpaket Papadopoulos oder auch die Offensiven, Kostic und Hunt oder der neue Hoffnungsträger Arp – 17 Jahre jung und brandgefährlich ist der Bundesliga-Newcomer und Shootingstar des HSV.

Ich bin aber guter Dinge, dass unser SC vor eigenem Publikum einmal mehr seine Leistung abruft und die Hamburger erfolgreich bespielen kann. Ein Sieg wäre so wichtig… Gewinnt der SC heute, zieht er an den Hamburgern vorbei, verlässt die Abstiegsplätze. Gewinnt der HSV baut er den Vorsprung vor Freiburg auf fünf Punkte aus und der SC fährt mit einem riesigen Rucksack zum schweren „Schicksalsspiel“ nach Köln. Vor allem deshalb ist die Partie wahnsinnig spannend heute.

Die Verletzung des abwanderungswilligen Kempf wird man an der Schwarzwaldstraße verschmerzen können. Lienhardt und Söyüncü stehen quasi „Gewehr bei Fuß“, brennen auf einen Einsatz.

Vorne kann man freilich nur Nils Petersen als gesetzt betrachten. Wer ihn auf den Außenpositionen unterstützend begleiten wird ist offen. Die Kollegen spekulieren, dass Terrazzino und Kath in der Startelf stehen könnten. Das wäre jetzt keine Überraschung. Marco kickt in den Heimspielen ganz gut und Florian hat nach seinem Tor gegen Mainz natürlich Rückenwind und neues Selbstvertrauen, welches er unbedingt braucht, um etwas ruhiger am Ball zu sein. Das Momentum könnte also für Kath sprechen. Eigentlich gehört aber auch die „zweite Chance“ zu den Mustern der Trainerarbeit in Freiburg. Eine solche könnte Bartosz Kapustka erhalten, der gegen Mainz in der Startelf gestanden und nicht wirklich überzeugt hatte. Vielleicht will Christian Streich den Gegner aber auch überraschen und bringt Yoric Ravet ins Spiel. Ich persönlich sehe den Franzosen sehr gerne kicken, kann seine Defizite im Spiel gegen den Ball aber nicht wirklich beurteilen.

Lassen wir uns also überraschen, wen Christian Streich und sein Trainerteam auswählen werden.

Mein persönlicher Countdown findet heute im Büro statt, genauer gesagt in der Redaktion der Wochenzeitungen am Oberrhein (WZO). Es ist ja ein Freitagsspiel… Meine Kollegen und ich bereiten die Ausgaben der Kalenderwoche 49 vor. Um 16 Uhr ist Konferenz, da kommen die Themen für alle elf Lokalausgaben auf den Tisch des Hauses. Danach gibt es elf verschiedene Gerüste für die jeweilige Wochenzeitung, die am kommenden Mittwoch erscheinen wird. Nach der Konferenz fahre ich dann heim, ziehe mich warm an und fahre ins Stadion. Zittern werde ich hoffentlich nur wegen der Kälte…

 

Vielleicht habe ich heute in der baden.fm-Bundesligashow übrigens zusätzliche Hörerinnen und Hörer, denn Freitagsspiele werden ja nicht (mehr) von Sky übertragen. Und wer hat schon den Eurosport-Player??? Man hört sich!