< 1. Spieltag der Bundesligasaison 2018/2019, SC Freiburg gegen SG Eintracht Frankfurt
30.08.2018 15:38 Alter: 26 days

2. Spieltag der Bundesligasaison 2018/2019, TSG 1899 Hoffenheim gegen SC Freiburg

Samstag, 1. September 2018, 15.30 Uhr In diesem Stadion an der Autobahn A6 TSG 1899 Hoffenheim - SC Freiburg


Das Vorspiel

 

Erstes Auswärtsspiel: Hoffenheim/Nordbaden; gespielt wird auf der Gemarkung Sinsheim, in dem Stadion an der A6. Waschbeton, praktisch und selten voll. Ab und zu sind nicht nur die Zuschauerränge lückenhaft, sondern auch die Tornetze aber das ist eine andere Geschichte.

Auch unter den rund 80 festangestellten Mitarbeitern des WZO-Verlags gibt es eine Menge Anhänger des SC Freiburg. So findet der alljährliche Fußball-Betriebsausflug in diesem Jahr in den Kraichgau im nahen Nordbaden statt. 36 Karten wurden für die Busladung benötigt, 40 habe ich gekauft, um zum Beispiel auch meiner Familie die Möglichkeit einzuräumen, ein Bundesligaauswärtsspiel mal ohne ganz großen Reiseaufwand zu besuchen. An- und Abreise mit dem WZO-Bus fallen für mich aus, da ich sehr frühzeitig vor Ort sein muss und erst relativ spät mit meinem Job fürs Radio, konkret für baden.fm, fertig werde – 18.30 Uhr, wenn es gut läuft. Außerdem wäre eine Busanreise mit Bierkiste und ähnlichen Späßen nicht wirklich eine gute Vorbereitung auf die baden.fm-Bundesligashow für mich.

Geplant war also, dass die Kollegen vom Zeitungsverlag mit dem Bus fahren, meine Familie plus eventuell ein Kumpel von Ben mit mir und dass meine Mitfahrer dann mit den WZO-Kollegen im Gästeblock sitzen.

Aber dann kamen die verbalen Entgleisungen einiger durchgeknallter Ossis in Cottbus und meiner Frau Yoani war die Lust auf den Stadionbesuch mit den lieben Kleinen fürs Erste vergangen. Für Cottbus auf Lebenszeit – für Hoffenheim als Spontanreaktion. Eine Karte konnte ich noch im WZO-Team platzieren und aus dem Team der „Golden Boys“, also der ungewöhnlich spielstarken FC Bad Krozingen E1-Jugend (vier Spieler sind beim SC Freiburg im Fördertraining), kommt ein Spieler mit seinem Papa mit und die nehmen auch meinen Junior Ben, auch ein "Golden Boy", mit nach Hoffenheim. So ist alles geklärt und die Karten sind vergeben. Wegen des langen Vorlaufs und des Nachgangs bei mir fahren wir aber getrennt in zwei Autos.

Ich bin ganz ehrlich, ich bin immer ganz froh, wenn ich bei der Anreise und vor dem Spiel meine Ruhe habe und nach der baden.fm-Bundesligashow nichts und niemand da ist, der mich drängt.  Wie fast immer in den vergangenen Jahren, werde ich – trotz der relativ kurzen Wegstrecke von etwa 220 km - sogar in Sinsheim übernachten, (beinahe) auf Sichtweite zum Stadion übrigens, in meiner Stamm-Pension, in der ich bei Auswärtsspielen des SC und längeren Wegstrecken öfter mal absteige. Einfach aber sauber und bodenständig und preislich unschlagbar… Wenn ich dann nach getaner Arbeit ziemlich gerädert und durch den Wind bin, kann ich da und in der örtlichen Abendgastronomie gepflegt runterkommen und Sonntagmorgen gut gelaunt zur Familie zurückkehren – am liebsten mit drei Punkten im Gepäck.

Heute war PK mit… nein, noch immer nicht mit Christian Streich, sondern noch einmal mit Lars Voßler. Thema war das ungewohnt ungeschickte Verhalten der Jungs im Abschluss und das Schusspech, beides aus dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt. Außerdem wurden die  Schwächen „im Spiel gegen den Ball“, die Voßler besonders geärgert haben und wo bei der Arbeit unter der Woche angesetzt wurde, kurz thematisiert.

Möglich übrigens, dass in Hoffenheim wieder Christian Streich auf der Bank sitzt – die Entscheidung fällt am morgigen Freitag. Gerüchte über eine möglicherweise anstehende Operation des Cheftrainers verwies Pressesprecher Sascha Glunk ins Reich der Fabel. Die Frage, ob „das Problem dann weg“, also der Patient geheilt sei, konnte ich als Betroffener beantworten. „Einen Bandscheibenvorfall hat man fürs Leben – man kann ihn aber durch Therapie und Muskelaufbau im Rücken ganz gut „verwalten“, die Gefahr von Entzündungen und damit von schmerzhaften Krisen minimieren“, ließ ich die Kollegen über das Krankheitsbild Bandscheinvorfall ganz allgemein wissen. Zur Erklärung: Der Wortteil Vorfall hat nichts mit einem Ereignis zu tun, sondern beschreibt, wie eine zwischen den Wirbeln beheimatete Bandscheibe vorgeschoben hat und dann gewissermaßen partiell vorfällt (oder herunterhängt). Wenn sich dieser vorgefallene Teil dann durch irgendwelche Umstände entzündet, wird es furchtbar schmerzhaft und kurzfristig hilft so gut wie gar nichts. Langfristig helfen Therapie und Muskelaufbau – oder eben eine OP, die aber nicht unumstritten ist und längst nicht immer zur Lösung des Problems führt.

So weit, so schlecht; zurück zum Fußball:

Es könnte sein, dass in Hoffenheim Rekonvaleszenten wie Robin Koch und Yoric Ravet im Kader sind. Sie kämen aber keinesfalls für einen Startelfeinsatz in Frage, erklärte Lars Voßler auf meine ausdrückliche Nachfrage. Darauf hoffen könne bei seinem Ex-Verein aber definitiv Marco Terrazzino, gab der Streich-Vertreter zu Protokoll. Steckt dahinter ein Plan oder soll das den perfekt geschminkten (Smile) Herrn Nagelsmann verwirren?

Vielleicht täte es ja auch Luca Waldschmidt ganz gut, ein paar Startelf-Einsätze hintereinander zu absolvieren. Fand ich den Ex-Hamburger in Cottbus noch recht blass, meine ich gegen Frankfurt eine Formsteigerung erkannt zu haben. Terrazzino für Waldschmidt – da glaube ich nicht dran.   Oder rückt Kapitän Mike Frantz von der offensiven Außenposition wieder in die defensive Mittelfeldzentrale und etwas weiter vorne, auf den Halbpositionen und über außen,  wirbeln sowohl Waldschmidt als auch Terrazzino? Das wäre dann aber arg mutig…

Ich bin gespannt auf die Aufstellung unseres SC in Hoffenheim, würde aber fast wetten, dass es dieselbe Startelf sein wird wie in Cottbus und gegen Frankfurt. „Schau‘n mer mal…“

Vielleicht beflügelt die Jogi-Berufung für die beiden Länderspiele gegen Weltmeister Frankreich (Donnerstag, 6. September) und gegen Peru (Sonntag, 9. September), unseren Nils Petersen zu sportlichen Großtaten in der Bundesliga. Da das Spiel gegen Peru in diesem Stadion an der A6 in Sinsheim ausgetragen wird, kann Nils am Samstag ja schon einmal gucken, wo das Tor steht…

 

Ich übertrage das Bundesligaspiel TSG 1899 Hoffenheim gegen SC Freiburg am Samstag ab 15 Uhr live bei baden.fm.

 

 Das Fußballspiel

(Mein 911. SC-Pflichtspiel im Radio)

 

In der Anfangsphase des Spiels in der mit rund 28.000 Zuschauern nicht ganz ausverkauften Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim, fürchtete ich ein wenig um unseren SC Freiburg. Hoffenheim gab Vollgas, spielte One-Touch-Fußball und wirkte in den Zweikämpfen wacher und spritziger und mir schwante nichts Gutes. Fast zwangsläufig fiel dann auch ein Tor für die Kraichgauer, bei dem es allerdings eine Abseitsposition zu konstatieren galt. In dieser Situation funktionierte der Videoassistent im Kölner Keller gut. Auch auf der Anzeigentafel wurde in der Wartezeit korrekt dokumentiert, dass es um die Überprüfung einer möglichen Abseitsstellung ging. Am Ende war jene vom vermeintlichen Torschützen Bittencourt aktenkundig. Streng genommen lag sie sogar doppelt vor: Zunächst stand der frühere Kölner klar passiv im Abseits, griff dann aber aktiv ein, wie der Kicker „tickerte“, Fakt ist aber auch, dass Bittencourt knapp in Abseitsposition stand,  als er den Ball von Szalai am Fünfmeterraum bekam. Beruhigender wäre es gewesen, dem Linienrichter wäre beides oder zumindest eines der Vergehen aufgefallen – so musste der Hinweis aus Köln kommen. Ein Freund des Videobeweises werde ich trotzdem nicht…

Wenig später stand wieder Bittencourt im Fokus, der allerdings am glänzend parierenden Schwolow scheiterte.

Nach einer knappen Viertelstunde gelang es dem Sportclub, das Hoffenheimer Feuer vorübergehend zu löschen und durch aggressives und frühes Anlaufen der Gastgeber so etwas wie Augenhöhe mit Champions-League-Teilnehmer TSG 1899 zu schaffen. In der 36. Minute führte dann ein Freistoß aus dem Halbfeld zur etwas überraschenden Gästeführung: Der stark spielende Gondorf schlenzte den Ball in die Mitte, wo Hoffenheims für den verletzten Bicakcic eingewechselter Innenverteidiger Akpoguma den Ball ungeschickt vor die Füße von Heintz prallen ließ, der sich diese Chance nicht nehmen ließ und zum 0:1 einschoss.

Wegen zahlreicher Verletzungsunterbrechnungen wurden für die erste Hälfte sechs Minuten Nachspielzeit angezeigt – und die hatten es in sich. Bei einem Konter (45 + 2) hatte Niederlechner die Vorentscheidung auf dem Fuß, lief alleine auf Olli Baumann zu, scheiterte aber an dem aus Bad Krozingen stammenden TSG-Torhüter. Danach konnte sich Schwolow noch einmal auszeichnen. Mit einer Glanzparade lenkte er einen Szalai-Kopfball über die Latte. Dann war Pause und Freiburg führte in Hoffenheim… Gute Stimmung bei 3.000 Schlachtenbummlern in der Gästekurve!

Die Begeisterung der SC-Anhänger wich fünf Minuten nach Wiederbeginn blankem Entsetzen. Nach einem Kopfball von Szalai schien alles geklärt – mit Schwolow, Gondorf und Höler waren drei Freiburger an der Torauslinie in Ballnähe. Schwolow kam nicht dran, weil die Mannschaftskameraden im Weg standen und dann fiel der Ball dem desorientierten Höler auf den Kopf und prallte wieder vor das Tor – da stand Szalai und bedankte sich. Unbedrängt schob der Ungar den Ball ins leere Tor. Wie unnötig und ärgerlich war das denn!?

Eine knappe Viertelstunde später drehten die Hoffenheimer die Partie vollends. Die Freiburger Abwehrreihe stand zwar absolut in ihrer Ordnung, nur schauten die Jungs bei Hoffenheims Kombination über Grillitsch und Schulz untätig zu, waren viel zu weit weg von ihren Gegenspielern und selbst Szalai konnte die flache Hereingabe am Fünfmeterraum relativ unbedrängt ins Tor lenken. 2:1 – das Spiel war gedreht.

Petersens Kopfball an die Latte (73.) war der Höhepunkt im Kampf um den Ausgleichstreffer. Beim Abpraller fand Niederlechner kein Mittel, um den Ball ins Netz zu befördern – er stand einfach unglücklich. In den letzten Sekunden der dreiminütigen Nachspielzeit hatte der SC noch einmal einen Eckball. Alle wollten mit der mutmaßlich letzten Szene das 2:2 erzwingen, auch Schwolow, der mit in den Strafraum der Hoffenheimer kam. Der Eckball wurde jedoch abgewehrt und Hoffenheim fuhr einen schnellen Konter mit einem langen Ball aus der eigenen Hälfte vor das Freiburger Tor. Kramaric spurtete hinter dem Ball von Bittencourt her und schob ihn ins verlassene Tor. 3:1, Schlusspfiff, ich war bedient…

 

Das Nachspiel

Pascal Stenzel vor der PK und Christian Günter nachher beantworteten meine Fragen in der Mixedzone. Zwischendrin auch Lars Voßler, der in Sinsheim noch einmal Cheftrainer Christian Streich ersetzen musste. Die Interviews sind wie immer nachzuhören unter www.scfreiburg.com, wenn man dort den Bereich „Profis“ anklickt und dann den Button „letztes Spiel“. Angeboten werden dann der „Nachbericht“ und eben die „Interviews“.

Als alles vorbei war, war ich fix und fertig und froh, ein Zimmer in Sinsheim gebucht zu haben. Dieses hatte ich schon am Vormittag bezogen. Die Stunde bis zur Öffnung der Stadiontore hatte ich danach mit ein paar Einkäufen und einem Friseurbesuch in der Sinsheimer Innenstadt sinnvoll gefüllt.

Nach dem Spiel konnte ich noch die zweite Halbzeit von Stuttgart gegen Bayern anschauen, dann essen, ein paar Gläser Wein weghauen und die Niederlage des SC verdrängen. Das war das Programm. Gegen Stuttgart gibt es dann am 16. September, zwei Tage nach meinem 58. Geburtstag und einen Tag nach Amelies Einschulung, den Null-Punkte-Gipfel im Schwarzwald-Stadion.

Am Sonntag gegen 12 Uhr war ich zurück. Es sollte ein Sofa-Sonntag werden. Auf der Glotze flimmerten die Sonntagsspiele der ersten und zweiten Liga, den Ton hatte ich runtergedreht und hörte stattdessen meinen aktuellen Hörbuchkrimi. Das ging, weil Yoani sich ein Schläfchen verordnet hatte und die Kinder draußen auf dem neuen Trampolin herumturnten.

Am Abend, nach dem Tatort, zeichnete ich meine Zusammenfassung vom Spiel in Sinsheim gegen Hoffenheim für die baden.fm-Morgenshow auf. Außerdem meinen Part für die Ankündigungstrailer der Spiele gegen Stuttgart, in Wolfsburg, gegen Schalke und in Augsburg.  

„Dann halt gegen Stuttgart“, ist momentan mein Fazit nach den beiden ersten Saisonspielen. Nein, einen Grund, die Flinte nach zwei Niederlagen ins Korn zu werfen, sehe ich wirklich nicht.

Diese Haltung fließt auch in meine Kolumne „SC INTEAM“ für die Wochenzeitungen am Oberrhein ein, die ich am Montagmorgen verfasste. Hier der Wortlaut:

SC INTEAM

Nach den frühzeitig feststehenden Transfers von Dominique Heintz, Jérôme Gondorf und Luca Waldschmidt sowie einer harmonischen Vorbereitungszeit mit starken Leistungen in den meisten Testspielen hat der SC Freiburg in der Bundesliga einen Fehlstart hingelegt: 0:2 gegen Eintracht Frankfurt und 1:3 im Badenderby bei der TSG 1899 Hoffenheim. Den Null-Punkte-Start nach zwei Meisterschaftsspielen teilt sich der SC übrigens mit den namhaften Konkurrenten Schalke 04 und Bayer Leverkusen sowie mit dem nächsten Gegner, dem schwäbischen Rivalen VfB Stuttgart. Die aktuellen Probleme des Sportclubs sind evident: Neben gelegentlich ungeschicktem kollektivem Abwehrverhalten, stechen in der Defensive individuelle Fehler ins Auge. Den Ausgleichstreffer von Hoffenheim nannte Streich-Vertreter Lars Voßler am Samstag völlig zurecht ein „Slapstick-Tor“. Tragischer Held war Lucas Höler, der statt Platz für den heranfliegenden Schwolow zu machen, den Ball, fünf Minuten nach Wiederbeginn, desorientiert vor die Füße des Hoffenheimers Szallai (gesprochen: Ssoloi) köpfte, der unbedrängt einschieben konnte. Das war sportlich tragisch und führt zum zweiten Manko im Spiel des SC, dem Ausnutzen von Torgelegenheiten.  Kurz zuvor nämlich, in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit, war Florian Niederlechner, beim Spielstand von 0:1 für Freiburg, allein mit dem Ball am Fuß  auf das Hoffenheimer Tor zugelaufen, hatte dann aber im früheren Freiburger Oliver Baumann seinen Meister gefunden. Ein 0:2 zur Pause hätte mutmaßlich zu einer anderen Spielentwicklung und zu einem anderen Sieger geführt. Eine Prise mehr Effizienz hätte bekanntlich schon gegen Frankfurt zu einem Remis oder gar einem Sieg gereicht.  „Slapstick-Einlagen“ bei Gegentoren und fehlende Effizienz im Angriff verhinderte   jetzt gegen Hoffenheim ein Erfolgserlebnis. An beiden Schwächen kann freilich gearbeitet werden, das Platzen des sprichwörtlichen Knotens scheint angesichts ordentlicher fußballerischer Gesamtleistungen nur eine Frage der Zeit zu sein. Die Dynamik von Janik Haberer und die Kreativität von Yoric Ravet werden nach deren Gesundung alsbald eine Hilfe sein. Gespannt sein darf man auf die späte Neuverpflichtung des SC, den ungarischen Nationalspieler Roland Sallai (gesprochen: Scholoi) vom zypriotischen Erstligisten APOEL Nikosia. Das 21-jährige Talent soll vermutlich das Flügelspiel beleben, was – ebenso wie das bevorstehende Comeback von Yoric Ravet – für Kapitän Mike Frantz neue Optionen in der Defensivzentrale öffnet und die Variablilität in den zentralen Angriffspositionen erhöht, wo sich die zuletzt ebenfalls außen eingesetzten Luca Waldschmidt und Lucas Höler wohler fühlen. Für Schwarzmalerei gibt es also keinen Grund. (Zitatende)

 

So, und jetzt? Länderspielpause: Nils Petersen bei Jogi, Pascal Stenzel und Luca Waldschmidt bei der U21. Und unsereins muss jetzt 14 Tage lang die zwei Niederlagen zum Ligaauftakt verdauen.

Möchte ich mit irgendwem tauschen? Nee, trotzdem nicht! It’s only soccer but I like it!