< 15. Spieltag der Fußball-Bundesliga, Fortuna Düsseldorf gegen SC Freiburg
18.12.2018 14:53 Alter: 159 days

16. Spieltag der Fußball-Bundesliga, SC Freiburg gegen Hannover 96

Mittwoch, 19. Dezember 2018, 20.30 Uhr * Schwarzwald-Stadion, Freiburg * SC Freiburg - Hannover 96 *


Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

 

Eine Englische Woche zum Jahresabschluss, kurz vor Weihnachten. Warum eigentlich nicht? André Breitenreiter will ja auch an Heiligabend und an den Feiertagen mit seinen Profis trainieren – wenn sie nicht mindestens drei Punkte holen aus den beiden Spielen in Freiburg und gegen Düsseldorf.

Frage: Was machen die 96-Profis an Weihnachten?

Antwort: Kommt ganz auf Fortuna Düsseldorf an!

In Freiburg gibt es natürlich nichts zu holen für Schlusslicht 96 – warum, das werde ich nachher noch erläutern.

Zuvor jedoch noch einmal eine kurze Rückblende auf das vermaledeite Auswärtsspiel in Düsseldorf. Es war ganz schlimm; ähnlich, wie im Sommer in Augsburg, nur noch etwas schlimmer. Es war ein Spiel, das absolut eine Reaktion herausfordert im folgenden Heimspiel, also morgen gegen Hannover 96...

Ich war jedenfalls total bedient in Düsseldorf. Die sportliche Seite war entscheidend dafür, klar. Es gab aber noch mehr Dinge, die mir in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen auf den Geist gehen. Dieses Stadion, das jetzt Merkur Spiel-Arena heißt ist schon vom Namen her Mist. Darüber hinaus ist es aber, bei genauerem Hinsehen, so etwas von einer architektonischen Bausünde – das glaubt keiner. Bei Planung und Bau des Stadions beim Messegelände sind die Räumlichkeiten für Presse und Medien, Pressekonferenzraum etc. schlicht vergessen worden. Die Räume wurden dann nachträglich geschaffen, es sind kahle Kellerräume ohne Fenster und schmucklos – man merkt ihnen das Provisorische an. Entsprechend chaotisch sind auch die Wege von und zu den einzelnen Medienbereichen. Um von der Mixedzone in den Pressekonferenzraum zu gelangen musst du als Reporter durch den abgesperrten Spielerbereich der Mixedzone gehen. Das mag ja noch ganz lustig anmuten. Um vom PK- oder vom Medien-Aufenthaltsraum zur Pressetribüne (auf der man eine eingeschränkte Sicht hat) zu gelangen, musst du dich aber zwischen fahrenden und parkenden Autos in der Tiefgarage des Stadions hindurchschlängeln, um dann endlose Treppen zu steigen oder mit einem Lift ins oberste Stockwerk zu fahren, den aber auch VIP und Co. benutzen, was zu erheblichen Verzögerungen führt, speziell nach dem Schlusspfiff, wenn es für uns Reporter gilt, schnell zur Interviewzone oder zur PK zu kommen, frisst das doch sehr am Nervenkostüm - alle Jahre wieder.

So hatte ich dann auch „Schwolli“ in der Mixedzone zunächst verpasst und dann kam niemand mehr. Nach Niederlagen ist die Interviewbereitschaft selten groß…

Das Gute ist, dass der Weg der Spieler aus der Kabine zum Mannschaftsbus in Düsseldorf zwingend durch die Mixedzone führt, so entschloss ich mich, lieber rechtzeitig zur PK zu entschwinden, um wenigstens die nicht zu verpassen und dann anschließend „gefönte“ Interviews einzufangen, wenn die Jungs nach dem Umziehen durch den großen Vorraum, in dem – ähnlich wie in Hamburg – eigentlich die Mannschaftsbusse stehen sollten/müssten, wäre das Ganze nicht etwas zu tief gebaut... zum Bus eilen. Die modernen Busse sind einfach zu hoch, um in dieser Bausünde an ihren angestammten Platz zu kommen und stehen davor. Also habe ich Zeit und Muße, mir meine Interviewpartner zu greifen.

Im Interview mit Christian Streich sprach der Freiburger Trainer unter Bezug auf die zweiten 45 Minuten von Düsseldorf von der schlechtesten Halbzeit seit er mit seinen Kollegen Trainer der Profis sei. Das waren deutliche Worte, von denen später in der Mixedzone „Schwolli“ und „Günni“ von mir erfuhren. Die Enttäuschung über den Auftritt und das 0:2 saß allen in den Knochen, auch diesen beiden Jungs.

Dann war mein Job getan und ich konnte bei klirrender Kälte zu meinem Auto laufen, dass visavis vom Stadion am Rheinufer geparkt war. Da ich etwas die Orientierung verloren hatte fragte ich drei der Ordner - alle mit Migrationshintergrund - in welche Richtung denn der Rhein wäre. "Der was?" Ich stutzte. "Der Rhein, der Fluss, verstehen Sie? Da ist mein Parkplatz. Der Presseparkplatz P5." Pause. "Parkplatz ist im Stadion. Müssen Sie zurück ins Stadion." Ich sag "Nein, ich muss zum Rhein!" "Was Rhein?"  Das spielte sich drei Mal so oder ähnlich ab. Dann fand ich einen Orientierungspunkt und war fünf Minuten später beim baden.fm-Toyota am Rheinuferparkplatz. "Was, Rhein?" werde ich so schnell nicht vergessen. Zum Lachen war mir aber gar nicht. Es war bitter kalt und der SC hatte gerade bei Kellerkind Düsseldorf mit 2:0 verloren...

 

 

Entsprechend fad war auch die Rückfahrt, die im Westerwald von einer Übernachtung in Kleinmaischeid unterbrochen wurde. Ich zopg mir meinen Hörbuch-Krimi von Nele Neuhaus rein (Ob die mit Arminias neuem Trainer verwandt ist?).

Sonntagmittag war ich wieder daheim. Zur Entspannung ging ich mit der Familie auf den Bad Krozinger Weihnachtsmarkt. Amelie (6) hatte eine Audienz beim Weihnachtsmann in der imposanten Weihnachtspyramide auf dem Lammplatz, Ben (10) lachte sich scheckig - der hat die Phase hinter sich. Und dann gab es noch heißen Gutedel, den ich dem klassischen Glühwein vorziehe und der meine antialkoholische Phase kurzzeitig unterbrechen sollte. Nur eine Tasse lang. Ehrlich. 

Am Abend überspielte ich noch einen recht kritischen Bericht für die Morningshow von baden.fm …  „Und dann pennen und dann wieder zur Schicht“ (Udo Lindenberg) – Montag begann schließlich die neue Arbeitswoche im WZO-Verlag.

In meiner Kolumne „SC INTEAM“ der Wochenzeitungen am Oberrhein ließ ich die Partie wie folgt noch einmal Revue passieren und blickte gleichzeitig auf die anstehenden Aufgaben gegen Hannover und in Nürnberg:

 

SC INTEAM

Seiner Glanzleistung vom 3:0-Heimerfolg gegen Leipzig ließ der SC Freiburg in Düsseldorf nachhaltige Ernüchterung folgen. Die heimische Fortuna, vor dem vergangenen Bundesligaspieltag Schlusslicht, besiegte den Sport-Club verdient mit 2:0. Die Problematik lag mehr im fußballerischen als im mentalen Bereich. Düsseldorf wurde nicht etwa unterschätzt. Der Aufsteiger zwang dem SC aber eine Rolle auf, die diesem offenbar nicht behagt. Fortuna stand tief und ließ den SC anrennen. Letzterer hatte deutlich mehr Ballbesitz und zumindest in der ersten Halbzeit eine optische Überlegenheit. Fehlende Passgenauigkeit, Schwächen bei Offensiv-Zweikämpfen und mangelnde Ideen in Strafraumnähe führten aber dazu, dass bis zum Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Harm Osmers aus Hannover, trotz hoher Spielanteile,  keine einzige erwähnenswerte Torchance für den SC Freiburg herausgespielt wurde. Als Fortuna kurz nach der Pause, nach einem Eckball, zur Führung kam, gab es überhaupt keine Veranlassung für den erfahrenen Trainerfuchs Friedhelm Funkel, die Spielweise seiner Mannschaft zu ändern. Freiburg musste sukzessive immer höhere Risiken eingehen, verlor dabei aber immer mehr die Ordnung, sodass Fortuna Düsseldorf bei vereinzelten Kontern sogar die besseren Chancen hatte. Als zu Beginn der Schlussphase, erneut nach einem Eckball, das 2:0 fiel, war auch die potenzielle Spannung, die eine knappe Führung mit sich bringt, hinfällig.

Die nächsten beiden Gegner des Sport-Clubs, das neue Schlusslicht Hannover 96 (Mittwoch, 19. Dezember) und der Vorletzte, 1. FC Nürnberg (Samstag, 22. Dezember), werden ihre Lehren aus dem Düsseldorfer Erfolg gezogen haben und ähnlich passiv und tief stehend zu Werke gehen, um dem SC die Rolle aufzudrängen, die diesem scheinbar gar nicht liegt. Zumindest gegen Hannover, mit dem Heimpublikum im Rücken und bei besserer Tagesform einzelner Akteure, ist die Partie aber völlig offen. Eine Freiburger Führung würde die Situation auf dem Spielfeld zudem komplett ändern und dem SC die Möglichkeit geben, sich auf sein  starkes Konterspiel zu konzentrieren. Ein SC-Sieg gegen die mehr denn je um den Klassenerhalt und Ruhe im Verein kämpfenden Niedersachsen wäre die beste Voraussetzung, um mit einem stattlich gefüllten Punktekonto und breiter Brust nach Nürnberg zu reisen, wo erneut ein tief stehender Gegner zu erwarten ist. Da muss der SC jetzt aber durch – nicht etwa zeternd und voller Selbstzweifel, sondern mutig und mit großer Entschlossenheit.   Nach dem völlig misslungenen Auftritt in Düsseldorf, ist gegen Hannover und in Nürnberg von jedem Spieler eine Reaktion gefordert. Trainer Christian Streich und seine Mitstreiter müssen zudem Lösungen für mehr Effektivität finden. Es wird spannend. (Zitatende)

 

Morgen also Hannover… Da brennt der Baum, habe ich den Eindruck. In der Mittagspause am heutigen Dienstag habe ich mir online die Pressekonferenz von 96-Coach André Breitenreiter angesehen. Der Trainer sprach in bunten Metaphern über diese oder jede kleinen Sünden seiner Schützlinge, verteidigte Wortreich seine Drohung, den Weihnachtsurlaub zu streichen und wirkte alles andere als souverän.

 

Leider sind Christian Streich vor dem Duell mit 96 personell ein wenig die Hände gebunden. Roland Sallai, schnell, trickreich, torgefährlich und für jeden Gegner schwer auszurechnen liegt weiter auf Eis, kommt wegen Problemen im Aduktorenbereich für einen Einsatz nicht in Frage. Stürmer Tim Kleindienst muss sogar unter’s Messer, soll schnellstens am Meniskus operiert werden, um der Mannschaft im neuen Jahr alsbald wieder zur Verfügung zu stehen.

Und dennoch wird sich einiges verschieben im Freiburger Team; wegen des „Niederschlags“ (Streich) in Düsseldorf, vor allem aber wegen der Englischen Woche. Vermutlich wird morgen Abend gegen Hannover 96 wieder einer Dreier-/Fünfer-Kette verteidigen. Als vermehrt offensiv orientierter Mann für die rechte Außenbahn käme dann der komplett ausgeruhte Stenzel für einen Einsatz in Frage. Jérôme Gondorf konnte in Düsseldorf – wie die meisten anderen auch – leider keine Eigenwerbung betreiben, für den gebürtigen Karlsruher könnte der Franzose Yoric Ravet eine Chance von Beginn an erhalten. Auch Florian Niederlechner gilt vor dem Heimspiel gegen Hannover als Startelfkandidat. „Es brodelt bei Flo“, verrät der Trainer. Kommt der Bayer eventuell für Nils Petersen rein, dessen außerordentliche Jokerqualitäten bekannt sind und der eine zweite oder dritte Angriffswelle des SC in der zweiten Hälfte anführen könnte? Eine Menge Fragen, deren Antworten Christian Streich den Reportern auf der heutigen Pressekonferenz natürlich nicht verraten hat. Das weiß ich, obwohl ich gar nicht vor Ort war, da dienstags bei uns im Verlag der Bär los ist. Wir basteln gerade an der Weihnachtsausgabe unserer Wochenzeitungen, die morgen erscheinen werden. Gerade habe ich das – nebenbei - Video von der heutigen PK gesehen. Fazit: Nach der schwachen Leistung und der Niederlage in Düsseldorf steht der SC unter Spannung; und das ist gut so. Mit aller Macht soll versucht werden, gegen Hannover ein gutes Spiel zu liefern – in der Konsequenz dann möglichst zu gewinnen und das Zwischenziel, 20 Punkte, schon am vorletzten Spieltag der Hinrunde einzutüten. Letztes Jahr waren es zur Saisonhalbzeit übrigens 19 Punkte. Ich bleibe dabei, dieses Jahr werden es 20+X. Wetten, dass!?

Ich übertrage das Spiel SC Freiburg gegen Hannover 96 am Mittwochabend in der baden.fm-Bundesligashow; wir starten um 20 Uhr und ich werde mal wieder von einem Fanreporter begleitet.

 

Das Fußballspiel

(Mein 926. SC-Livespiel im Radio)

 

Es war nicht Fisch und nicht Fleisch. Durch einen Aussetzer des jungen 96-Verteidigers Waldemar Anton, der nach dem ersten Freiburger Eckball den Arm hochriss und den Ball an die Hand bekam, ging der SC Freiburg in der 3. Minute durch den sicheren Strafstoßschützen Luca Waldschmidt per Handelfmeter mit 1:0 in Führung. Eigentlich ist das ein Geschenk, wenn du als Kontermannschaft mit einem tief stehenden, sich einigelnden Gegner rechnest, der nun natürlich seinerseits aus der Reserve kommen muss. Eine Unachtsamkeit des Freiburger Innenverteidigers Dominique Heintz (oder lag vielleicht doch ein Stürmerfoul vor?), nach dem ersten Eckball der Gäste, brachte bereits in der 14. Minute den Ausgleich. So stand es nach einer Viertelstunde 1:1 und das sollte sich bis zum Spielende nicht mehr ändern. Während Hannover-Trainer André Breitenreiter später von einer  - auch spielerisch - starken Partie seiner Jungs sprach, gab Christian Streich umumwunden zu, dass es fußballerisch kein guter Auftritt seiner Jungs war, die aber trotz erneut zu beobachtender Schwächen im Passspiel und wenig „Performance“  in der Offensive, „gegen starke Hannoveraner“ (Streich) zumindest kämpferisch alles in die Waagschale warf und das Spiel so ausgeglichen gestalten konnte. Es gab zwei, drei gute Chancen hüben und zwei, drei gute Chancen drüben – am Ende waren das 1:1 und die Punkteteilung leistungsgerecht. Ein schönes Fußballspiel sieht freilich anders aus.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

(Mehr im Nürnberg-Tagebuch)