< 13. Spieltag der 2. Bundesliga
04.12.2007 12:30 Alter: 11 yrs

12. Spieltag der 2. Bundesliga

SC Freiburg - TuS Koblenz


Das Vorspiel...

beginnt in einer "englischen Woche" logischer Weise mit dem Ende des vorangegangenen Spiels. Nach dem ich im Presseraum der HSH Nordbank-Arena in Hamburg das "Nachspiel" zur Pokalniederlage beim HSV verfasst hatte, gings ins Hotel, noch schnell zwei, drei Absacker hier und da auf der Reeperbahn "und dann pennen und dann wieder zur Schicht" (Udo Lindenberg), wobei ja in Baden-Württemberg Feiertag war und ich es nach dem frühen Rückflug mit Easy-Jet ruhig angehen lassen konnte. Ärgerlich war, dass ich in meinem Hamburger Hotel das Netzkabel für meinen Laptop vergessen hatte. So war der Akku schnell leer und ich war das ganze Wochenende offline. Mein Tagebuch konnte ich daher nicht zu den gewohnten Zeiten ins Netz stellen, sondern erst am Montag. Ich bitte um Nachsicht und gelobe Besserung.
Am Feiertag erholte ich mich also von den Strapazen der beiden Auswärtsreisen nach Jena und Hamburg inklusive der dazwischen liegenden 14-Stunden-Tage für unseren Wochenzeitungs-Verlag. Der Freitag ist meistens ein eher ruhiger Arbeitstag. In der Mittagspause lädt Robin Dutt zum Süppchen und unterrichtet die versammelte südbadische Presse über das Neueste aus seinem Profi-Kader. Nur wer genau hin hört kann dann manchmal zwischen den Zeilen heraus hören, was personell beim SC geht. So war es mir zum Beispiel möglich gewesen, die vierköpfige Angriffsraute für das Pokalspiel zu prognostizieren und auch im Radio und hier im Tagebuch kund zu tun. Nach dem letzten Freitag war es schwierig eine Aufstellung für das Kobelnz-Spiel vorauszusagen. Bei der Videoanalyse habe er erste Ermüdungserscheinungen bei Eke Uzoma festgestellt, ließ der Trainer wissen. Und vielleicht gäbe es eine Überraschung. Die Überraschung war dann, dass Dutt gegen Koblenz dieselbe Elf auf den Rasen schickte, wie eine Woche zuvor in Jena - aber das gehört eigentlich schon ins nächste Kapitel.

Das Fußballspiel
    
Der Sportclub versuchte es also gegen die vor allem in der Defensive  bestens organisierte TuS von Trainer Rapolder -
wie in jena - mit einem dichten zentralen, defensiven Mittelfeld und nur drei gelernten Angreifern. In der ersten Halbzeit führte das zunächst zu erheblichen Problemen im Spielaufbau. Koblenz stand dicht gestaffelt und der SC fand kein Mittel, den Abwehrriegel der Gäsgte aufzubrechen. Die erste Halbzeit war müde, langweilig und blieb torlos. Doch Halbzeit zwei entschädigte für alles: Sechs zum Teil wundersc höne Tore, eine unglaublich spannende Dramaturgie und am Ende ein ausgelassen gefeierter 4:2 Sieg der Platzherren, der zumindest bis Montagabend den Spitzenplatgz in Liga zwei bedeutete. Noch wichtiger: Das Polster auf den vierten Platz wuchs auf vier Punkte.
Der SC Freiburg kam zwar personell unverändert, dafür aber mit größerer Laufbereitschaft und mehr spielerischer Inspiration auf den Platz. Allen voran Jonathan Pitroipa sorgte für mächtig viel "Alarm" in der Hälfte der Koblenzer. Schon sieben Minuten nach Wiederbegionn narrte er seinen Gegenspieler im Strafraum, tanzte drei andere Koblenzer, die nur zuschauen konnten aus und spielte quer auf den frei stehenden Bencik. Ledtzterer hatte wenig Mühe, zum 1:0 einzuschieben. Der Jubel war besonders laut und intensiv, weil die Torvorbereitung so schön war, vor allem aber, weil der Bann gebrochen schien. In der 65. Minute gab es Teil zwei der Pitroipa-Show: Pass des trickreichen Tausendsassas aus Burkina Faso auf den ebenfalls glänzend aufgelegten Dennis Aogo. Der flankt in die Mitte, Pitroipa schraubt sich och und nickt zum 2:0 ein - das Badenovastadion stand kopf.
Aber dann, aber dann... Übermütig und zum Teil ohne ausreichende Absicherung versuchte der Sportclub den dritten Treffer nachzulegen und wurde zweimal eiskalt erwischt. In der 66.- und 78. Minute reichte jeweils ein langer Ball auf TuS-Stürmer Djokai, um das Spiel zu kippen. Djokai ließ sich nicht lange biotten und vollstreckte jeweils gegen eine zum Teil engtgblößte SC-Abwehr zum 2:1 und 2:2. Das war eine kalte Dusche für den SC und die 13.600 Fans im Stadion. Als Koblenz in der 84. Minute erneut jubelte, schienen sich meine Befürchtungen vor dem Spiel - ich hatte einfach ein ganz schlechtes Gefühl gehabt - zu bestätigen. Allerdings erstickte Schiedsrichter Deniz Aytekin den Kobelnzer Jubel über das dritte Tor mit seinem Abseitspfiff im Keime. Freiburg war mit einem blauen Auge davon gekommen... un d schlug zurück. Sechjzig Sekunden nach dem nicht anerkannten Gästetreffer bedient Uzoma im 16-Meter-Raum den ungedeckten eingewechselten Mesic und der ex-Hoffenheimer bewies seine Torjägerqualitäten. 3:2 statt 2:3 - "ist das geil!" entfuhr es mir in meiner Liveübertragung bei 106.0 Antenne. Es wurde - Verzeihung - noch geiler: In der 89. Minute flankte Schwaab auf Aogo, der den Ball 18 Meter vor dem Gästetor perfekt mit der Brust stoppte und volley in den Winkel knallte. 4:2, ein Traumtor, der Sieg. Der SC macht einfach Spaß. Klar wird das Dutt-Team schon seit Wochen auch vom Glück verwöhnt, aber die Jungs vermitteln den Eindruck, dass sie sich ihr Glück auch erarbeiten. Deshalb gönnt man es ihnen.

Das Nachspiel   

Uwe Rapolder sprach von einem "sehr emotionalen Spiel", konnte damit aber nur die zweite Halbzeit meinen. "Wir wussten, dass Freiburg Spieler mit individueller Klasse hat, die so ein Spiel entscheiden können. Einerseits ärgere ich mich über die Niederlage, andererseits freue ich mich aber auch, dass einem jungen Spieler, wie Dennis Aogo, den ich schon einige Jahre beobachte, so eine technische Geste gelingt, wie bei seinem Tor zum 4:2." Sympathisch kam er rüber, der einsitige SC-Profi Uwe Rapolder.
Robin Dutt berichtete von vier Spielen, die er gesehen hatte und beschrieb die in  der Tat sehr unterschiedlichen Phasen der unter dem Strich überaus abwechslungsreichen Begegnung. Kritische Worte gab es vom Freiburger Chefcoach zum Spielaufbau in der ersten Halbzeit und zu den defensiven Nachlässigkeiten, die in der zweiten Halbzeit zum zwischenzeitlichen 2:2 geführt hatten. "So lange ich auf dem Platz noch so viele Dinmge abzuarbeiten und zu korrigieren habe, fehlt mir die Zeitr und das Interesse, mich mit der Tabelle zu beschäftigen", meinte der Trainer des frisch gebackenen Tabellenführers noch.
Und dann war die englische Woche beendet. Die Spieler können nun ihre Wehwehchen (und ich meine Erkältung) auskurieren und ihren Kräfteverschleiß aufarbeiten.
In der Bundesliga-Show von "106.0 Antenne" habe ich folgende Bewertungen für die SC-Profis verkündet:
Walke sah beim 2:1 Anschlusstreffer nicht besonders gut aus, war in dieser Situation aber auch von den Abwehrkollegen mehr oder weniger verlassen. Antenne-Notze: 3. Schwaab ragte nicht ganz so heraus wie in Jena und Hamburg. Trotzdem war es o.k.. Antenne-Note: 3+. Krmas war hinten stark, vorne glücklos. Antenne-Note: 3+. Butscher hatte - kritisch betrachtet - einige Male Probleme mit den schnellen Angreifern aus Koblenz, oder er war im falschen Moment zu weit nach vorne aufgerückt. Antenne-Note: 3. Ibertsberger sah bei den beiden Gegentreffern etwas unglücklich aus. Kämpferisch war er gewohnt zuverlässig. Antenne-Note: 3-. Banovic lief viel, rackerte für das Team und schlug gefährliche Freistöße. Antenne-Note: 2-3. Aogo war sehr präsent, schlug tolle Flanken und schoss ein Traumtor. Antenne-Note: 2+. Uzoma bot zunächst durchschnittliches, überwand aber seine schleichende Müdigkeit im dritten Spiel der englischen Woche und spielte in der 85. Minute eiskalt einen tödlichen Pass im gegnersichen Strafraum, der zum 3:2 durch Mesic führte. Antenne-Note: 3+. Matmour stand gegen Koblenz im SC-Angriff deutlich im Schatten von Pitroipa. Antenne-Note: 3-. Pitroipa war der Spieler des Tages: Vorbereiter, Torschütze und letztlich der Mann, der den Unterschied ausmachte. Antenne-Note: 1. Bencik machte, was man von ihm erwartet: Er schoss das 1:0 für den SC. Ansonsten fiel der Mittelstürmer kaum auf. Antenne-Note: 3+. Mesic, Cafù und Barth spielten jeweils nur wenige Minuten mit und bekommen keine Noten. Dass Mesic ein überaus wichtiges Tor zum 3:2 schoss, soll aber noch einmal erwähnt werden.
Das nächste Spiel bestreitet der SC am kommenden Sonntag bei der Spvg. Greuther Fürth. Selten habe ich mich so sehr auf ein Spiel und besonders auf den Abpfiff gefreut. Warum? Mein persönliches Nachspiel heißt "10 Tage Karibik und zehn Tage mit meiner Lebens(abschnitts)gefährtin Yoani". Wobei sich Lebensabschnitt auf den unerfreulichen Umstand bezieht, dass wir aus Visums-Gründen nur abschnittweise zusammen sein  können. Am Sonntag gehts für mich vom Fürth-Spiel direkt zum Flughafen Frankfurt und dann per Nachtflug nach Santo Domingo. Doppelte Freude also, denn erstens macht der SC zur Zeit unglaublich viel Spaß und zweitens wartet der Kurztripp über den großen Teich. Pünktlich zum "Knaller" gegen 1860 München bin ich dann wieder zurück.
Ich wünsche allen eine gute Woche und... am Dienstag kann ich mein Netzkabel beim Postamt abholen. Dem pünktlichen Erscheinen meines nächsten Tagebucheintrags steht also nichts entgegen.

Ich freue mich auf Ihre/Eure Reaktionen und Meinungen im Gästebuch meiner HP www.frank-rischmueller.com