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19.01.2018 14:33 Alter: 301 days

19. Spieltag der Fußball-Bundesliga, SC Freiburg gegen Leipzig

Samstag, 20. Januar 2018, 15.30 Uhr Schwarzwald-Stadion, Freiburg SC Freiburg - Leipzig


Das Vorspiel

„Leipzig spielt oben mit – koste es, was es Rolex!“ – so beginnt der aktuelle Radiospot, der auf die baden.fm-Bundesligashow hinweist, die morgen mit der ausschnittweisen Liveübertragung des SC-Spiels gegen die Sachsen ausgestrahlt wird. Der Text ist von mir und soll natürlich auf die ungleich größeren Möglichkeiten des Industrieclubs hinweisen. Die Rollen sind klar verteilt: Leipzig ist morgen haushoher Favorit, unser SC hat nur Außenseiterchancen. Das geht jetzt drei Mal in Folge so: Morgen gegen die Dosen, nächste Woche bei der Borussia Dortmund Aktiengesellschaft und eine weitere Woche später gegen die Werkself von Bayer 04 Leverkusen. Die Bayer 04 Fußball GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der Bayer AG. Auch hier wird finanziell geklotzt und nicht gekleckert. Ich fürchte ein wenig, die nächsten zwei, drei Wochen werden nicht ganz so ertragreich für den SC, wie es beispielsweise der Dezember war… Diese eher zurückhaltenden Erwartungen werden auch in meinem Kommentar deutlich, den ich im aktuellen Businessnewsletter des SC Freiburg an seine Sponsoren (und noch etwas ausführlicher in den Wochenzeitungen am Oberrhein (WZO)) veröffentlicht habe. Hier der Wortlaut:

Leipzig, Dortmund, Leverkusen - das sind die nächsten drei Gegner unseres SC Freiburg in der Fußball-Bundesliga; alle drei tragen das Attribut „Spitzenmannschaft“, alle drei Kader sind unendlich viel teurer als der des Sportclubs. Jeder einzelne Punkt, den der SC eventuell aus diesen drei Spielen holt, wäre alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Ein Punkt gegen einen solchen, qualitativ deutlich besser besetzten Gegner käme einem Sieg gleich - einem Sieg des kleinen Delfins, des Tümmlers, wie es Präsident Fritz Keller unlängst metaphorisch ausgedrückt hat, im Haifischbecken Bundesliga.
Dass der SC in der Hinrunde erst im Schlussspurt auf die stattliche Gesamtpunktzahl von 19 Zählern kam, hat viele Gründe. Zum Beispiel das kontinuierliche Zusammenwachsen der neuen Mannschaft und die individuelle Weiterentwicklung einzelner Spieler unter Trainer Christian Streich und seinem Team. In jedem Fall spielt aber auch der Spielplan der Saison 2017/2018 eine entscheidende Rolle. Dieser Spielplan präsentiert dem SC Freiburg in Hin- und Rückrunde jeweils die höchsten Hürden geballt in den ersten Wochen.
Vor den nun anstehenden aufeinander folgenden Kräftemessen mit drei „Ligagranden“ stand freilich ein Duell auf ungefährer Augenhöhe. Umso wichtiger war es, aus dem Vergleich mit Eintracht Frankfurt einen Punkt mitzunehmen. Dadurch konnte ein weiterer Zähler gegenüber den schlechter platzierten Kellerkonkurrenten aus Hamburg und Mainz gutgemacht werden. Dieses gelang dem SC trotz denkbar ungünstiger Vorzeichen: In der Hinrunde hatte Freiburg auswärts häufig verloren und meistens drei (oder mehr) Gegentore kassiert. Es gab also ein Auswärtsproblem, dass es in der Winterpause taktisch und in den Köpfen der Spieler durch Gespräche und Training zu lösen galt. Erste Nagelprobe war das Match bei der Eintracht. Eine weitere schwere Hypothek vor dem Gastspiel in der Bankenstadt Frankfurt war die Personalsituation: mit Mike Frantz, Florian Niederlechner, Philipp Lienhart, Nicolas Höfler, Yoric Ravet und Tim Kleindienst fielen gleich sechs potenzielle Startelfspieler verletzt aus. Die Langzeitverletzten Mike Frantz und Florian Niederlechner sind ebenso zu den Leistungsträgern zu zählen wie Nicolas „Chico“ Höfler, der Stratege im zentralen defensiven Mittelfeld. Yoric Ravet hatte erheblichen Anteil an den erfolgreichen Dezember-Wochen des SC mit fünf Bundesligaspielen ohne Niederlage und Tim Kleindienst war erst kürzlich, just im letzten Hinrundenspiel, so richtig in der Bundesliga angekommen, als er in Augsburg alle drei SC-Tore vorbereitete. All diese wichtigen Stützen fehlten dem Sportclub in Frankfurt und trotzdem erkämpfte sich der SC mit den Bundesliganovizen Höler und Dräger im Kader, ein 1:1, den 20. Punkt in der Tabelle und damit die Sicherheit, dass auch nach einem möglicher Weise erfolglosen Aufbäumen gegen Leipzig in Dortmund und/oder gegen Leverkusen weiterhin gute Chancen auf den Klassenerhalt bestünden. In den nächsten drei Spielen geht es schlicht um Bonuspunkte, die der SC angstfrei und mutig anstreben kann. Übrigens gerne - wie in Frankfurt - mit einer besseren Zweikampfbilanz als der Gegner. Am Samstag kommt Leipzig. Wie heißt noch der alte Fussballerspruch? „Wir haben keine Chance - aber die wollen wir nutzen!“ (Zitatende)

 

 

Mein persönlicher Countdown für den Kick gegen die Dosen begann gestern Abend mit dem Besuch des Neujahrsempfangs unseres SC Freiburg für seine Freunde, Begleiter, Sponsoren und Medienschaffende. Rund 500 Gäste kamen und es wurde ein kurzweiliger Abend, inklusive Bühnentalk mit den Kollegen Christoph Biermann und Marcel Reif, die sich öffentlich mit Christian Streich und Jochen Saier austauschten. Zuvor hatte Fritz Keller das Wort zum Jahreswechsel gesprochen. Aufgefallen ist mir, dass Christian Streich eine Saisonprognose schuldig geblieben ist, was er mit den Unwägbarkeiten, etwa der derzeit sehr langen Verletztenliste begründete. Die Skepsis, die aus den Worten meiner Kolumne spricht, kommt also auch nicht von ungefähr. Es kann durchaus passieren, dass die Leipziger Millionarios die abermalige Notelf unseres SC morgen ziemlich verprügelt. Eine Saisonprognose wage ich trotzdem: Der SC bleibt in dieser Saison in der Liga! Sind die Chancen auf Punkte gegen Leipzig, in Dortmund und gegen Leverkusen auch eher gering – vielleicht gelingt ja ein unerwarteter Bonuszähler – so sehe ich den Sport-Club in Hannover und gegen Bremen durchaus mit guten Chancen auf Punkte, auch in dreifacher Form. Hoffenheim und Bayern folgen dann – klar, das wird wieder eng aber dann, in Berlin und gegen den VfB wird es wieder Punkte geben, mal einen mal drei, genug jedenfalls, um aufbauend auf die bereits erspielten 20 Zähler mit guten Chancen ins Saisonfinale zu gehen, das je bekanntlich eine Reihe von Spielen mit Gegnern auf Augenhöhe birgt.  (Fortsetzung folgt)

Zurück zu meinem Vorlauf vor dem Kick gegen Leipzig: Es ist Freitagnachmittag. Heute Abend besuche ich noch den Neujahrsempfang des Gewerbevereins Breisgau im Weinstetter Hof in Eschbach; gute Location, illustre Gäste – das who is who der näheren Umgebung, meistens ein interessantes Programm und delikates Fingerfood. Ich habe mir angewöhnt, diesen alljährlichen Empfang in aller Regel zu besuchen. Heute werde ich nicht so lange bleiben, denn es ist ja Tag 1 im Dschungel-Camp und Fußball-Clown Ansgar Brinkmann ist unter den Bewohnern.

Morgen Vormittag kann ich dann endlich mal ausschlafen, ausgiebig mit der Familie frühstücken und dann, gegen Mittag, in aller Ruhe Richtung Stadion fahren. Mit gebremsten Erwartungen an das sportliche Abschneiden – aber ich lasse mich gerne überraschen…

In der baden.fm-Bundesligashow ist morgen mal wieder ein Fan-Reporter mit am Start. Er wurde unter den zahlreichen Bewerbern eines Gewinnspiels von DB-Regio und baden.fm ausgelost. Ich treffe den jungen Mann um 14.30 Uhr – und dann geht es ja auch schon fast los…

 

Das Fußballspiel (Mein 893. SC-Livespiel)

Man erkennt ja aus meinen Worten im „Vorspiel“, dass meine Erwartungen an das Spiel gegen Leipzig relativ niedrig waren. Fern von ästhetischen Parametern ist dem SC gegen die Dosen, wie ich sie nenne, aber ein kleines bis mittleres Meisterstück gelungen:

Natürlich bestimmte Leipzig das Spiel, ließ den Ball gekonnt laufen und wirkte auf den ersten Blick hoch überlegen. Wenn man aber nach der torlosen ersten Hälfte eine Zwischenbilanz zieht, wird deutlich, dass der oberflächliche Eindruck, Leipzig sei klar besser, gefährlich trog. Nach klaren Torchancen stand es zur Pause nämlich 3:1 für den SC. Höler war mit einem Volleyschuss an Torwart Gulascsi gescheitert und Günter hatte mit zwei Schrägschüssen Pech, die einmal knapp links und einmal knapp rechts am Tor vorbeigingen. Alle drei Situationen hätten gut und gerne mit einem Tor belohnt werden können. Nimmt man Abrashis im Strafraum gerade noch abgeblockten Schuss, nach Traumpass von Stenzel, noch hinzu, kommt man sogar auf vier höchst aussichtsreiche Situationen für die Platzherren. Leipzig, das deutlich mehr Ballbesitz hatte, kam in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit zu der einzigen heißen Strafraumszene, als sich der für den verletzten Schwolow eingewechselte Gikievicz dem heranstürmenden Augustin im richtigen Moment vor die Füße warf und die Chance vereitelte. Das zurecht nicht gegebene Abseitstor aus der 19. Minute zähle ich nicht als Chance, denn die Abseitsstellung von Augustin in der Entstehung der Situation war ja klar und auch als solche Erkannt und vom Assistenten gewunken worden. So war das einzig „Zählbare“ in der ersten Halbzeit die Verletzung von Schwolow, der in der angesprochenen Abseitssituation am Boden mit Augustin zusammengerauscht war, als Bruma den Ball eingeschoben hatte. Der Pferdekuss, den Schwolli da eingesteckt hatte, führte zu einer so schmerzhaften Prellung, dass der Freiburger Torhüter nach Behandlungspause und einem kurzen Versuch weiterzumachen, ausgewechselt werden musste. So kam der frühere Braunschweiger Gikievicz zu seinem ersten Bundesligaeinsatz und konnte sich in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit, wie oben beschrieben, auszeichnen.

In der zweiten Hälfte erhöhte Leipzig das Tempo und schnürrte den SC phasenweise ein. Nur den Raum für die leipzigtypischen Tempoläufe fanden die Gäste fast nie. Einmal dann doch: Nachdem Gikievicz eine Direktabnahme von Werner ein paar Minuten zuvor bravourös abgewehrt hatte, musste der nach einer guten Stunde Spielzeit den Ball aus dem Netz holen. Es war die klassische Situation: Ballgewinn Freiburg durch Pressing, ein Vorstoß, geschicktes Gegenpressing der Gäste und dann war der Raum da für den schnellen Werner; der wieselflinke Nationalspieler war nun von niemandem zu bremsen und schloss geschickt und platziert mit dem linken Fuß ab.

„Jetzt ist es passiert, jetzt nimmt das Ding seinen Lauf und der SC kriegt die befürchtete Klatsche“ mögen viele gedacht oder befürchtet haben. Bei mir war es jedenfalls so. Auffällig war: Die Jungs von Christian Streich behielten den Kopf oben und spielten konzentriert und bemüht um eine gute gestaffelte Abwehr und fußballerische Lösungen im Spiel nach vorne einfach weiter, ohne nervös zu werden, ohne den Mut zu verlieren. Der SC ist ja nicht nur der (neue) Spezialist für Tore nach Standardsituationen, sondern auch dafür, Spiele zu drehen. In der 72. Minute prallte der Ball nach einem Eckball von Günter und einem Kopfballduell unter Beteiligung von Koch vor die Füße von Haberer und der vielseitige U21-Europameister knallte das Ding zum Ausgleich unter die Latte.

Jetzt wachte das Stadion ein zweites Mal auf und als es vier Minuten später wieder Ecke von links und durch Christian Günter gab lag eine unglaubliche Spannung in der Luft – und löste sich auf in unbändigem Jubel, nachdem Koch Günters Flankenball mit dem Kopf ins Netz gewuchtet hatte.

Leipzig hatte sich nach dem Führungstor vielleicht zu sicher gefühlt, etwas Spannung rausgelassen – plötzlich lagen sie aber durch zwei Tore nach einstudierten Standardsituationen der Freiburger hinten und man merkte förmlich, dass sich die Gäste vergeblich bemühten, die Körperspannung und den Druck von vor dem 0:1 wiederaufzubauen. So fightete sich der SC in der Schlussviertelstunde zum Sieg und geriet nicht mehr ernsthaft in Gefahr, einen Treffer zu kassieren. Auch wenn Leipzig über weite Strecken dominiert hatte, war der Freiburger Sieg verdient. Weil es Klasse hatte, wie sich der SC defensiv anstellte und die Gäste kaum zu Torchancen kommen ließ und weil die Standards zu einer besonderen Qualität der Freiburger geworden sind. Nicht zuletzt investierte der Sportclub auch drei Kilometer mehr Laufleistung als Leipzig und darf sich am Ende über drei Bonuspunkte freuen, die wohl die wenigsten Zeitgenossen, ob mit oder ohne Herz für den SC, auf dem Zettel hatten.

 

Das Nachspiel

Weil die Philosophien so gegensätzlich sind wie die wirtschaftliche Macht und dadurch bedingt die personelle Besetzung der jeweiligen Kader, ist ein Sieg gegen Leipzig beinahe so prominent wie einer gegen Bayern München. Auf Erstligaebene war das 2:1 vom vergangenen Samstag zudem der erste Erfolg der Freiburger gegen den ungleichen Rivalen. Bislang hatte es in allen drei Aufeinandertreffen vier Gegentore gegeben – auch wenn den SC-Fans der Zweitliga-Heimsieg auf Schneeboden gegen die Brause-Stars und ihren lamentierenden Sportdirektor Rangnick natürlich noch bestens in Erinnerung ist. Entsprechend bombig war die Stimmung rund ums Stadion und auch im Bauch desselben, in der Mixedzone und im Presseraum. Freude, gepaart mit Unglauben und dann doch wieder durchbrechender Freude. Keine Frage, Sportclub, das war ein Glanzstück; defensiv und taktisch, was gerne übersehen wird – so wie durch die Tore nach einstudierten Standardsituationen. So kann man, an Ausnahmetagen und wenn alles so funktioniert wie es geplant ist, auch einen ganz Großen der Branche schlagen.

In der Mixedzone wurden uns Journalisten Amir Abrashi und Janik Haberer zugeführt. Mit glänzenden Augen erzählten die Jungs von ihrer sportlichen Großtat. Nach der Pressekonferenz ließ sich Christian Streich wortreich auf die Analyse ein, unser Audiointerview schlägt alle bisherigen Rekorde, wurde über acht Minuten lang… Nachher holte sich der Trainer einen Espresso in der Kaffeeecke und stand mir plötzlich wieder gegenüber. Unsere Blicke trafen sich und ich sagte „Mensch, Trainer, da werbe ich eine Woche lang journalistisch um Verständnis, dass es jetzt dreimal schiefgehen könnte und dann haut ihr Leipzig weg!“  Streich grinste und meinte „Genau richtig gemacht, genau so muss es sein!“

Ich schnappte meine kleine schwarze Umhängetasche von hummel und machte mich auf den Heimweg. Seit Neuestem reise ich nämlich nur noch mit kleinem Gepäck zu den Spielen, so weit es die Technik betrifft. Ganz neu auf dem Markt ist eine Applikation, also eine „app“, die es erlaubt via Smartphone und Internet eine technisch saubere Hörfunk-Übertragung hinzubekommen – mit gleicher Tonqualität wie mittels einer Übertragungsleitung und deutlich besser als zum Beispiel via Telefon. Beim Erstversuch in Frankfurt hatte es noch Probleme gegeben und wir hatten schnell auf die aus den vergangenen Jahren bei Auswärtsspielen übliche und erprobte Funktechnik umsteigen müssen. Nach ein paar Nachjustierungen hat die Übertragung via Internet und mittels der neuen app gegen Leipzig jetzt perfekt geklappt. Das heißt für mich: ich bin in guter technischer Qualität zu hören, habe aber trotzdem nur kleines Gepäck, sprich iPhone, Mini-Mini- Mini-Mischpult über das iPhone, Mikrofon und Kopfhörer miteinander verbunden sind. Ansonsten benötige ich nur eine stabile WLAN-Verbindung oder LTE und das funktioniert. Diese kleine aber qualitativ erstklassige Technik  ist schnell verstaut (deshalb kleine Umhängetasche) und ich muss nach den Interviews und der PK keinesfalls mehr auf meinen Tribünenplatz zurück, um irgendetwas abzubauen, Kabel abzustöpseln oder Ähnliches. Das ist echt eine Supergeschichte. So konnte ich nach dem kleinen Talk mit CS direkt heim, denn ich wollte ja noch möglichst viel von HSV gegen Köln sehen. Das Ergebnis entsprach meinen Erwartungen. Der Abstand zum HSV konnte so um weitere drei Punkte ausgebaut werden. Wie erwartet verlor am Sonntag auch Bremen bei Bayern – alles gut. Der SC ist vorerst mit 23 Punkten Zwölfter, hat Wolfsburg und Stuttgart (jeweils 20 Punkte) überholt, der Vorsprung vor Mainz (20 Punkte) bleibt bei drei Zählern und vom Relegationsplatz, den Bremen inne hat, trennen den SC sieben Punkte, vom 17. Platz des HSV sogar acht. Damit war vor dem Spieltag nicht zu rechnen… Das ist nach 19 Spieltagen eine tolle Zwischenbilanz.

„Es wird bis zum letzten Spieltag ein Ritt auf der Rasierklinge, ob wir in der Liga bleiben oder absteigen müssen“, hatte Christian Streich in der PK nach dem Sieg gegen Leipzig betont. Natürlich hat er das gesagt, um allzu kühne Träume im SC-Umfeld im Keim zu ersticken. Auch weiß der Cheftrainer, wie schwer es sein wird, in Dortmund und gegen Leverkusen Zählbares einzufahren. Und trotzdem: Der SC ist auf einem sehr guten Weg!

Am heutigen Montag stand dann als erstes das Verfassen meiner Zeitungskolumne auf dem Programm. Hier der Text, der am Mittwoch in den knapp 300.000 Wochenzeitungen am Oberrhein (WZO) erscheint:

 

SC INTEAM

Mit der ersten SC-Ecke hatte Christian Günter in Frankfurt den Ausgleich eingeleitet; mit der vierten Ecke des Heimspiels gegen Leipzig, in der 72. Minute, das 1:1 vorbereitet – kein Wunder, dass vor dem fünften Eckstoß, vier Minuten später, die halbe Haupttribüne, also alle Sitzplatzbesucher, die sich halbwegs in der Nähe der Eckballfahne und des Leipziger Strafraums aufhielten, erwartungsvoll aufgesprungen waren. Bei den Fans hat sich herumgesprochen, dass Standardsituationen, vor allem Eckbälle, beim Sportclub zu einer Waffe gereift sind. Auch die Leipziger Abwehrspieler wussten das und doch gelang es den im Strafraum versammelten Freiburgern, während eine exakt gezirkelte Eckballflanke von Christian Günter vor das Tor segelte, sich so zu bewegen, dass Robin Koch sich kraftvoll durchsetzen konnte und den Ball zum 2:1-Siegtreffer einköpfen konnte. Es war fast eine Blaupause zu Kochs Treffer in Frankfurt. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer Idee und akribischer Trainingsarbeit. Insofern ist das eine erarbeitete Qualität, die der SC gegen die fraglos höherwertige fußballerische Qualität der Gäste aus Sachsen in die Waagschale werfen konnte.

Bevor es so weit war, und gegen die vermeintlich übermächtigen  Leipziger  die beiden Treffer nach Eckstößen bejubelt werden konnten,  hatte der SC  bereits  eine andere großartige Leistung vollbracht: Durch gute Staffelung im Defensivbereich, taktische Disziplin aller Akteure und eine am Ende um drei Kilometer bessere Laufleistung als Leipzig war es dem SC gelungen, gute Torchancen der gefällig kombinierenden und dadurch optisch überlegenen Gäste zu verhindern. Selbst nach dem 0:1-Rückstand in der 62. Minute blieben alle Spieler im SC-Trikot ruhig und suchten weiter, auf fußballerischem Wege in die Nähe des Leipziger Tores zu kommen und – wenn schon keinen Treffer, so doch zumindest den einen oder anderen Freistoß und Eckball herauszuholen, denn – das weiß mittlerweile ganz Fußball-Deutschland – in solchen Situationen kommen Freiburgs neue Wunderwaffen zum Einsatz. Geistiger Vater der diversen Standardvarianten, die bis ins Detail einstudiert sind, ist übrigens SC-Co-Trainer Lars Voßler, der vor der erfolgreichen WM 2014 auch schon „Jogi“ Löw und dem späteren Weltmeisterteam in Sachen Standardsituationen beratend zur Seite stand. Wenn Freiburg einen Freistoß in Strafraumnähe oder einen Eckball hat, dann liegt was in der Luft – da hatten die Haupttribünenbesucher am Samstag eine gute Spürnase … So schlug der SC, ersatzgeschwächt und als krasser Außenseiter, den hoch favorisierten Gegner. Ähnlich aussichtslos wie im Vorhinein gegen Leipzig sind übrigens auch die Vorzeichen vor dem Auswärtsspiel am Samstag in Dortmund. Aber vielleicht gibt es ja ein paar Ecken … (Zitatende)

 

 

Schon am Donnerstagabend reise ich Richtung Westen. Natürlich führt mich das Auswärtsspiel in Westfalen einmal mehr nach Bielefeld und zu meiner Mutter. Ich freue mich schon drauf. Ich hoffe, ich schaffe es vorher noch, ein „Vorspiel“ zu formulieren. Man liest (oder hört) sich!