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21.03.2008 00:00 Alter: 10 yrs
Von: Frank Rischmüller - Mein aktuelles SC-Tagebuch

25. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga

FC Erzgebirge Aue - SC Freiburg


Das Vorspiel

"Winterreifen brauchen sie auf jeden Fall", hat der Pressesprecher vom FC
Erzgebirge Aue gestern am Telefon gesagt. Aber auch, dass es eine Rasenheizung im Stadion gibt und dass das Spiel am Ostersonntag wohl auf jeden Fall stattfindet. So weit (undwie! 600 km...), so gut. Vor einer Woche sah das noch ganz anders aus. Draußen schien die Sonne und ein freundlicher Aussteller auf der Freiburger "Camping, Freizeit und Touristik" bot mir genialer Weise für ein langes Wochenende einen Campingbus mit allen Schickanen an, um ein Auswärtsspiel des SC zu besuchen. Ein tolles Abenteuer mit meiner Freundin Yoani, dachte ich mir, Hotel sparst du auch noch, auf ins Erzgebirge! Mit dem Campingbus! Pustekuchen. Am Dienstag habe ich abgesagt und die Campingbus-Tour auf Pfingsten verschoben, wenn der SC in Mönchengladbach spielt. Kälte und Schnee waren angesagt für Ostern im Erzgebirge. Heute ist Karfreitag und der böse Traum wird Realität. Winterreifen? Klar, hab ich. Auf meinem "Winterauto", einem kleinen Nissan Micra, den ich für die kleinen Touren in und um Freiburg nutze, wenn sich mein Mini-Cabrio von Oktober bis Ende März "ausruht". Mit dem Micra bei Schneeglätte und Minusgraden durch die Ex-DDR zu gurken, das ist nicht wirklich das, was ich Yoani zu unserem gemeinsamen Osterfest bieten möchte. Nicht mal mir allein. Aber ok, machen wir das Beste daraus. Ich habe, damit der Ostersonntag nicht zu öde wird mit 12 Stunden Autobahn und zwei Stunden "Wismut Aue" hören, zwei Nächte in der Pension "Waldfrieden" gebucht. Eine gemütliche kleine Herberge mit gut bürgerlicher Küche zu Preisen wie zu Ade... ähm, also fast wie zu Honeckers Zeiten. Vor zwei Jahren war ich schon mal da - auch bei Schnee. Der Sportclub hat verloren. Genau wie letztes Jahr, als ich mit dem "Schwarzwald-Ammer" Andreas Eckermann - beruflich ansonsten sehr seriös als Kundenberater bei uns im Verlag tätig - und dem BZ-Dörfler gemeinsam angereist war und wir nach einem sehr netten Abend in Plauen übernachtet haben. Trotzdem: Verloren hat der Sportclub immer, also beide Male, als er in Aue Fußball gespielt hat. Irgendwie hatten die immer Probleme, sich auf die rustikale Spielweise und die schon etwas vergiftete Atmosphäre auf den Rängen einzustellen. Ich hoffe, die Jungs wissen, worauf sie sich einlassen und geben diesmal auch kämpferisch contra. Robin Dutt hat vorhin, auf der Pressekonferenz, so etwas angedeutet. Auch weil der rasenbeheizte Platz im Erzgebirgsstadion zumindest sehr nass, tief und schwer sein dürfte. "Kämpferisch  dagegen halten und in einigen Situationen die spielerische Überlegenheit ausnutzen" wolle man, hat Dutt gesagt. Und auch, was ich schon gleich nach dem Köln-Spiel hier (oder war es in meiner Kolumne?) geschrieben habe: Der Sieg über Köln wird dann richtig wertvoll, wenn es jetzt gelingt, noch einen Dreier hinterher zu legen.

Die Mannschaft hat es gut. Sie fliegt morgen Nachmittag mit einer Chartermaschine von Lahr nach Hof. Von dort sind es dann noch 90 km mit dem Mannschaftsbus bis zum Ziel.  Hof heißt auf meinem Reiseplan "Autobahndreieck Bayerisches Vogtland". Yoani, mein Micra und ich haben dann schon rund fünf Stunden Autobahn hinter uns, wenn es gut läuft. Ein Stündchen oder mehr - je nach Schneesituation auf den Straßen - liegen dann noch vor uns. Um halb vier will ich in Aue in einer Sportsbar sitzen und die 1. Liga anschauen. Also fahren wir schon um halb neun in Freiburg ab. SC-Sprecher Rudi Raschke hat versprochen anzurufen, wenn das Spiel wider Erwarten doch noch abgesagt wird. Das wäre echt der Hammer, wenn ich das dann in Höhe Plauen oder so erfahre. Wegen der Rasenheizung bin ich aber zuversichtlich, dass gespielt wird. Der FC Erzgebirge hat für morgen Fans einbestellt, um den Schnee von den Rängen zu schieben. Jeder der mitmacht bekommt einen heißen Tee und eine Freikarte für Sonntag. Eigentlich ganz sympathisch.

Und doch empfinde ich nur wenig Sympathie für den FCE Aue und seine Fans. Weil es so weit ist und Freiburg da zweimal verloren hat - klar, deswegen auch. Vor allem aber, weil mir persönlich in keinem anderen Stadion so viel Fremdenfeindlichkeit, insbesondere gegenüber den Farbigen Spielern des SC aufgefallen ist. Verhasst sind die Fans in ostdeutschen Stadien schon etwas mehr als anderswo. In Cottbus und Jena brauchst Du als auswärtiger Sportler, Zuschauer oder auch Journalist durchaus ein dickes Fell und am besten Stöpsel in den Ohren. In Aue hatte das Ganze bei den beiden Spielen, die ich mit Freiburg dort erlebt habe aber auch diese fremdenfeindliche, rassistische Seite. So habe ich es zumindest erlebt und empfunden. Das geht so weit, dass ich sogar ernsthaft darüber nachgedacht habe, ob ich meine milchkaffe-braune Freundin Yoani gefahrlos mitnehmen kann.

Rassismus gibt es aber natürlich auch bei uns im eigenen Stadion. Beinahe aberwitziger Weise richteten sich die hirnlosen Blökereien einer kleinen Minderheit vor Jahr und Tag gegen Spieler der eigenen Mannschaft - Roda und Dodo, wer würde sich nicht erinnern. Die beiden Libanesen flippten beinahe aus; Roda sprang sogar über den Zaun, um sich die Hirnlosen vorzuknöpfen. Beim SC-Spiel in Köln setzte sich der Konflikt fort, weil plötzlich viele SC-Begleiter auf den Rängen beim "Nie mehr Roda Antar" mitsangen, die meisten vermutlich, ohne die Hintergründe zu kennen. Roda A. ließ sich daraufhin zu einer unschönen Geste in Richtung Freiburger Fanblock verleiten. Am Montag, beim Heimspiel gegen Köln gab es dann von noch mehr Zuschauern gellende Pfiffe bei jeder Ballberührung von Roda. Jedem, der einfach so mitmachte, möchte ich daran erinnern, welche Art von intelligenter  und angenehmer Stadionkultur  den SC Freiburg früher von den anderen Vereinen unterschieden hat. Jeder, der am Montag mit gepfiffen hat, wenn Antar den Ball hatte, und die Ursprünge des Konfliktes kannte, stellt sich für mich auf eine Stufe mit den dumpfen Gröhlern, die mich in Aue so anwidern. Das wollte ich noch los werden. Vielleicht regt es den einen oder anderen zum Nachdenken an. Vielleicht auch nicht.

Sportlich kann sich der SC am Sonntag durch einen Sieg im Kreis der aussichtsreichsten Bewerber um Platz drei zurück melden. Platz eins und zwei scheint an Gladbach und Hoffenheim zu gehen. Letztere sind übrigens zu Gast beim Dritten in Mainz, während der SC in Aue kickt. Da kann sich also schon am Sonntag gewaltig etwas verschieben, wenn der Sportclub erstmals im Erzgebirge erfolgreich ist. Personell, so mein Eindruck aus der heutigen Pressekonferenz, wird sich kaum was ändern. Butscher ist nach wie vor verletzt, also wird Barth wohl wieder spielen und in der Offensive gibt es auch keinen Grund, die Startelf zu verändern. Gegen die klobigen Auer Verteidiger sind die flinken und leichtfüßigen Jäger, Akrout und Matmour vermutlich die beste Waffe. Auch Pitroipa  könnte theoretisch gut passen, aber sein Defensivverhalten steht bei Robin Dutt etwas in der Kritik. Vielleicht auch seine Gesamteinstellung zu seinem Noch-Arbeitgeber SC Freiburg. Das sagt Robin Dutt allerdings nicht. Aber ich denke darüber nach.

Das Fußballspiel

In der Nacht vor dem Aufeinandertreffen zwischen den Veilchen vom FC Erzgebirge Aue und dem SC Freiburg hatte der Winter Einzug gehalten im Erzgebirge. „Der erste Schnee in diesem Jahr“, versicherte mir die Wirtin der Pension Waldfrieden und Yoani aus der Karibik war nicht vom Fenster weg zu kriegen, angesichts der für sie ungewohnten weißen Pracht, die da vom Himmel fiel.

Entsprechend schwierig waren – trotz Rasenheizung – die Bedingungen im Erzgebirgsstadion. Wer würde sich als erstes und letztlich besser auf diese Bedingungen einstellen und damit zurecht kommen? Die Hausherren, die vor dem Spiel sechs Punkte Abstand zu einem Nicht-Abstiegsplatz aufwiesen, oder die Gäste aus dem Schwarzwald, die nur zwei Zähler Rückstand auf einen Aufstiegsplatz  aufwiesen?  Es war der Gastgeber. Die Veilchen gingen robuster und damit erfolgreicher in die Zweikämpfe. Das ging so weit, dass Aue die ersten 45 Minuten dominierte. Folgerichtig gelang dem FC Erzgebirge vor 10.500 Zuschauern  in der 21. Minute die verdiente Führung. Ärgerlich war die Entstehung des Treffers. Ein völlig unnötiger Fehlpass von Butscher im Mittelfeld leitete den Auer Angriff ein. Krmas und Butscher gegen den Stürmer Orahovac hieß das numerisch ungleiche Duell wenige Sekunden später im Strafraum. Der Angreifer der Erzgebirgler tanzte mit dem Ball und den beiden Freiburger Innenverteidigern fehlte auf dem tiefen, seifigen Geläuf die Standfestigkeit. Beide strauchelten und Orahovac ließ Langer im SC-Tor keine Abwehrchance.

Es dauerte eine geschlagene halbe Stunde, bis der – in Aue alle Jahre wieder problembelastete – Sportclub zu seiner ersten Tormöglichkeit kam. Auf der rechten Seite setzte sich Schwaab dynamisch durch und spielte dann von der Grundlinie aus schulmäßig einen Rückpass vor die Füße von Jäger. Die Direktabnahme des Franzosen aus 14 Metern Torentfernung wurde aber von Aue-Torwart Tomasz Bobel entschärft. Der Sportclub schien jetzt aufgewacht zu sein. Das nächste Lebenszeichen in der 35. Minute: Eine gelungene Flanke von Schlitte, der auf der linken Seite erneut überzeugen konnte, findet den Kopf von Akrout. Der wuchtige Kopfstoß des Tunesiers geht aber knapp am Tor vorbei. In der 42. Minute hält Banovic aus 25 Metern Entfernung drauf – vorbei. Unter dem Strich war die Auer Führung zur Pause aber korrekt. Im Zweikampf aggressiver hatte der heimische FCE mehr vom Spiel gehabt und das Freiburger Mittelfeld fand mehr oder weniger nicht statt. Impulse für das Spiel nach vorne gab es jedenfalls nicht.

Uzoma, der schon in der 5. Minute die Gelbe Karte gesehen hatte, daher im Tackling zurückhaltender agieren musste und im Spiel nach vorne im Übrigen wirkungslos geblieben war, blieb nach dem Wechsel in der Kabine. Jonathan Pitroipa kam, rutschte auf die 10er-Position des bis dahin sehr blassen Aogo, während dieser für Uzoma auf die Doppelsechs rutschte. In der 51. Minute flankt wieder einmal der agoile Schlitte auf Akrout. Dessen Seitfallzieher sah toll aus. Mit seinem starken, linken Fuß erwischt der Tunesier den Ball, kann Keeper Bobel aber nicht überwinden. „Das musste schon der Ausgleich sein, den muss er machen“, ärgerte sich Robin Dutt später hörbar über diese ausgelassene Chance. Ärgern mussten sich wenig später auch die Gastgeber. Ein klares Foul von Schwaab an Orahovac im Strafraum hätte einen Elfmeter für die Auer zur Folge haben müssen. Schiedsrichter Zwayer aus Berlin stand direkt daneben und entschied zur Verwunderung aller auf „Schwalbe“. Statt Elfmeter für Aue, gab es eine Gelbe Karte gegen den gefoulten Spieler. Von nun an hatte der Schiri die 10.500 Zuschauer massiv gegen sich. Erst recht, nachdem dem SC Freiburg kurz darauf der Ausgleich gelang. Ein Freistoß aus der Tiefe des Raumes wurde von Aogo scharf auf’s Tor gezogen und irgendwie landete die Kugel im Netz. Der Stadionsprecher meldete Butscher als Torschützen, Beobachter mit Fernsehschirm berichteten von einem direkt von Aogo verwandelten Freistoß, während Robin Dutt später erklärte, Krmas sei noch knapp am Ball gewesen. Torschütze Krmas also, aber mehr als 50 Prozent des Verdienstes für diesen Treffer gelten Aogo.

Nur vier Minuten durfte sich Freiburg und seine knappe Hundertschaft an Anhängern im kalten Erzgebirgsstadion über den Ausgleich freuen und vom Sieg träumen. Dann hieß es wieder „Tor für Aue“ und Rückstand für den SC: Wie schon beim 1:0, leistete auch diesmal der Sportclub selbst die Vorarbeit. Torwart Langer hatte den Ball am Fuß und spielte einen verhängnisvollen Fehlpass. Sekunden später wurde der Österreicher zwischen den SC-Pfosten von Nemec bezwungen. Dutts nächster Schachzug: Idrissou kam für den relativ wirkungslosen Matmour. Das Spiel war in der zweiten Halbzeit ein offener Schlagabtausch beider Mannschaften mit heruntergelassenem Visier. Chancen gab es hüben wie drüben. Der SC, der vor der Pause enttäuscht hatte, spielte jetzt besser mit und durfte zumindest darauf hoffen, noch ein Unentschieden zu reißen. Dies sollte dann auch gelingen: Drei Minuten vor dem Ende, eine Kopie des Treffers zum 1:1. Aogo schlug den Ball bei einem Freistoß scharf Richtung linkes Tordreieck, Krmas kommt noch irgendwie dran und das Leder zappelt im Netz. Riesenjubel bei Spielern, Trainerbank und Fans. Sie alle wollten jetzt sogar noch mehr, doch wäre ein Auswärtssieg in Aue des Guten vermutlich zuviel gewesen. Immerhin ärgerten sich die aufgebrachten Gastgeber zu Recht über den  nicht gegebenen Elfmeter. So hieß es am Ende – insgesamt gesehen halbwegs gerecht – 2:2 unentschieden.

Das Nachspiel

 

Angesichts der Ergebnisse der Konkurrenz – Mainz und Hoffenheim trennen sich unentschieden, Fürth und München 60 verlieren, nur Köln gewinnt sein Heimspiel – kann ich, auch wenn ich immer wieder auf die Notwendig einer Siegesserie hinweise, sehr gut mit dem Unentschieden in Aue leben. Immerhin ist es der erste Punkt überhaupt, den der Sportclub in diesem „gallischen Dorf“ der zweiten Liga holt. Die rustikale Kampfeslust der Erzgebirgler hat die fußballerisch deutlich besseren Freiburger in der Vergangenheit stets in die Schranken gewiesen. Heute auch, über weite Strecken. Vor allem in der ersten Halbzeit. Aber eben nicht über die gesamten 90 Minuten. Etwas Glück kam dazu, weil der Schiri das elfmeterreife Foul von Schwaab nicht geahndet hat, da kann man sich als Freiburger einfach nicht beklagen, wenn es am Ende 2:2 heißt.

So sah es im Grunde auch Trainer Robin Dutt, der das allerdings so lieber von Reportern sagen lassen wollte, als es selbst zu sagen. Seine offizielle Lesart war die: „Wir wollten hier gewinnen und haben unser Ziel nicht erreicht.“ Schelten wollte er sein Team aber trotzdem nicht. Der tiefe, seifige Boden habe das sonst übliche Flachpassspiel der Gäste nicht zugelassen, das Kampfspiel sei somit vorbestimmt gewesen und in Sachen Einstellung sei seiner Mannschaft kein Vorwurf zu machen. Als „ärgerlich“ empfand der Trainer, dass den beiden Auer Toren jeweils völlig unnötige Ballverluste des Sportclubs vorausgingen. Einmal spielte Butscher den verhängnisvollen Fehlpass, einmal Torhüter Langer. Dem eingewechselten Pitroipa attestierte Dutt noch eine ansprechende Leistung, schon war der kleine Smalltalk im Anschluss an die Pressekonferenz vorüber. In der PK selber hatte sich Dutt ausdrücklich für die freundliche Gastfreundschaft der Erzgebirgler, deren Region er zum ersten Mal besucht hatte, bedankt. Er ließ sich sogar auf die Aussage ein, dem FCE alles Gute für den Klassenerhalt zu wünschen, da er, Dutt, lieber nach Aue fahre, als zu einigen anderen Zielen. Ein Blick reichte, um das kleine Eigentor zu erkennen. Auch Dutt führe nächste Saison sicher lieber nach Bremen, Schalke und Dortmund als nach Aue – und das teilt er mit mir. Als freundlicher Gast hatte er halt was Nettes sagen wollen und dabei die Aufstiegschance der eigenen Mannschaft etwas übersehen. Im kleinen Kreis haben wir mächtig geschmunzelt, wobei der kleine Kreis diesmal eher einem Dreieck glich. Ausser Rene Kübler von der BZ und mir war nämlich kein einziger Berichterstatter aus Südbaden am Osterwochenende nach Aue angereist, was Rene und mir die Bezeichnung „die beiden Zähen“ einbrachte, was von Robin Dutt (hoffentlich) als Kompliment gemeint war.

Meine persönlichen neuesten Beobachtungen im Erzgebirge lassen sich wie folgt zusammenfassen: Zu Ostern kann es schon einmal richtig winterlich hier sein. Das Einzelzimmer in einer gut bürgerlichen Pension kostet mit Frühstück nur 27 Euro – das Doppelzimmer 45. Das Essen schmeckt klasse und ist ebenfalls sehr preiswert. Schade finde ich, dass die einzige „Premiere-Sportsbar“ in Aue samstags leider erst um 17 Uhr öffnet, was mich gestern ganz schön gefrustet hat. Die rassistischen Neigungen und auch die sonst sehr häufige Verhasstheit im Stadion konnte ich diesmal nicht beobachten. Es war tatsächlich alles so, wie es auch Robin Dutt erlebt hat: Sehr gastfreundlich. Nur am Rande konnte ich noch beobachten, dass bei den jüngeren Menschen – so unter 30 / 35 – die Frauen hier weitaus attraktiver sind als die Männer. Später scheint sich das ganz auffällig ins Gegenteil zu wandeln. Das ist sogar Yoani aufgefallen. Vielleicht sind die attraktivsten Mädels spätestens mit 40 von den Herren aus dem reicheren Westen weggeheiratet oder so. Könnte zumindest sein.

Dass die Menschen hier bei Brillen auf Kassengestelle stehen, liegt vermutlich an den im Vergleich zu den alten Bundesländern spürbar niedrigeren Löhnen. Auf jeden Fall sieht’s verboten aus. Aber da alle Brillenträger so herum rennen, fällt es den Menschen hier wahrscheinlich gar nicht auf. Besuche in der Ex-DDR bergen auch fast 20 Jahre nach der Wende noch immer Überraschungen und Erkenntnisse, die ein Besuch in Fürth, Aachen oder Hamburg-St. Pauli nicht mehr birgt.

Sollte es also nicht klappen mit dem Aufstieg des SC, komme ich nächstes Jahr also auch gerne wieder hierher nach Aue. So wie Robin Dutt. Andererseits ist klar, damit der FC Erzgebirge drin bleibt in der zweiten Liga, müsste er am Freitag im Heimspiel Mainz schlagen. Und wenn der SC gleichzeitig  im Badenovastadion gegen Aachen gewinnt, steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Aufstieg des SC erheblich… Schaun mer mal.

In der Liveübertragung bei „baden fm“ habe ich heute Nachmittag folgende Noten an die SC-Spieler verteilt: Langer leitete mit einem groben Schnitzer das 1:2 ein. Deshalb nur die Note 4. Schwaab spielte zuverlässig und war unter dem Strich vermutlich der beste Freiburger. Note: 2. Krmas hatte defensiv zwar den einen oder anderen  Patzer dabei, war aber letztlich wohl Schütz der beiden Freiburger Tore. Note 2-3. Butscher hatte  vor der Pause ebenfalls einige „Böcke“ geschossen. Nach dem Wechsel war er besser. Note: 3-. Schlitte war kampfstark und dynamisch. Über seine Seite brannte nichts an. Note: 3+. Banovic spielte – wie schon gegen Köln – nicht wirklich überzeugend. Note: 4. Uzoma spielte fahrig, unkonzentriert und stand irgendwie neben sich. Die frühe Gelbe Karte tat ihr Übriges. Zur Pause wurde der Youngster ausgewechselt. Note: 5. Aogo blieb eigentlich sehr blass. Seine beiden höchst gefährlich geschlagenen Freistöße waren aber jeweils mehr als die halbe Miete für die Freiburger Tore – und Tore zählen nun mal im Fußball. Deshalb die Note 3+. Matmour spielte in Aue ohne die von ihm gewohnte Durchschlagskraft. Note: 4. Akrout hatte etwas Pech im Abschluss, ansonsten war seine Leistung absolut ok. Note: 3+. Jäger spielte trickreich und laufstark, allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Note: 3+. Pitroipa hatte in der zweiten Halbzeit, in der er mitwirken durfte, einige gute Szenen. Seine individuelle Technik ist beeindruckend. Note: 3+. Idrissou wirkte 30 Minuten Lang mit und fiel nicht weiter auf. Note: 4.

Die nächste Herausforderung wartet am Freitag mit dem Heimspiel gegen Aachen. Wenn dann ein Dreier gelingt, war der Sieg gegen Köln und der Auswärtspunkt beim Auswärts-Angstgegner Aue sehr wertvoll. In diesem Sinne – bis dann…

Frank Rischmüller

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