< 12. Spieltag der 2. Bundesliga
03.03.2008 00:00 Alter: 11 yrs

22. Spieltag der 2. Fußball Bundesliga


SC Freiburg – FSV Mainz 05

Das Vorspiel

 Alles neu macht… in diesem Fall schon der März. Ab sofort erscheint mein aktuelles Tagebuch zu den Spielen des SC Freiburg in neuem Gewand – und schon sehr bald in einer neuen Umgebung: dem erstmalig konzipierten Internet-Auftritt des gesamten WZO-Verlags, in dem unter anderem von Ettenheim bis Lörrach 13  Wochenzeitungen mit einer Gesamtauflage von wöchentlich 276.650 Exemplaren erscheinen. Ein stolzer Rahmen, über und auf den ich mich sehr freue.

Freuen würde ich mich auch gerne auf das heutige Spiel des SC gegen Mainz 05, doch neben so positiven Empfindungen wie Vorfreude und Spannung, plagen mich an diesem Montagmittag auch Zweifel und Sorge um den Sportclub, dessen häufige Fehlleistungen der vergangenen Wochen und Monate in der tabellarischen Platzierung (jeweils nach Abschluss der Spieltage) bislang ungesühnt blieben, doch schwant mir bei einem Blick auf die aktuelle Tabelle Böses… Die Verfolger haben aufgeholt, der Kreis der Anwärter auf Platz  zwei und drei hinter dem sicheren Meister und Aufsteiger 1899 Hoffenheim (Ich gehe jede Wette ein, dass…) ist riesengroß und der Sportclub steht, wenn er heute nicht gewinnt, nur noch in der dritten Reihe. Vor dem Anpfiff der Montags-Partie des 22. Spieltags weist die Zweitligatabelle den SC Freiburg als Siebten aus. Klar, wenn du gewinnst bist du, punktgleich mit dem Zweiten und Dritten, Vierter und gut im Geschäft, bei einem Unentschieden aber rutschst du gerade noch – wegen des Torverhältnisses – an Aufsteiger Wehen Wiesbaden vorbei, bleibst aber klar hinter Köln und Co zurück – tatsächlich in der dritten Reihe der Aufstiegsanwärter also. Mit der Entwicklung der letzten Wochen vor Augen wäre das, und erst recht eine mögliche Niederlage, der Anfang vom Ausstieg aus den Aufstiegsträumen. Noch heute ärgere ich mich maßlos über die Punktverluste gegen Osnabrück und in Paderborn. Mit einer Niederlage in Hoffenheim kann ich leben – die fünf Punkte, die gegen die genannten Teams aus dem Tabellenkeller abgegeben wurden, tun weh… Hätte der SC diese Zähler, wäre er auch ohne die Punkte aus dem heutigen Mainz-Spiel Tabellenzweiter und könnte sich durch einen Erfolg über Kloppos Truppe zum Spitzenreiter krönen. Pustekuchen. Es geht heute Abend tatsächlich um „Hü“ oder „Hott“, Sekt oder Selters, oder, um es etwas staatstragender zu sagen, um die nähere sportliche Zukunft des SC Freiburg.

Eigentlich sollten solche Voraussetzungen ein Garant für ein volles Stadion sein, aber selbst in offiziellen Verlautbarungen des Vereins geht  man von 15.000 Zuschauern aus – das liegt unter dem Schnitt der vergangenen Saison und auch des Abstiegsjahres und zum Beispiel deutlich unter dem Besuch des Frauen-Länderspiels vom Donnerstag Nachmittag. Und das in einem Top-Spiel gegen Aufstiegs-Mitfavorit Mainz 05. Dieser Umstand und auch die meist sehr verhaltene Stimmung im Stadion trübt ebenfalls meinen sonst üblichen Optimismus und meine Freude auf das Spiel. Andererseits hat Robin Dutt natürlich recht, wenn er sagt, dass der SC heute mit einem Spiel die vergangenen Wochen vergessen machen kann. Die verlockende Vorstellung von einem runden Sieg in einem guten Spiel, von Gesängen der Marke „Der SCF ist wieder da!“ aus vielen tausend Kehlen, macht mich dann doch heiß auf heute Abend.
Der Trainer hat Zeichen gesetzt, vielleicht auch um eine Wende und Aufbruchstimmung zu symbolisieren. Michael Langer, in der Vorrunde noch zweiter Mann beim Deutschen Meister und in der Winterpause – übrigens sicher nicht als Bankhalter – verpflichtet, steht erstmals zwischen den Pfosten. Der zuletzt immer wieder mal umstrittene Walke muss auf die Bank. Er habe Siegermentalität, sagt Dutt über Langer. Tja, Siegertypen sind heute Abend einfach gefragt. Auch im Angriff kann Dutt vieles umkrempeln, wenn er will. Erstmals sind in einer Partie alle Winterzugänge spielberechtigt. Akrout und Idrissou sind daher schon in der Startelf zu erwarten.  Pitroipa ist wieder fit und auch Jäger steht wieder zur Verfügung. Der Trainer hat bei der Offensiv-Aufstellung die Qual der Wahl…     

Für mich selbst sind Montag-Spiele eher ärgerlich. Die Free-TV-Übertragung im DSF kostet meiner Liveübertragung bei „baden fm“ im Vergleich zu anderen Terminen sicher ein paar tausend Hörer und die Vereinbarkeit eines Montag-Spiels mit den speziellen Anforderungen meiner hauptberuflichen Tätigkeit als Redaktionsleiter für den WZO-Verlag beziehungsweise die drei ReblandKurier- und vier Wochenblatt-Ausgaben, die alle am Mittwoch erscheinen, lässt sich durchaus diskutieren. Zum Glück ist es ein Heimspiel... Letztlich bringt mir das aber morgen, am Dienstag, geballte, da angesammelte Arbeit und richtig viel Stress. Mit einem Sieg gegen Mainz und Platz drei oder vier für den Sportclub, ginge die Arbeit dann sicher lockerer von der Hand. Aber das ist im Moment ja noch ziemlich offen… Also völlig. Ich wage keine Prognose. Nee, diesmal nicht.

Das Fußballspiel

Freiburg als "Sieger der Herzen", die Gäste als "Hans- respektive  - Mainz im Glück" - 1:1 lautete der Endstand nach einem  sehr intensiven Fußballspiel und einer sportlichen Tragik, die sich schon beim 1:1 im Hinspiel am Mainzer Bruchweg genauso zugetragen hatte: Freiburg ging verdient in Führung, Mainz glich mit quasi der letzten Aktion des Spiels noch aus.

Doch fangen wir vorne an: Als ich wegen der WZO-Zeitungsproduktion in Müllheim erst eine halbe Stunde vor dem Spiel im Badenovastadion ankam, waren sämtliche Mannschaftsaufstellungen im Presseraum vergriffen. (Rudi R. - was geht da?  Smiley) Als ich dann sah, wer sich da unten auf dem Rasen augenscheinlich intensiver warm machte, musste ich mich erstmal bei Kollegen rückversichern, dass mich meine alternden Augen nicht täuschten. Kevin Schlitte war in der Startformation. "Rechts in der Viererkette soll er kicken - Schwaab wechselt auf links und Aogo spielt neben Banonvic im defensiven Mittelfeld", brachte mich BZ-Sportchef Michael Dörfler auf den neuesten Stand der Dinge. Vorne schickte Robin Dutt mit Pitroipa, Idrissou, Matmour und Akrout ein sehr viel versprechendes Quartett ins Rennen. Nur wer sollte da zentral aus der Tiefe heraus kommen? fragte ich mich selbst und Dörfler. "Scheinbar Pit" war die Antwort.

Beide Mannschaften begannen wie die Feuerwehr; es ging hin und her - temporeich mit Einsatz und scheinbar ohne Rücksicht auf den eigenen Kräftehaushalt.  Nur richtig gute Torchancen blieben Mangelware. Mainz war nicht in der Lage, gegen Freiburgs starke Deckung auch nur einen einzigen Angriff gefährlich bis in Tornähe zu bringen. Sie verlegten sich auf Versuche aus der Distanz, die entweder von Langer, dem Torwartdebütanten des SC, problemlos abgewehrt wurden, oder - wie in der 25. Minute - gegen den Pfosten klatschten. Die heißesten Szenen vor dem Gäste-Tor waren ein Butscher-Kopfball nach Aogo-Ecke in der 18.- und ein Pitroipa-Schuss aus 18 Metern, in der 37. Minute. Jedesmal war Dimo Wache auf dem Posten.

Und nun zu Kevin Schlitte. Nach einer Viertelstunde tat mir der Junge leid. Jeweils im Übereifer passierten dem Ex-Jenaer schon in der Anfangsphase verheerende Dinge: Ein falscher Einwurf, eine extrem frühe Gelbe Karte (9. Minute) und eine völlig misslungene Flanke aus aussichtsreicher Position auf die Tribüne. Doch Schlitte arbeitete sich in die Partie hinein, wurde sicherer, in der Defensive schließlich richtig zuverlässig und er schaltete sich auch immer wieder mal mit ins Angriffsspiel ein. Trotzdem passierte zunächst nichts Aufregendes und es ging mit 0:0 in die Pause.

Obwohl Jürgen Klopp später sagen sollte, seine Elf habe in der zweiten Halbzeit besser gespielt, fand ich, dass Mainz dem Kräfteverschleiß der ersten Hälfte mehr Tribut zahlen musste als der Sportclub. Die Überlegenheit der Hausherren wurde greifbar, das Führungstor lag plötzlich in der Luft. Nach einer der vielen, von Dennis Aogo gefährlich vor das Tor geschlagenen Eckbälle, schraubte sich ausgerechnet Kevin Schlitte, der Pechvogel der ersten Viertelstunde, in der 59. Minute kraftvoll in die Höhe und köpfte den Ball unhaltbar für Wache ins Netz.
Die umjubelte und verdiente SC-Führung, die Mainz fortan dazu zwang mit großem Risiko in die Offensive zu gehen. Dem Sportclub boten sich - vor allem in der Schlussviertelstunde - Kontermöglichkeiten, dass es eine reine Freude war. Der einzige Vorwurf an diesem Abend muss lauten, dass sie diese Konter nicht kaltblütig konsequent und torhungrig zu Ende gespielt haben.

Der Vorwurf an den insgesamt recht schwachen Schiedsrichter Gagelmann muss lauten, dass er kurz vor Schluss ein klares Handspiel eines Mainzer Verteidigers im Strafraum, das Banovic am Torabschluss hinderte, nicht erkannte und dem Sportclub damit einen Elfmeter verweigerte.

Es kam, wie es kommen musste; zumindest, wenn Freiburg gegen Mainz spielt. Eckball in der Nachspielzeit, 22 Mann - inklusive Torwart Wache - im Freiburger Strafraum, Herumgestochere im Fünfmeterraum und irgendwann zappelte die Kugel im Netz. 1:1 - Anstoß, Abpfiff, Ende.

Das Nachspiel

Die Zuschauer bewiesen ein gutes Gespür, als sie die nach dem last-minute-Ausgleich scheinbar am Boden zerstörte SC-Mannschaft nach dem Abpfiff mit Beifall und Jubel belohnten. Wenn die Jungs auch kein berauschendes Fußballfest geboten hatten, keine Ballpassagen zum Zunge schnalzen, es war ehrliche und gute Arbeit gewesen; mit einer deutlichen Steigerung im Vergleich zu den Vorwochen. Und es war riesengroßes Pech, dass das Dargebotene nicht zum Sieg gereicht hatte.

"Es war ein gefühlter Sieg", freute sich Jürgen Klopp nach dem Abpfiff. "Für uns war es eine gefühlte Niederlage", haderte Robin Dutt mit dem nicht gegebenen Handelfmeter und dem späten Ausgleichstor der Gäste. Freiburgs Trainer berichtete aus der Kabine von einer Trotzreaktion. Kaiserslautern müsse sich am Freitag warm anziehen, ließ er verlauten. Diesen Satz hätte er sich vielleicht verkneifen sollen, dürfte er doch beste Motivationshilfe für die "Roten Teufel" vom Betzenberg sein. Im Übrigen könnte die Frage auftauchen, ob eine Auswärtsmannschaft, die beim Tabellenletzten Paderborn verloren hat, vor dem Gastspiel beim Drittletzten  einen Grund hat, mit Sprüchen aufzutrumpfen, als führe der FC Bayern zum SV Alsenborn. Andererseits, menschlich kann ich Dutt verstehen. Aber was ist schon menschlich am Job eines Profitrainers? Souverän war die Aussage, die Jürgen Klopp übrigens überrascht aufhorchen ließ, jedenfalls nicht - es sei denn, es folgt jetzt eine Top-Leistung und ein klarer Sieg des SC in Kaiserslautern.

Und hier sind die Bewertungen der SC-Spieler aus der Bundesliga-Show von "baden fm": Langer wurde wenig geprüft. Zwei, dreimal konnte er problemlos abwehren, zwei, dreimal gingen Distanzschüsse daneben, einmal gegen den Pfosten. Das Ausgleichstor ist ihm nicht anzukreiden. Note: 3. Schlitte startete äußerst unglücklich mit einem falschen Einwurf und einer frühen Gelben Karte. Dann steigerte er sich jedoch deutlich und avancierte sogar zum Torschützen. Note: 3+. Butscher und Krmas verrichteten als Innenverteidiger-Duo top-Arbeit. Kein einziger Mainzer Angriff führte zu einer Chance in Tornähe - nur Distanzschüsse und Standardsituationen brachten Chancen für Mainz. Für Butscher und Krmas gibt es die Note 2. Schwaab kommt links scheinbar nicht so gut zurecht wie auf der gewohnten rechten Seite. Der Abiturient aus Walkirch hatte eine ungewohnt hohe Fehlerquote. Note: 3-. Aogo stand im Mittelfeld häufiger im Blickpunkt als auf links in der Viererkette. Er machte seine Sache ganz gut. Auffällig gut waren diesmal seine Eckbälle. Note: 2-3. Banovic war der Stratege im Mittelfeld. Übersicht, Aggressivität und Souveränität zeichneten ihn aus. Note: 2. Pitroipa war - gemessen an seinen Möglichkeiten - in der Tiefe des Mittelfeldes etwas verloren. Trotzdem war die Leistung ok - für "Sahnenoten" sollte er aber außen und ganz vorne eingesetzt werden. Note: 3. Matmour war enorm bemüht, entfaltete aber zu wenig Wirkung. Note: 3-4. Idrissou rannte viel und half hinten aus. Eigentlich ist er aber Stürmer und davon war zu wenig zu sehen. Note: 4. Akrout war der auffälligste Akteur des Freiburger Offensivquartetts. Noch ein paar Spiele und der junge Tunesier wird zum "Juwel" im SC-Sturm. Note: 2. Die eingewechselten Jäger und Uzoma spielten nur wenige Minuten und bekommen keine Note.

Platz sechs - zwei Punkte bis Platz zwei und drei. Zu eng ist das, um die  Aufstiegs-Flinte ins Korn zu werfen. Also gut, Robin Dutt, dann sollen sich die Lauterer am Freitag warm anziehen. Aber nicht, weil es ja in der Tat richtig kalt werden soll, sondern weil Ihr sie weghaut - mit Macht, mit Spielwitz und mit Toren. Eins Auswärtssieg, der tut jetzt Not - für das Gemüt und für die Tabelle. Ich übertrage am Freitag ab 18 Uhr.

Ich freue mich über Ihre Stellungnahmen, Meinungen und Einschätzungen im Gästebuch meiner Homepage www.frank-rischueller.com.