< 22. Spieltag der 2. Fußball Bundesliga
06.03.2008 00:00 Alter: 11 yrs

23. Spieltag der 2. Fußball Bundesliga

1. FC Kaiserslautern - SC Freiburg


Das Vorspiel

Jetzt stehen sie - bis auf 1860 München - alle vor dem SC Freiburg, die Bewerber um einen der ersten drei Plätze in der 2. Bundesliga. Als Siebter muss der Sportclub jetzt vier Mannschaften verdrängen, um selbst den dritten Platz zu erreichen. Da es höchst unwahrscheinlich ist, dass die anderen ständig patzen - schon gar nicht alle gemeinsam - kann man wohl davon ausgehen, dass es einer kleinen Siegesserie bedarf, um sich auf einem Aufstiegsplatz zu positionieren. So drei bis viermal ein Dreier müsste her.

In meiner Zeitungskolumne im ReblandKurier und Wochenblatt habe ich die Frage gestellt, ob solch ein Husarenritt der Mannschaft, die in den letzten zehn Spielen nur einmal gewinnen konnte, zuzutrauen ist. "Nicht wirklich" habe ich als Antwort gleich mitgeliefert. Auch scheinen mir die Spiele in Kaiserslautern, gegen Köln und am Ostersonntag in Aue, wo es meistens furchtbar lief für den SC, nicht unbedingt den Start einer Siegesserie nahezulegen. Als ich diese, meine Gedanken niedergeschrieben hatte, drängte mich aber doch mein SC-Herz dazu, journalistisch einen sportlichen Ausweg zu finden. Und der heißt: "Von Spiel zu Spiel denken!"

In der Tat ist es ja so, dass die im Spiel gegen Mainz dargebotene Leistung durchaus die Hoffnung auf ein Erfolgserlebnis in Kaiserslautern nährt. Ich bin sogar sicher, wenn die Truppe so engagiert und spielfreudig zur Sache geht wie gegen die 05er, dann kann sich Lautern noch so warm anziehen, dann werden die vom SC eiskalt erwischt und - wie so oft in den vergangenen Jahren - im eigenen Stadion besiegt. Wenn, ja, wenn...

Also gut, spinnen wir den Gedanken mal fort: Der SC kickt gegen Lautern so gut wie gegen Mainz, und das war für Zweitligaverhältnisse durchaus beachtlich, und fährt mit drei verdienten Punkten nach Hause. Ganz unabhängig von der Frage, ob die Dutt-Truppe dann Vierter, Fünfter, Sechster oder Siebter ist, würde vor dem Top-Spiel gegen Köln in und um Freiburg emotional eine völlig andere Situation entstehen als jetzt. Vielleicht würde ja sogar das Publikum aufspringen und am Montag in acht Tagen in angemessener Zahl ins Badenovastadion pilgern. Mit breiter Brust - nach einem Auswärtssieg auf dem Betzenberg - ein Heimspiel gegen Köln. Da wäre dann alles möglich. Und so weiter und so fort.  Von Spiel zu Spiel denken, heißt aber auch, hier und jetzt mit den Träumereien aufzuhören und nur noch Kaiserslautern im Kopf zu haben.

Letzteres fällt mir schwer. Nicht wegen des SC, sondern weil Yoani, meine Lebensgefährtin aus der Karibik, gerade wieder für ein paar Monate bei mir ist und heute ihren 35. Geburtstag feiert. Hier in Freiburg. Wie könnte ich da "nur" an Kaiserslautern denken. Für's Tagebuch will ich es aber mal kurz tun: Ich meine, der Sportclub muss morgen von Beginn an voll auf Sieg spielen und auf seine fußballerischen Qualitäten bauen, die jenen der Lauterer ganz sicher überlegen sind. Vielleicht erinnert sich Pitroipa an seine Galavorstellung von letzter Saison und Akrout gelingt es, auch bei seinem vierten Pflichtspieleinsatz für Freiburg, eine richtig starke Leistung zu bringen. Akrout hat mir bei allen seinen Einsätzen super gut gefallen. 

Mit optimistischen Gefühlen fahre ich also morgen mit Yoani über Straßburg, Neustadt an der Weinstraße und durch den Pfälzer Wald ins schöne, na ja..., Kaiserslautern. Der Spaß kostet mich zwar einen halben Urlaubstag, aber ich nutze das dann zu einer fußballerischen Wochenendtour nebst Familienbesuch. Zwar ist Kaiserslautern nicht gerade eine Nachbarstadt von Bielefeld, aber Arminia spielt mit dem ex-Freiburger Frontzeck auf der Bank gegen Schalke 04 - und immerhin liegt der Betzenberg 100 km näher an Bielefeld als das Badenovastadion. Also, habe ich meinem Schatz erklärt, besuchen wir am Wochenende meine Eltern in Bielefeld. Und alle freuen sich. Ist das jetzt "typisch Mann", frage ich mal in die Runde? Ich finde, das ist logisch gedacht und freue mich auf's Wochenende. Hoffentlich gelingt der Sieg in Lautern!

Und jetzt wird Geburtstag gefeiert...

Zwischenspiel

Die Tücken der Technik ließen mich das komplette Tagebuch zum Kaiserslautern-Spiel zwar verfassen, nicht aber veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis und liefere hiermit nach.

Das Fußballspiel

„Das Unentschieden ist einfach zu wenig für uns“, erklärte SC-Trainer Robin Dutt nach der 0:0 Magerkost in Kaiserslautern. Zu wenig Punkte und zu wenig Leistung möchte ich anfügen. Das Spiel vor gut 21.000 Zuschauern war ein Grotten-Kick. Der stark abstiegsgefährdete FCK beschränkte sich zunächst auf das Verhindern eines Gegentreffers und befleißigte sich dafür der im Abstiegskampf üblichen Mittel. Da der schwache Schiedsrichter Sippel aus München dem nicht Einhalt gebot, liest sich das Zwischen-Ergebnis wie ein medizinisches Bulletin: In der 30. Minute lädierte ein Lauterer Ellbogen das Nasenbein von SC-Verteidiger Butscher. Der ex-Bochumer musste ebenso das Spielfeld verlassen, wie vier Minuten später der abermals im Mittelfeld aufgebotene Dennis Aogo. Letzterer wurde Opfer eines üblen Foulspiels, das ihm eine starke Prellung und den Verdacht auch Bändrriss – in der Diagnose später reduziert auf Bänderdehnung – einbrachte. Sein Lauterer Gegenspieler hatte keine Chance auf den Ball, sondern nur Aogos Beine im Visier als er ihn umtrat. Dass Schiri Sippel dann auch noch auf Freistoß für die Platzherren entschied, verdeutlicht, dass der Münchener Referee nun wirklich keinen guten Tag erwischt hatte. Ansonsten blieb die erste Halbzeit auf dem Betzenberg ohne nennenswerte Höhepunkte. Der Sportclub fand vor dem Wechsel zu keinem Zeitpunkt fußballerische Mittel um den seitens der Platzherren angerührten Beton zu durchbrechen. Ein Freiburger Sturmspiel fand praktisch nicht statt. Kaiserslautern kann dem Vorwurf, vor eigenem Publikum nur destruktiv gespielt zu haben, entgegensetzen, dass es die beste Chance der ersten Halbzeit verbuchen konnte. In der elften Minute nämlich war den Pfälzern ein Konter gelungen. Eine schöne Flanke von Lexa hatte Ziemer aus Mittelstürmerposition knapp am Freiburger Tor vorbei geköpft. Das war es auch schon in Halbzeit eins.

Die zweite Hälfte gestaltete sich etwas unterhaltsamer. Sie begann in der 47. Minute mit einem Schuss aus der Drehung von Idrissou. Der Ball ging knapp über das Tor, aber immerhin; der als Torjäger verpflichtete hoch aufgeschossene Nationalspieler aus Kamerun war im Strafraum des Gegners aufgetaucht und hatte auf’s Tor geschossen. Seiner eigentlichen Bestimmung war er damit sehr nahe gekommen. Drei Minuten später, der zweite Versuch des FCK, ein Tor zu erzielen. Aus 22 Metern Entfernung hatte Reinert einfach mal drauf gehalten und quasi ein Wembley-Tor erzielt, also eines, das keines war, weil der Ball von der Unterkante der Latte nicht hinter die Torlinie gesprungen war, sondern auf, oder vielleicht sogar kurz vor der Torlinie. In der 58. Minute prüfte dann Banovic den Lauterer Torhüter Tobias Sippel, der nur zufällig denselben Nachnamen trägt wie der Schiedsrichter (hoffe ich doch…). Ein gefährlicher direkter Freistoß des früheren Nürnbergers war es, den der Keeper aber entschärfen konnte.

Da Robin Dutt durch die beiden verletzungsbedingten Auswechslungen aus der ersten Halbzeit nur noch einmal aus sportlichen oder taktischen Gründen wechseln konnte, wartete er bis zur 68. Minute, um dann den flinken Jäger für den langsam ermüdenden und, gegen die noch immer rustikal tretenden Lauterer, um seine (teuren) Beine besorgten Pitroipa  zu bringen. Kurz darauf wäre fast doch noch die Entscheidung zu Gunsten des SC Freiburg gefallen. Ein Traumpass von Banovic auf Akrout brachte den neuen tunesischen Stürmer, der weitgehend in der Luft hing, in aussichtsreiche Schussposition. Der Abschluss war dann aber recht kläglich und bereitete Torwart Sippel keine Mühe. Abpfiff, Ende, 0:0. „Zu wenig“, wie Robin Dutt wenig später sagen sollte.

 Das Nachspiel

Mit nur einem Sieg aus elf Spielen, mit dem enttäuschenden 0:0 vom Betzenberg im Gepäck,  macht der Reporterjob auch nicht so viel Spaß wie in guten Saisonphasen. Wenn man dann, wie ich, am Freitagabend in einem Frankfurter Hotelzimmer sitzt, um das Tagebuch ins Internet zu stellen und die Technik einen daran hindert, dann… Ja, dann möchte man am liebsten eine Tür zerdeppern, so wie Banovic im Kabinentrakt des Badenovastadions nach dem 1:1 gegen Mainz. Zum Glück hatte ich meine Freundin Yoani dabei, die zwar keine Ahnung von Fußball hat, das Spiel in Kaiserslautern aber „zum Gähnen“ fand. Ohne sie hätte ich einen derartigen Frust geschoben…

Am nächsten Tag ging es gleich so weiter. Auf nach Bielefeld: Arminia gegen Schalke. Mein Heimatverein im Überlebenskampf und letztlich chancenlos gegen S 04. Der frühere Freiburger Mittelfeldspieler Michael Frontzeck ist als Arminia-Trainer noch immer ohne Sieg. Ich selbst war an diesem Wochenende bei zwei Spielen ohne ein Tor einer von mir favorisierten Mannschaft geblieben. War das bitter. Immerhin konnte ich am Samstagabend wieder einen Text ins Internet stellen und schrieb und schrieb und schrieb. „Speichern und freigeben“ wollte ich mein Tagebuch dann – und Pustekuchen. Nichts ging.

Kurz: Es war nicht mein Wochenende. Zumindest nicht als Fußballreporter. Das hatte schon Freitagabend mit dem Langweiler auf dem Betzenberg und der Info von „baden fm“ -Moderator Markus Schäfer, dass nach dem Spiel keine Zeit mehr blieb, um die Spielerbewertungen auszustrahlen, begonnen.

Zusätzliche Punkte für den SC kann ich zwar nicht liefern, aber die Einzelbewertungen von Freitag kann man hier und jetzt nachlesen:

Langer wurde kaum geprüft. Er spielte zu null. Deshalb die Note 2-3. Schwaab ist in der Viererkette links längst nicht so stark wie rechts, vor allem nicht im Offensivspiel. Note: 3-. Butscher bot bis zu seiner Verletzung eine korrekte Leistung. Note: 3. Krmas spielte ohne Fehl und Tadel. Note: 2. Schlitte spielte etwas unaufgeregter als gegen Mainz. Note: 3-. Banovic schlug gute Pässe und Freistöße. Note: 2-. Aogo fiel bis zu seiner Verletzung  nicht auf, zumindest nicht durch gute Szenen. Note: 4. Pitroipa setzte zwar zwei, drei technische Highlights, konnte aber in keiner Phase an seine Galavorstellung aus der Vorsaison in Kaiserslautern erinnern. Note: 4+. Idrissou bemühte sich auf der linken Angriffsseite redlich, ohne wirklich zu überzeugen. Note: 4. Matmour  fand trotz vieler Versuche auch keine Lücke im Lauterer Beton. Note: 4. Akrout, der Hoffnungsträger, blieb diesmal harmlos. Note: 4. Barth kam in der 30. Minute für den verletzten Butscher und machte seine Sache überraschend ruhig und abgeklärt. Note: 3+. Uzoma kam für Aogo in Mittelfeld, spielte sein Spiel, ohne Glanzpunkte zu setzen. Note: 3. Jäger brachte nach seiner Einwechslung für Pitroipa durchaus frischen Wind ins Freiburger Angriffsspiel. Er nähert sich nach seiner langen Verletzungspause rapide der Startformation. Note: 2-. 

Es ist Montag. Jeder weiß inzwischen, dass der SC auf Rang sieben verharrt, heute Abend vielleicht sogar noch auf Platz acht verdrängt wird, in jedem Fall aber vier Punkte Rückstand zu den Aufstiegsplätzen hat. Die Konkurrenz marschiert, während der SC Unentschieden sammelt. Das 0:0 von Freitag war schon das neunte in der laufenden Saison. Nach wie vor gilt meine These, dass nur noch eine Siegesserie mit (inzwischen) vier oder fünf Erfolgen am Stück die Aufstiegshoffnungen noch einmal wach rufen könnte. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt man ja. Bei mir liegt sie auf der Intensivstation und ich sitze am Bett und halte Händchen.

Frank Rischmüller

Ich freue mich auf Ihre Meinungen und Anregungen im Gästebuch meiner HP www.frank-rischmueller.com