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04.12.2007 12:29 Alter: 11 yrs

13. Spieltag der 2. Bundesliga

Spvgg. Greuther Fürth - SC Freiburg


Das Vorspiel

Als Antenne-Moderator Olli Bolz mich gestern, Freitag, gegen 16 Uhr anrief, um für seine Nachmittags-Show von mir ein Statement für das Auswärtsspiel des SC in Fürth einzufangen, blieb ich ihm das Statement schuldig. Ich wollte und konnte gestern Nachmittag nicht über Fußball sprechen. Nach der Sportclub-Pressekonferenz bin ich für unseren Wochenzeitungsverlag direkt ins Freiburger Landgericht gefahren, wo ab 14 Uhr in Saal IV die Urteilsverkündung im Mordfall Auggen auf dem Programm stand. Das nahm mich im Folgenden so sehr mit, dass ich zwei Stunden später nicht locker flockig über Fußball plaudern konnte. Das ging einfach nicht. Das Häufchen Elend, als das sich der brutale Mörder einer 13-jährigen Schülerin, ein paar Schritte von mir entfernt, präsentiert hatte , war befremdlich. Der extrem brutale Ablauf des Mordes im markgräfler Dickicht,  ein paar Kilometer von meinem Müllheimer Arbeitsplatz entfernt, war sehr bedrückend. Der Umstand. dass das Gericht den Mord trotz seiner brutalen Merkmale quasi als durchschnittlichen Mord einordnete und auf die Feststellung der "besonderen Schwere der Schuld" verzichtete und der brutale Kindermörder deshalb nach 15 Jahren auf eine Freilassung auf Bewährung hoffen darf, hat mich geradezu schockiert. Ich musste ständig an die Eltern der Kleinen denken, die wie jeder in der Gegend weiß, einen Autohandel an der B3 betreiben. Die müssen die "durchschnittliche" Einordnung des Mordes durch das Schwurgericht doch als weiteren, zusätzlichen Nackenschlag empfinden. Das alles beschäftigte mich am Freitagnachmittag. Und dann rief Olli an und wollte wissen, wie es beim Sportclub aussieht.
Ja wie sieht's denn aus? Ich habe heute noch Probleme, mich auf die Thematik zu konzentrieren. Wegen des Prozesses gestern, vielleicht, ganz sicher aber auch, weil ja morgen, direkt nach dem Abpfiff im Playmobil-Stadion zu Fürth, meine Urlaubsreise in die Karibik beginnt. Ich hoffe, ich kann die ICE-Fahrt von Nürnberg zum Frankfurter Flughafen mit einem Sieg im Rücken antreten und dann, während des 10-stündigen Nacht-Fluges nach Santo Domingo vom vierten Erstligaaufstieg des SC Freiburg zu träumen. Der wahrscheinliche Ausfall von Butscher in der Innenverteidigung sollte von Khizaneishvili zumindest halbwegs aufgefangen werden. Im Angriff muss Robin Dutt experimentieren, wenn Matmour tatsächlich ausfällt. Nach den Verletzungen von Sanou, Jäger und Schlitte werden die Alternativen langsam knapper. Ich tippe darauf, dass Mesic in die erste Elf rückt und den Angriff komplettiert. Pitroipa ist gesetzt, Strafraumstürmer Bencik oder Konterstürmer Cafù ist dann die nächste Frage. Dahinzter wird wohl wieder das kompakte zentrale Mittelfeld mit Banovic, Uzoma und Aogo agieren. Also 4-3-3, wie schon in Jena und gegen Koblenz, statt 4-2-4 wie in den Wochen zuvor.
Trainer Robin Dutt sieht in der Partie morgen Nachmittag in Fürth kein "Schlüsselspiel". Sagt er . Vielleicht, um die Belastung von den Schultern seiner Jungs zu nehmen. "Wenn wir verlieren sollten, passiert nichts Wesentliches und wenn wir gewinnen auch nicht", schildert Dutt die Sachlage ganz locker. Dass der SC durch einen Sieg bei Greuther Fürth zu einem absoluten Topfavoriten der Liga wird, verschweigt der Trainer. Dass das Punkte-Polster auf die Verfolger richtig dick werden könnte, gegenüber Verfolger Fürth auf jeden Fall, verschweigt er ebenfalls. Nur keine Nervosität schüren, mag hier der Vater des Gedanken sein.
Freuen wir uns also auf ein spannendes Spiel "zweier Mannschaften auf Augenhöhe" (Bruno Labbadia)und setzen auf die recht gute SC-Bilanz in Fürth. Morgen früh um acht gehts los. Mein alter Spezi Frieder, der schon öfter bei Auswärtsspielen den Chauffeur gegeben hat, spannt seinen Sharan an, BZ-Kollege Michael Dörfler steigt ebenso zu, wie Andreas Eckermann, Party-Gängern bekannt als "Schwarzwald-Ammer" und ich. Auf dem Rückweg müssen die Herren dann auf den Mann vom Radio verzichten, denn Sonne, Sand, Meer und vor allem meine "Lebensabschnittsgefährtin" Yoani warten. Jetzt kommt wieder ein kurzer Abschnitt, den wir zusammen verbringen. Ist doch schöner, sich morgens, mittags und abends in den Arm nehmen zu können, anstatt nur immer zu telefonieren. Ich bin sicher, meine Tagebuchleser gönnen mir das - oder?
Aber vorher ist ja noch das Fußballspiel...

Das Fußballspiel

1:1 Unentschieden - einen Punkt nahm der SC heute mit aus Fürth nach Freiburg. Vor 6.300 Zuschauern im Playmobilstadion am Fürther Ronhof verdiente sich der Sportclub den Auswärtspunkt vor allem in der ersten Halbzeit. Vor dem Wechsel  hatten die Gäste, bei denen Heiko Butscher überraschend doch mitwirken konnte und Mesic für den verletzten Matmour aufgeboten wurde, deutlich mehr Spielanteile als die Mannen von Bruno Labbadia und erspielte sich auch ein klares Chancenplus. Trotzdem ging es torlos zum Pausentee.
Vier Minuten nach Woiederbeginn gelang Jonathan Pitroipa mit einer feinen Einzelleistung die zu diesem Zeitpunkt hoch verdiente Führung für den Sportclub. Bis zum Ausgleich der Spvgg. Greuther Fürth dauerte es jedoch kaum 60 Sekunden. Pitroipa, offenbar noch übergflücklich über seinen schönen Treffer, ließ Felgenhauer entweichen. Ibertsberger war nicht auf seinem Posten und auch der heraneilende Butscher konnte Felgenhauers Flanke nicht mehr verhindern. Schwaab war schließlich zu weit weg von Reisinger, der mühelos aus kurzer Distanz einköpfen konnte.
Jetzt kippte das Spiel und Greuther Fürth übernahm das Kommando. Das Chancenplus, dass die Freiburger in der ersten Hälfte noch ausgezeichnet hatte, war jetzt überdeutlich auf Seiten der Platzherren. Der Führungstreffer der Gastgeber lag mehrfach in der Luft, im Abschluss aber zeigten die Franken nun die Schwächen, die auch in Freiburg oft genug für Haareraufen sorgten. Die vielleicht größte Chance der Gastgeber hatte in der 78. Minute der für den verletzten Schröck eingewechselte Nicolai Müller, der zunächst an Walke scheitert und den Nachschuss  dann an die Oberkante der Querlatte knallte.
Erstmals in dieser Saison wechselte SC-Trainer Robin Dutt in der Schlussphase keine frischen Offensivkräfte ein, sondern er brachte, zur Sicherung des 1:1, den Defensivmann Oliver Barth für seinen talentiertesten Stürmer, Jonathan Pitroipa. Immerhin: Der Sportclub ließ nichts mehr anbrennen. 1:1 - ein Auswärtspunkt beim Mitfavoriten Greuther Fürth, arg Meckern will da niemand.

Das Nachspiel
"Gut, dass Ihr nicht so gut kickt, wie ihr kocht", hatte ich in dem Fan-Lokal des "Kleeblatts" (so nennt man in Franken die Spvgg. Greuther Fürth) dem Wirt , der unsere kleine Reisegruppe vor dem Spiel tatsächlich bestens beköchelt hatte, als Kompliment mit auf den den Weg gegeben. Das Essen war wirklich erstklassig gewesen. Und der Kick der Fürther kam zumindesyt in der ersten Halbzeit bei Weitem nicht an diese Qualität heran. Allenfalls nach den beiden Treffern, also in den letzten 40 Minuten, zeigten die Greuther Fürther, dass sie zurecht nicht weit von der Tabellenspitze der zweiten Liga entfernt stehen. Nur auf diese Spielphase konzentrierte sich der Kommentar von Trainer Bruno Labbadia in der Pressekonferenz nach dem Spiel. Hörte man dem einstigen Strafraumstürmer zu,  hatte sein Kleeblatt-Team den SC in Grund und Boden gespielt und musste nun Trauer tragen, da es nicht gewonnen hatte. Die versammelte Journaille hörte sich das beim in Fürth üblicher Weise kredenzten selbstgemachten Kuchen interessiert an. So mancher Fürther hat womöglich sogar zustimmend mit dem Kopf genickt. Außer Acht ließen Labbadia und sein Pressetross allerdings eine alte Fußballweisheit von Sepp Herberger: Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Eben nicht nur die letzten 40. Nimmt man die ersten 50 nämlich mit in die Gesamtwahrnehmung hinein, war es ein Unentschieden, das völlig in Ordnung ging. Die erste Halbzeit gehörte klar dem SC Freiburg - die Zweite genau soo deulich dem Kleeblatt. Das war's. Das 1:1 war für beide Seiten "zumutbar".
In meiner Einzelbewertung der SC-Spieler im Rahmen der Bundesliga-Show bei 106.0 Antenne verteilte ich folgende Urteile: Walke wurde erst in der zweiten Halbzeit ein paar mal geprüft und machte seine Sache gut. Seine Abschläge und langen Pässe waren diesmal suboptimal. Antenne-Note: 3. Schwaab spielte über weite Strecken zuverlässig wie immer - heute allerdings ohne Sahnehäubchen. Beim 1:1 von Reisinger war er nicht eng genug dran. Antenne-Note: 3. Krmas spielte ohne Fehl und Tadel. Antenne-Note: 2. Butscher war durch eine Innenbanddehnung im Knie gehandicapt. Das merkte man ihm durchaus an. Antenne-Note: 4. Ibertsberger hatte relativ viele Fehlpässe und "Böcke" mit dabei. Antenne-Note: 4-. Banovic spielte agressiv, fleissig und war stets Herr der Lage. Antenne-Note: 2. Uzoma war nicht ganz so stark und auffällig wie sonst. Antenne-Note: 3-4. Aogo war einer der Aktivposten im SC-Team. Antenne-Note: 2-3. Mesic hatte heute nicht seinen Tag - vielleicht ist die Matmour-Position letztlich auch nicht wirklich seine Position. Antenne-Note: 4-5. Bencik bekam wenige Bälle und konnte keine Akzente setzen. Antenne-Note: 4-. Pitroipa ließ  in Einzelaktionen, wie zum Beispiel beim Treffer zum 0:1, sein großes Können aufblitzen. Antenne-Note: 2-3. Günes spielte ab der 67. Minute für Mesic. Ihm fehlt es deutlich an Spielpraxis. Ali konnte in Fürth noch keine Akzente setzen. Antenne-Note: 4+. Cafù und Barth bekamen zu wenig Spielzeit, um eine Benotung zu erfahren.

So Sportfreunde, es ist viertel nach fünf, ich muss jetzt dringend vom Presseraum in Fürth per Taxi zum Nürnberger Hauptbahnhof und dann per ICE (Abfahrt kurz nach sechs) zum Frankfurter Flughafen. Der Wetterbericht verspricht für morgen Sonnenschein und 30 Grad - Strandwetter. Yoani macht am Telefon einen fantastischen Eindruck; meine Freundin scheint gut drauf zu sein. Gönnt mir einfach meinen karibischen Kurzurlaub! Saludos und bis zum Spiel gegen die Münchener Löwen!

Ich freue mich auf Ihre/Eure Meinungen im Gästebuch meiner HP www.frank-rischmueller.com