< 20. Spieltag der Fußball-Bundesliga, Borussia Dortmund gegen SC Freiburg
06.02.2018 20:32 Alter: 14 days

21. Spieltag der Fußball-Bundesliga, SC Freiburg gegen Bayer 04 Leverkusen

Samstag, 3. Februar 2018, 15.30 Uhr Schwarzwald-Stadion, Freiburg SC Freiburg - Bayer 04 Leverkusen


Das Vorspiel

 

Freiburg gegen Leverkusen muss ich aus der Retrospektive schreiben. Ich hatte und habe nämlich „Rücken“! Will sagen, mein Bandscheibenvorfall meldet sich seit einigen Tagen recht schmerzhaft. Da ich aber trotzdem alle meine primären Pflichen, also Job und so, durchgezogen habe, fand ich einfach kein Zeitfenster zum Tagebuchschreiben.

Nach zwei erfolgreich bestandenen Kraftakten gegen Leipzig und in Dortmund, waren meine sportlichen Erwartungen an unseren SC ohnehin gleich null. Zweimal kriegste das ja hin gegen einen Großen, aber dreimal??? Unmöglich. So in etwa habe ich gedacht.  Das kam dann auch in meiner Kolumne für den Business-Newsletter des SC Freiburg an 600 seiner Sponsoren zum Ausdruck:

 

Vor 14 Tagen, in meiner Kolumne vor dem Leipzig-Spiel, habe ich gewissermaßen für Verständnis dafür geworben, dass es nun für drei Spiele eng werden könnte, was Erfolgserlebnisse und Punkte betrifft. Unser SC hat uns alle eines Besseren belehrt: Sieg gegen Leipzig und ein für den Weltclub BVB glückliches Remis am vergangenen Samstag in Dortmund; vier Punkte für den Sportclub aus zwei – eigentlich – aussichtslosen Spielen. Christian Streich und seine Jungs haben gezeigt, was man mit kluger Taktik, hohem läuferischem Aufwand, viel Herzblut und akribisch einstudierten Spielsituationen auch gegen die ganz Großen der Branche an manchen Tagen erreichen kann. Verblüffend ist, dass es jetzt sogar zwei Mal hintereinander möglich war, mit den Granden der Liga auf Augenhöhe zu agieren. Hut ab, Sportclub!

Geht so ein Kunststück auch drei Mal am Stück?

Mit Bayer Leverkusen kommt am Samstag ein weiterer wirtschaftlicher Gigant der Liga als Gegner auf unseren SC Freiburg zu. Auch sportlich läuft es derzeit blendend für die „Werkself“ – die Bayer 04 Fußball GmbH ist ja bekanntlich eine hundertprozentige Tochter der Bayer AG. Das Starensemble, wegen häufiger zweiter Plätze früher gerne als Vizekusen verspottet, kommt ,nach einem eindrucksvollen 1:4- Auswärtssieg in Hoffenheim und dem souveränen 2:0 gegen Mainz – wie sollte es anders sein – als Tabellenzweiter nach Freiburg. Wir erinnern uns: Vor zwei Wochen reiste Leipzig als Tabellenzweiter zum Sportclub; das Ende vom Lied ist bekannt. Dennoch sei noch einmal darauf hingewiesen, dass Favoritenstürze wunderbare Ausnahmen von der Regel sind und im Zeitalter einer im Spitzenfußball immer weiter auseinandergehenden Schere zwischen „Normal“ und „Superreich“ leider immer seltener werden. Andererseits – irgendwie haben die Freiburger Jungs das gerade ganz gut drauf… (Zitatende)

Neben dem Spiel fand ich im Vorhinein zwei Fragen spannend: Würde mein malader Rücken mich meinen Job machen lassen und würde die sensationelle Übertragungstechnik mit der Spezialapp via Internet (von der ich neulich mal hier erzählt habe) – die mich in Dortmund verlassen hatte – jetzt wieder funktionieren?

Ich nehme es mal vorweg: Zwei Mal ja. Bei DSDS reicht das nur, wenn du dir den richtigen Joker ausgesucht hast – hier war das völlig ausreichend um mich, zusammen mit einer tollen Teamleistung unseres SC so richtig zufrieden zu machen.

 

Das Fußballspiel

(Mein 895. SC-Livespiel)

  

Es war ein rasantes Spiel, ein 0:0 der besseren Sorte – sehr unterhaltsam für das Publikum. In der ersten Halbzeit konnte sich der SC sogar ein Chancenplus herausspielen, bekam den Ball aber nicht an Bernd Leno vorbei. Glück hatte der SC in der 8. Minute, als ein Kopfball von Lucas Alario gegen den Pfosten prallte.

In der zweiten Hälfte folgte eine Drangperiode der Gäste, die der mit Viererkette sowie Abrashi und Koch im defensiven Mittelfeld angetretene Sportclub aber bestens gestaffelt agierend schadlos überstand.

Am Ende also ein verdientes 0:0 – das neunte Spiel in Serie ohne Niederlage.

 

Das Nachspiel

Schon vor dem Spiel hatte ich gestutzt, als ich gelesen habe, dass Bayer-Trainer Heiko Herrlich als eine Mannschaft beschrieb, die „extrem körperbetont“ agiere. Das war insofern überraschend, weil zum Beispiel gegen Leipzig und in Dortmund keine einzige Gelbe Karte gegen den Sportclub gezogen worden war. Wenn ich dann solche Aussagen höre oder lese, werde ich aufmerksam…

 Der Mainzer Schiedsrichter Robert Kampka (ein Schelm wer angesichts der Herkunft des Schiedsrichters Böses denkt) hatte das mit der angeblichen körperbetonten Spielweise offenbar auch gelesen und sich vorgenommen, dem einen Riegel vorzuschieben. So zückte der Schiri schon nach zwei Minuten „Gelb“ gegen Günter, als dieser bei einer Abwehraktion zu spät kam. Fortan flogen die Leverkusener Spieler bei jeder Körperberührung spektakulär durch die Luft und der Mainzer Kampka zückte insgesamt sieben Mal „Gelb“ gegen den SC – nur ein einziges Mal gegen Leverkusen. Ein Phänomen, dass es in dieser Saison noch in keinem Spiel gegeben hatte. Auch in einem Sky-Interview nach dem Spiel stellte Herrlich den SC als Tretertruppe dar, indem er erklärte, einige der Fouls des SC seien leider über die Grenze gegangen. In der Pressekonferenz erklärte derselbe Trainer auf Nachfrage genau das Gegenteil – alles sei im Rahmen geblieben.

Es mag ja aus seiner Sicht klug sein, vor einem Spiel eine solche Diskussion anzustoßen, um eventuell Vorteile für sein Team daraus zu ziehen, was ihm meiner Meinung nach auch gelungen ist, aber hinterher in ein Mikrofon „hü“ und in das andere, wenn Kollege Streich daneben sitzt, „hot“ zu sagen – das hat Herrn Herrlich jetzt ein paar Sympathien bei mir gekostet. Da es bei einem 0:0 hinterher nicht arg so viel zusammenzufassen gibt, bestand mein Radionachbericht am Montagmorgen dann auch aus einer Darstellung des ungewöhnlichen Kartenfestivals, seiner Ursachen und Folgen – Höfler, gerade wieder fit, und der starke Haberer sind für das Spiel in Hannover gesperrt. Freude über den Punkt gegen Favorit Leverkusen und Ärger über Herrlich und Kampka waren also mein ganz persönliches Nachspiel.